SCHAMANISMUS -
…das ist nicht beschreibbar- sondern nur erlebbar.
Wer nie den Duft von verbrennendem Salbei in der Nase hatte,
nie von einer Adlerwschinge gestreift wurde,
nie lachend durch hohes Gras gelaufen ist,
der kann nicht wissen, wie sich das anfühlt.
Schamanismus ist für mich eine Art und Weise, wie man in unserer zivilisierten (?) Welt trotz allen Ablenkungen von aussen ein Leben lebt, das sich in der Form von anderen Lebensweisen unterscheidet, dass man Kontakt zu anderen Welten und anderen Wesen hat.
Schamanismus ist ein Ritual.
So wie Zähne putzen oder schlafen gehen.
Zu gewissen Zeiten wiederholen sich gewisse Situationen, gewisse Gerüche oder Dinge, die man sieht oder spürt.
Kennst Du das Gefühl, wenn Du ein Buch aufschlägst, und plötzlich erinnert dich der Geruch des frisch gedruckten Buches an ein Märchenbuch aus Kindertagen?
Mein Körper hat sich an gewisse Gerüche, Bewegungen, Rhythmen und Klänge gewöhnt.
Wenn ich schamanisch arbeite, dann räuchere ich IMMER mit Salbei und Baumharz.
Das hat sich so ergeben, weil es bei uns genug Bäume und folglich genug Baumharz gibt, und ich oft kein Geld hatte für teure Räuchermischungen aus dem Geschäft.
Salbei habe ich oft im Garten angebaut und die Blätter roh gegessen, weil ich irgendwo mal hörte, dass ein einziges Salbeiblatt den Körper von allen Umweltgiften reinigen soll.
Und auch meine indianischen Freunde halten sehr viel von Salbei, sie sagen, dass Salbei heilig ist und erklärten mir, dass nur Schamanen die „Smudgesticks“ mit weißer Schnur umwickeln dürften, während die „Nicht- Schamanen“ mit roten Fäden binden müssten. Nach meiner Initiation während der Bären- Zeremonie wurde mir erlaubt, dass ich weiße Fäden benutzen dürfte.
Ich verwende also zum räuchern Salbei und Baumharz.
Ausnahmslos.
Alleine der Geruch hilft mir schon, in die andere Welt zu gelangen.
Wenn ich ein Bett sehe, dann denke ich an Schlaf.
Rieche ich Baumharz oder Salbei, dann denke ich an schamanisches Arbeiten.
Ich verwende eine Schamanentrommel. Eine große flache Trommel, die ich bemalt habe mit meinen Krafttieren und Totemtieren, mein Handabdruck in der Mitte, und in der Handfläche das Medizinrad in Punkten dargestellt.
An der Rückseite der Trommel habe ich kleine Glöckchen befestigt. Die Trommel hat einen sehr tiefen Klang, den ich brauche um in die Geistwelt gelangen zu können. Die Glöckchen klingen hell, sie locken Naturgeister an, die sehr neugierig sein können. Die Trommel ist ein Wesen. Sie ist zugleich Teil von mir- mit mir verbunden. Keiner außer mir darf sie verwenden.
Nicht, weil ich es niemandem vergönnt wäre darauf zu trommeln, sondern weil die Trommel ein Kraftgegenstand ist, der meine Energie trägt.
Will ich auf ihr trommeln, dann spanne ich ihre Haut über Feuer. Der Rand ist bedeckt mit Ziegenfell.
Als Griff habe ich weiches Hasenfell verwendet, das nicht in die Hände einschneidet, wenn ich länger trommle.
Höre ich die Trommel, dann beginnt die Reise.
Am besten kann ich reisen, wenn ich für mich selber trommle.
Jeder Schamane hat seine eigenen Rituale, seine eigenen Vorlieben.
Die Inuit- Shamans in Alaska verwendeten hohle Knochenstücke, in die sie Kerben einritzten. Mit einem anderen Knochenstück wird über diese Kerben geratscht, sodass ein wunderbarer Klang entsteht.
Sibirische Schamanen tanzen sich oft in Trance, nähen Metall an ihre Kleidung (sogar Löffel und Siebe müssen herhalten). Es scheppert und klirrt, und der Schamane singt und tanzt und vielleicht trommelt dazu noch jemand.
Andere versenken sich in tiefste Meditation, brauchen vielleicht nur Naturgeräusche oder Musik…
Für meine schamanische Arbeit habe ich eine eigene Bewegung, die mir hilft, leichter in den Zustand der „nicht- alltäglichen Wirklichkeit“ zu versinken.
Ich sitze im Schneidersitz am Boden, und schaukle mit dem ganzen Körper nach vor und zurück, während ich meine Trommel schlage und meine Augen mit einem Tuch verbinde um es ganz dunkel zu haben.
Das ist mein ganz persönliches Ritual.
Ich zünde Salbei und Baumharz an, reinige meinen Kopf, mein Herz, meine Hände mit dem Rauch, setze mich hin, verbinde meine Augen, nehme meine Trommel, trommle vier Schläge für jede Himmelsrichtung- und dann beginnt meine Reise.
Am Ende der Reise trommle ich wieder für alle Himmelsrichtungen, und ändere dann den Rhythmus, um leichter zurück zu finden.
Was man bei so einer schamanischen Geistreise machen kann ist so schnell nicht zu erklären.
Aber ich will versuchen, einige Dinge anzusprechen.
Man kann Seelenteile zurückholen, die bei Unfällen, Traumen, schlimmen Erlebnissen, nach einem Schock oder auch bei Vergewaltigung oder Missbrauch verloren gehen.
Diese Seelenteile sind geflüchtet, in Situationen, in denen sie Angst hatten. Sie haben sich zurückgezogen. Ein Psychologe würde sagen: „Verdrängt ins Unterbewusste“.
Und genau dorthin gehen wir, um sie zurückzuholen. Wir locken sie, fangen sie, bitten sie zurückzukommen. Natürlich muss da schon alles vorbereitet sein, denn wenn sich nichts geändert hat an der schlimmen Situation, dann kommt der Seelenteil natürlich gleich gar nicht mit, oder er kommt zurück und geht dann gleich wieder weg vom Körper. Das muss man verhindern, denn die Eskimos (sie selbst nennen sich Inuit)- sagen, daß man einen Seelenteil nur dreimal zurückholen kann, dann ist er für immer verloren.
Man kann in vergangene Leben reisen. Man kann Fragen stellen und bekommt Antworten. Früher hatte ich einen Bären als Krafttier, der lebte in der Traumhöhle. Und an der Decke der Traumhöhle, da hingen die Traumkugeln. Und in jeder Traumkugel war ein vergangenes Leben von mir drin. Und wenn ich meinte, daß ich etwas unbedingt wissen muss, dann bat ich den Bären darum, daß ich mir eine Traumkugel anschauen möchte.
Und wenn der Bär es erlaubt hat, dann durfte ich eine der Kugeln vorsichtig von der Decke der Höhle nehmen, setzte die Kugel an meine Lippen an, und begann zu saugen, so lange, bis ich das vergangene Leben in mir hatte und die Bilder sah.
Wenn ich genug gesehen hatte, dann blies ich alle Bilder wieder zurück in die Kugel, und hängte sie zurück zu den anderen Traumkugeln an die Decke. Dann bedankte ich mich beim Bären und reiste wieder zurück in die alltägliche Wirklichkeit.
Man kann Berggeister, Baumgeister, Windgeister, Feuergeister und viele andere Wesen besuchen, und ihnen Fragen stellen oder sie um Hilfe bitten, oder man kann sie fragen, ob sie etwas brauchen, das ihnen Mensch geben könnte. (Opfer)
Man kann Krankheiten besuchen und fragen, was sie brauchen, oder weshalb sie gekommen sind.
Sehr viele Krankheiten sind ja nicht einfach so da, sondern sie wollen etwas aufzeigen. Meistens wollen sie aufzeigen, daß man etwas zu wenig hat, oder etwas zu viel hat. Zu viel Energie, oder zu wenig Energie.
Oder daß man falsch lebt.
Man kann Eindringlinge entfernen, Aura reinigen, einfach die Seele baumeln lassen und die Geistwelt erkunden, man kann mit Delphinen unter Wasser tauchen und hoch in die Luft springen. Man kann wie ein Adler über bestimmte Situationen fliegen und alles aus einer anderen Perspektive betrachten, kann Menschen um Verzeihung bitten, zu denen man seit Jahren keinen Kontakt mehr hat.
Man kann Ahnen besuchen, Häuser energetisch reinigen, Körper energetisch reinigen, mit Tieren sprechen, mit Pflanzen sprechen, und man kann sich selbst besuchen in schwierigen Situationen die man im Leben so durchgemacht hat, und kann dann sich selbst- als Kind besuchen und diesem Kind beistehen, indem man ihm sagt: „Siehst Du, ich bin jetzt erwachsen, es war wichtig, daß du das erlebt hast.“
Man kann das Kind (sich selbst) umarmen, und trösten, und ihm beistehen und nochmal durch die Situation gehen, mit dem Wissen, daß alles gut wird. Daß man es üebrlebt, daß man es vielleicht gebraucht hat, daß nichts umsonst passiert, usw….
Wäre die Geistwelt ein natürlicher Bestandteil eines jeden Menschenlebens, dann gäbe es viele Sorgen und Probleme weniger auf dieser Welt.
Wir würden nicht achtlos Bäume umschneiden und Tunnels bauen, würden bewusster leben, anders mit Krankheiten umgehen, könnten leichter verzeihen und mehr Liebe geben, wir könnten mit unseren Kindern besser umgehen und viele Dinge aus anderen Perspektiven betrachten. Wir hätten innerhalb der Familie weniger Probleme, hätten Kontakt zu den Ahnen die uns helfen könnten in unserem Leben.
Ohne geistige Sicht sind wir zur Hälfte blind.
Sonja