Auf dem Weg zum Schamanen
| Ich streife durch die Wälder auf der Suche nach meiner Wahrheit, nach meiner Wirklichkeit. Ich kämpfe mich durch das dichte Unterholz, ich begegne Schatten und Hindernissen. Blutige Kratzer zieren meine Arme und wunde Füsse brennen auf meinem Weg. Zuweilen ist der unerbittliche Wald so dicht, dass kaum ein Stücklein Himmel zu sehen ist. Müde und ermattet lege ich mich des Abends hin, mein Ziel noch immer vor mir. Frierend auf dem Erdboden versickern meine Tränen im Urwald meines Lebens. Der Morgen taut und meine Glieder fassen neuen Mut. Noch ein Tag und meine Seele darf das Licht erblicken, das mir Heilung verspricht. Mutig stapfe ich weiter, mutig pocht mein Herz und treibt mich an, mein Licht zu finden. |
![]() Und ich entdecke inmitten des Waldes eine kleine Lichtung. Dort steht eine heimelige Hütte, die Fenster weit offen, und es riecht nach weissem Salbei und Harz. Trommelrhythmen wehen aus dem Inneren des mir entgegen strahlenden Hauses zu mir herüber, und herzliches Lachen. Die Sonne scheint gerade auf das bemooste Dach der Hütte, und der Weg zur Haustüre ist von kleinen Lichtern beleuchtet. |
Als würde sie schon auf mich warten.![]() Vorsichtig nähere ich mich durch den plötzlich lebendigen Wald. Vögel zwitschern, kleine Wesen spähen verschmitzt lächelnd hinter den Bäumen hervor, es raschelt im Geäst, in den Wiesen tanzen Elfen und Blumengeister, Schmetterlinge flattern um mich herum. Ich komme an. |
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Etwas schüchtern noch klopfe ich an die Tür, womit sich das schwere Holz wie von selbst öffnet. Ich linse hinein und wie von Zauberhand geführt betrete ich leichtfüssig den Raum. Ein rustikaler Tisch in der Mitte der erleuchteten Stube lädt mich ein, näher zu treten.![]() Der Boden knarrt unter meinen Füssen und ich gehe näher an den Tisch heran. Auf ihm liegen vier Kugeln. Sie schimmern und leuchten und laden ein, in die Hand genommen zu werden. Die Tür hinter mir quietscht in den Angeln und ich drehe mich erschrocken um. Aber da schauen nur die Waldwesen herein, und nicken, klatschen in ihre Hände und fordern mich auf, mich nur zu trauen. |
Ein kleiner blauer Vogel setzt sich zu mir an den Tisch und sieht mich mit kleinen dunklen Augen an, als würde er nur darauf warten, dass ich endlich eine der Kugeln in die Hand nehme. Ich blicke mich um, bemerke allerlei Fläschlein und Einmachgläser auf den Fensterbrettern, Schamanentrommeln an den Wänden, und einige dicke Bücher, die in einer Ecke nur darauf warten, gelesen zu werden. Im Kamin knistert ein Feuer, und ich wende mich wieder dem Tisch und den bunt glühenden Kugeln zu. Sie scheinen Leben in sich zu bergen, ihre Lichter pulsieren in einem gemeinsamen Herzschlag, heller und wieder nur wärmend. "Das ist Herzenskraft", ertönt ein Gedanke in mir. ![]() Die rote Kugel fasse ich an und eine neue Welt erscheint. |
Wie in einem Wasserfall wirble ich herum und lande in einem Raum, in dem sich bunt gekleidete Menschen befinden, die mich herzlich begrüßen und sogleich damit beginnen, meine Fragen zu beantworten, meine Wunden zu verarzten, sie bieten mir Kräuter an und sprechen mit mir über meine Sorgen. Sie bieten mir einen Platz am Feuer und hören mir aufmerksam zu. Es gibt keine Zeit in diesem Raum. Ich weiß nicht , wie lange ich bleiben werde und schon da bin. Diese Menschen wandern in meine Seele und ziehen meine Schmerzen heraus und verarzten meine Verletzungen. Sie füllen mich mit Licht und Kraft und nehmen mir meine Ängste ab. Sie sprechen mit Tieren, und die Tiere antworten. Sie sind umgeben von tanzenden und fröhlichen Geistern. Nichts müssen sie alleine entscheiden. Alles wirkt von innen nach aussen, und von aussen nach innen in liebender Harmonie. Es wirkt durch und durch, reinigt, klärt, füllt und nährt mich. So habe ich die Wirklichkeit gefunden. Sie ist dort, wo etwas wirkt, wo ich spüre: es ist wirkungsvoll. |
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| Ich verlasse diesen Ort wieder, und trage einen Schatz nach Hause. Ich habe eine Welt gefunden, in die ich jederzeit zurückkehren kann und willkommen bin. Wo immer ich bin, wo immer ich sein werde: die Kraft der Liebe wohnt in mir und erfüllt mich mit ihrem Wirken. Sie existiert in jedem von uns. In unseren Herzen. Wir sind frei. Die Schamanenstube: ein Ort der Hilfe, des schamanischen Lernens und der Freude. |




