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Öffentliche Lebensberatung


Es wurde öffentlich um Rat gefragt. Können Sie konstruktiv helfen?

Opferrolle und mangelndes Selbstwertgefühl

Claudia schreibt am 21.05.2021



Liebe Schamanenstube, was sagt ihr zu folgendem Thema:

ich habe direkt zwei Frage und hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt bitte:
1. Ich habe noch nie eine Beziehung gehabt, die ich mir ausgesucht hätte. Ich war nur in Beziehungen, die der jeweilige Mann wollte und ich hab mich dann sozusagen gefügt, weil ich dachte, das wäre das Richtige. Allerdings bin ich dann nie lange glücklich gewesen und manche Männer haben mir auch körperlich, emotional und finanziell sehr geschadet. Jetzt lebe ich mit einem Mann zusammen, der 19 Jahre älter ist als ich und hier fühle ich mich komplett ausgeliefert, eingeengt und gefangen und sehe nicht mehr, wie ich hier raus kommen kann. Ich fühle mich oft nur ausgenutzt, erpresst und missbraucht.
Die Frage hierzu ist: warum ist das so und wie kann ich das ändern, damit ich irgendwann auch mal glücklich bin?

2. Finanziell gerade ich immer von einem Engpass in den nächsten. Ich hab mich im Nebengewerbe selbständig gemacht, lege aber immer nur drauf, seit Corona kann ich den Zweitjob gar nicht mehr ausüben. Jetzt habe ich noch mal umgeschuldet und dachte, ich hätte nun etwas Lust, dann geht mir das Auto kaputt, noch ein Darlehen geht einfach nicht. Egal was ich versuche, die Schulden werden immer mehr und die Luft manchmal echt dünn. Ich hab in vielerlei Hinsicht, jeder verdient an mir, nur mir geht’s immer schlechter.
Die Frage hierzu ist: was kann ich tun, damit es endlich aufwärts geht und ich auch wirklichen Erfolg habe?



  • Schamanenstube

    Liebe Claudia
    Wir finden es spannend, dass beide Fragen - so unterschiedlich sie klingen - für uns mit denselben Massnahmen angehbar sind, die uns spontan in den Sinn kommen. Wir trennen sie dennoch voneinander:

    Frage 1
    Partnerwahl
    Die Antwort auf Deine erste Frage dazu - warum das so ist - können wir so auf die Schnelle natürlich nur vermuten. Die harte Essenz dieser Gedanken: weil Du es willst.
    Lass uns das ausführen:
    Alles scheint bei Dir mit der Abgabe der Eigenverantwortung zu beginnen und zu enden. Ob diese Abgabe beim Eingehen einer Beziehung oder erst danach stattfindet, spielt für die jeweils aktuelle Situation keine Rolle. Die zweite Frage dazu lässt sich ebenfalls mit der Eigenverantwortung angehen. Quasi: wenn Du an Deiner Eigenverantwortung arbeitest, wird die Beziehung
    womöglich wieder viel besser.

    Was meinen wir mit Eigenverantwortung?
    Zu jedem Zeitpunkt kann man sich fragen, wie es einem geht und ob das, was man im Moment tut (nicht erlebt), dazu führt, dass es einem gut gehen wird. Es ist fatal, Verantwortungen abzugeben oder sie auf andere zu projizieren, wenn man sie selbst erfüllen könnte. Von nichts kommt effektiv nichts. Die Eigenverantwortung ist wie ein Geschenk. Du darfst Dich fragen, ob das was Du bewegst im Leben, Dir gut tut. Dabei darf zusätzlich der Wille, etwas an der Situation zu ändern, immer mitschwingen. Quasi die Frage: wie mache ich das besser? - Für mich!

    Woher kommt ein fehlendes Bewusstsein für sich selbst? Das müssten wir in einer Sitzung anschauen. Wir würden in Richtung der Eltern gehen, der eigenen Selbstdefinition in verschiedenen Lebensabschnitten und dem im Titel angesprochenen Selbstwertgefühl. Letzteres darf nie als Ausrede dienen: denn der Selbstwert hängt immer von allem rundherum ab. Wir können Dir zum Beispiel den Selbstwert so richtig voll wieder aufbauen und ihn mit einem Schnipsen wieder zerstören. Das ist ein wankemütiges Teil. Der Selbstwert ist abhängig von den Dingen und Gefühlen rund herum. Auch hier greift die Eigenverantwortung: man kann sich emotional Sicherheiten bauen, die von Dauer sind und dauerhaft dem Selbstwert einen Boden geben.


    Frage 2
    Selbstständigkeit
    Du hast ganz schlimme Sätze geäussert. Den schlimmsten empfinden wir als den: "jeder verdient an mir, nur mir geht’s immer schlechter"
    Wir denken, Du glaubst an diese Selbstverfluchung. Das andere wäre Jammern, was es noch schlimmer machen würde (siehe vorher: was tust Du mit Dir in der Eigenverantwortung?).
    Dürfen wir Dich fragen, warum Du selbstständig sein möchtest und was Deine Vision dahinter ist?

    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Claudia

    Liebe Schamanenstube, vielen Dank für die Antwort und ja, es passt schon. Selbstwert ist schon ein großes Thema und Eigenverantwortung auch.

    Warum möchte ich selbständig sein - tja, im Ursprung wollte ich das nie, aber ich hab das Gefühl noch etwas hier bewegen zu müssen und wenn ich es nicht tue, passiert halt nichts. Ich möchte auch beweisen, dass ich das kann und gut darin bin. Ich hab früher als DJ gearbeitet und dann Anfang letzten Jahres eine Diskothek übernommen, ließ sich auch gut an, und dann kam Corona. Dann wollte ich Strandkorbparties usw. mit sicherem guten Konzept veranstalten, aber die Verwaltung hier ist so zäh. Ich mag es Veranstaltungen zu organisieren und hab auch immer ein gutes Feedback gehabt. Bislang war jedes Event direkt ausverkauft und die Anerkennung für das, was ich auf die Beine gestellt habe, war auch toll. Und ich hoffte halt auch, dass wenn sich das gut anläuft, könnte ich den Bürojob reduzieren und nur noch in Teilzeit machen. Ich hatte immer schon zwei Jobs, und nun schon über ein Jahr nur noch das Einkommen aus dem Bürojob, was leider auch nicht reicht. Was mit ein Grund ist, dass ich mich derzeit räumlich nicht trennen kann, auch wenn das Miteinander hier mich scheinbar krank macht. Der Wohnungsmarkt hier ist ziemlich leer gefegt und arg teuer. Und aufs Amt geht nicht, weil ich hab ja ein Einkommen, auch wenn es nicht reicht, um die Schulden und noch eine Miete zu zahlen. Und von meinem Partner kann ich nicht viel erwarten, er war bereits dreimal verheiratet, eigentlich leben wir sozusagen zu fünft hier. Mit seiner ersten Frau schreibt er noch täglich und ist für sie da, die zweite ist früh gestorben, da hängen die Bilder noch hier und die dritte, da läuft seit über vier Jahren die Scheidung und er zahlt immer noch für sie, damit sie gut leben kann. Alles was wir anschaffen, schreibt er mir zur Hälfte auf ein Schuldenkonto, damit ich ihm das mal irgendwann zurückzahlen kann, usw. Ok, das ist jetzt jammern.
    Ich bin die fürs Grobe, alles in Ordnung und sauber halten usw., zum Repräsentieren und alles. Aber er steht nicht hinter mir. Wenn ihm was passiert, sitze ich am gleichen Tag auf der Straße, er sichert mich nicht ab und nix. Bei einer Begehung einer Veranstaltungsfläche hat er den Beamten des Bauamts gesagt, ich hätte auch noch einen seriösen Job, heißt, er schämt sich dafür, dass ich das mache, es ist ihm wohl peinlich. Im Augenblick hab ich das Gefühl, ich stecke fest und seh noch nicht, wie ich das wieder hinbekommen kann.

    Liebe Grüße,
    Claudia


  • Claudia

    ich hatte eine so ausführliche Antwort geschrieben, aber leider ist wohl alles weg :-(


  • Schamanenstube

    Liebe Claudia

    Wir schalten die Texte jeweils manuell frei, dann erscheinen sie hier. :-)

    Deine Unternehmungen tönen alle spannend, von der Disco über die Strandkörbe. Hut ab, das scheinen Dinge zu sein, die Dir Freude bereiten. Corona wird bald mal vorbei sein: das wird sicher alles wieder laufen. Es ist sicher höchste Eisenbahn, sich jetzt auf Neustarts vorzubereiten.
    Zusätzlich arbeitest Du im Büro, um Dich zu finanzieren. Genau so funktioniert das. Super!

    Im Punkt Eigenverantwortung nennst Du ja alle Notwendigkeiten, wie z.B. dass Dein Mann Dich nicht absichert. Das ist wahrscheinlich auch nicht sein Job, sondern Deiner. Du wirst förmlich zur Eigenverantwortung getrieben. Da bleibt nur Danke zu sagen und sie anzugehen. Du wirst gratis angeschoben.

    Deine Sätze sind meist im Passiven geschrieben und beschreiben stets, warum etwas grad nicht geht oder was man Dir antut. Du hast aber ein riesen Potential mit Deinen Unternehmungen. Da fragen wir uns schon, was Dich daran reizt, Dich in die Opferrolle zu bugsieren, statt zu reagieren und zu agieren. Ist es Faulheit? - Kann ja nicht, Du kannst ja auch Grosses managen und hast es schon getan.
    Was reizt Dich am Opfersein?

    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Claudia

    Liebe Schamanenstube,

    vielen Dank für die Antwort und die Mühe, die ihr euch macht.

    Ja, Faulheit kann man mir nicht vorwerfen. Sondern eher, dass ich immer gegen Windmühlen kämpfe. Ich agiere ständig, lege den Verwaltungen hier und in Nachbarstätten seit einem Jahr Konzepte vor, habe viele Gespräche geführt mit Techniker und Entscheidungsträgern bis hin zu den Stadtspitzen, und da bleibts dann hängen. Wir haben hier leider die Situation, dass ein Bürgermeister abgewählt wurde und in dem laufenden Verfahren (fast ein Jahr) die Stadt kaum handlungsfähig war, es konnte nichts entschieden werden. Und inzwischen scheint man kein Interesse mehr zu haben. Zumindest drängt sich der Eindruck auf, und es geht nicht nur mir so, viele Gastronomen oder Einzelhändler haben deshalb arge Schwierigkeiten.

    Mich reizt das Opfersein nicht, im Gegenteil, ich hasse es, darin gefangen zu sein. Tatsächlich wurde ich 2008 Opfer eines tätlichen Angriffs und wurde mit einem Messer so verletzt, dass ich lebenslänglich mit den Folgen zu tun habe. Trotzdem habe ich nie aufgegeben. Die Polizei, der Weiße Ring, die Anwälte usw, alle, die mit dem Fall betraut waren, oder wo ich mir Hilfe suchen wollte, haben gesagt, es täte ihnen ja leid, aber gerad in meinem Fall wäre da so alles gänzlich schief gelaufen. Opferentschädigung wurde mir verweigert, da ich ja vorbelastet sei, meine Mutter sei schließlich Alkoholikerin und krebskrank gewesen, daher hätte ich einen psychischen Vorschaden usw. Heute sagt man mir, es sei ein Fehler gewesen, damals nach 18 Monaten Krankschreibung, wieder arbeiten zu gehen, anstatt ins Hartz 4 zu fallen. Dann hätte ich eher die Teilrente bekommen. Tja, hinterher ist man immer klüger.

    So lange ich denken kann, habe ich immer gekämpft, aber dennoch gibts immer wieder Rückschläge.

    Dass mein Partner mich nicht absichern muss, versteh ich ja, will ich eigentlich auch nicht. Aber ich habe alles aufgegeben, weil er wollte, dass ich hier einziehe, und hier bin ich trotzdem nur Gast. Mir gehört hier nichts wirklich, wenn ich hier ausziehen muss, fang ich bei null an. Ich verstehe nur nicht, warum ich hinter seinen früheren Frauen stehe und nicht gleichberechtigt bin. Früher hat er alles allein finanziert, hier wird nun die große Rechnung aufgemacht und er "leiht" mir Geld für Anschaffungen für "sein" Haus. Und wie gesagt, er hatte mir versprochen, er regelt das beim Notar, dass ich hier vorübergehend wohnen bleiben kann, wenn ihm was passiert. Und da er vorletztes Jahr mit Verdacht auf Schlaganfall nah dran war, hätte ich das zumindest erwartet. Aber er verspricht immer nur, und hält es nicht ein. Wenn ich mit ihm drüber spreche, kommt da nicht mal ne Antwort, das schüttelt er so ab. Wie kann ich mit jemand eine Zukunft haben, der nicht zu mir steht?

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Claudia


  • Schamanenstube

    Liebe Claudia
    Danke für Deine Ausführungen. Nun glauben wir doch, etwas klar rauszulesen. Nicht im Deinem Tun, nein, nein: im guten Umgang mit Dir selbst.

    Alles, was Du schreibst, zeigt, dass es Dir nicht möglich ist, Dich zu entfalten. Es gibt im Schamanismus eine Wechselwirkung nach aussen, die das erschafft, was man eigentlich will. Diesen Kern gilt es zu finden, denn er ist es, der die Welt um Dich herum erschafft.

    Du schreibst praktisch ausschliesslich darüber, warum gewisse Dinge nicht laufen. Das stimmt sicher alles. Wir schauen es uns auf Gefühlsebene an und verwehren uns beim Lesen ständig den Gedanken: sie will gar nicht. Du erschaffst Dir mit Deinem Kern eine Welt, da Du Dir das erfüllst. Kannst Du das nachvollziehen?

    Das Kämpfen, das ständige Bemühen rechtfertigt damit den Misserfolg. Du bist aber nicht fein raus mit dem Satz: "sie hat sich Mühe gegeben".

    Um diesen inneren Kern anzugehen, müssten wir hier den Verstand mit dem Verstehen der Umstände etc ausser Acht lassen und auf die emotionale Ebene wechseln. Könntest Du emotional erklären, warum Du kein schönes Leben führen willst? - Ohne irgend jemand anderen zu benennen, nur Dich?

    Dir auch einen schönen Sonntag! :-)


  • Claudia

    Liebe Schamanenstube,

    ja, ich glaube ich hab verstanden. Das erste, was mir durch den Kopf ging, als ich eure Antwort gelesen habe, war: weil ich es nicht verdient hab und es nicht wert bin. Ich musste immer kämpfen, um mir Zuneigung und Aufmerksamkeit zu verdienen. Und scheinbar hat sich das so eingebrannt, dass ich das Gefühl habe nicht gut genug zu sein. Selbst wenn ich die Beste bin, reicht es noch immer nicht aus.

    Wie kann ich das ändern oder umprogrammieren?

    Liebe Grüße
    Claudia


  • Schamanenstube

    Liebe Claudia
    Im Schamanismus nennen wir es eine Selbstverfluchung. Das meint eine Ordnung (oder wie Du es nennst Programmierung), die Deine Lebenskraft immer in dieselbe Richtung fliessen lässt. Diese Richtung heisst: das eigentliche Ziel nicht wert zu sein.
    Das beginnt mit dem Gedankengut, respektive der Wortwahl Deines Denkens. Jeder Satz den Du denkst, darf aufmerksam betrachtet werden. Und ist er von der falschen Ordnung beeinflusst, muss man ihn im Kopf umformulieren.
    Das ist harte Arbeit an sich selbst. Es hat einige Zeit gedauert, diese Ordnung zu bauen. Mit den Jahren hat sie sich gefestigt und bietet eine sichere Art und Weise, zu denken und zu fühlen. Die Tiefe dieses Grabens (bildlich gesprochen für Ordnung) ist massgebend für die Dauer der "Umprogrammierung". Jeder Gedanke, der sie bestärkt, formt den Graben wieder etwas tiefer, bis es ein Tal wird.
    Wir machen das immer als Therapie. Hier werden Einzelschritte als Teilziele definiert. Darunter liegen Absichten:

    1. Das Erkennen der eigenen Gedankenrichtung
    2. Das Umformulieren
    3. Das emotionale Erkennen, dass Du Dir nichts Gutes mit den Gedanken tust.
    4. Die emotionale Änderung durch Gefühle wie z.B. die Scham, dass Du das mit Dir tust
    5. Einsatz von Hilfsmitteln, die Dir helfen, Deine Gedanken bewusst zu machen
    6. Üben, üben, üben
    7. Den ständig drohenden Rückfall ins alte Muster als keine Möglichkeit ansehen

    Es braucht viel, sich zu ändern. Wir sind alle Gewohnheitstiere. Was funktioniert (ob gut oder schlecht), wird immer wieder genommen. Vielleicht hast Du einen guten Therapeuten in Deiner Nähe, wo Du dies in Form einer Verhaltenstherapie mit Zielerreichungsskale angehen kannst? - Alleine ist das noch schwieriger zu ändern.

    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Claudia

    Liebe Schamanenstube,

    vielen herzlichen Dank, ja das klingt stimmig für mich.
    Ich werde mir einen Therapeuten suchen, das hatte ich ohnehin schon im Sinn und jetzt noch mal verstärkt.
    Bis dahin versuche ich selbst an mir zu arbeiten.

    Herzlichen Dank für eure Unterstützung,
    liebe Grüße
    Claudia


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