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  • schreibt über Schamanenschule

    Ritual Anleitung: schamanisches Ritual im Wind - bewegendes Element Luft. Zur Ritualzeit im Einklang mit dem Wind. Ritual zur Prozesseinleitung.

    Mai
    2017

    29


    Feld des Windes
    Während der Ausbildungen der Schule für Schamanismus Therapie widmen wir uns in einer Kursserie dem Element Luft. Das machen wir, bevor wir Medizinräder legen oder Naturrituale angehen. Mit den Erfahrungen aus diversen schamanischen Reisen, wächst ein tiefes Verständnis für die bewegende Kraft der Luft und der Winde. Dieses Verständnis erlaubt eine Gefühlsbasis, die das Eintauchen in kraft- und wirkungsvolle Rituale ermöglicht. Vielleicht ist es wieder einmal richtig, eines dieser Element-Rituale hier zu beschreiben. Ob jemand schamanisch reisen kann oder Erfahrungen im Schamanismus hat, ist nicht so entscheidend für die Durchführung. Entscheidend sind die Momente erlebter Privatheit.



    Einklang auf das Element Luft

    Stehen Sie an einem schönen Sonnentag an einer Wiese oder an einem Feld. Wichtig ist, dass Sie eine gewisse Fläche vor sich haben: sie darf gross sein. Stehen Sie so, dass der Wind von links oder rechts über das Feld streicht. Am besten ist es, wenn das Feld Ihnen zusätzlich zur dieser Position einen Ort schenkt, an welchem der Wind Ihren Rücken stärkt. Es ist schön, ein Feld zu finden, das von allen Seiten her begangen werden kann. Mitten auf einer Wiese kann man sich natürlich einfach drehen. Einige schamanisch Praktizierende können womöglich die Windrichtung während dem Ritual drehen. Wie auch immer, es darf eine private Zeit beginnen.


    RitualSie sollten natürlich nicht mitten in einem Feld stehen. Bauern finden das auch dann nicht prickelnd, wenn Sie keinen einzigen Halm umknicken. Für das Ritual reicht es allerdings, am Rand eines Feldes zu stehen.


    Beim Einklang auf ein Ritual setzen wir auf Integration all dessen, was Sie hergeführt hat. Vielleicht sind Sie durch die Sonne gegangen und etwas verschwitzt, atmen etwas stark durch das Gehen auf dem Weg, ärgern sich, dass Sie kein Wasser dabei haben. Solche und weitere Gedanken und Befindlichkeiten dürfen beim ruhigen Stehen aufkommen. Es geht bei schamanischen Ritualen nicht darum, diese Gedanken ähnlich wie bei Meditationen vorbeiziehen zu lassen oder zu vermeiden. Es geht darum, diese Gedanken zu verwenden. Dabei gibt es den Trick, die Gedanken auszusprechen oder zumindest klar in Worte gefasst zu denken, als ob man sie sprechen würde. Die Auseinandersetzung mit den Befindlichkeiten und aktuellen Gedanken darf zur Wahrnehmung führen, wer man im Moment gerade ist. Sie kommen mit dem, was sie ausmacht, an diesen Ort. Also ist das im Jetzt ein Teil von Ihnen. Die Wahrnehmung von einem selbst kann dadurch stärker werden und zu einer Reflexion führen. Am Ende des Ankommens steht ein bewusstes Sein. Die Dauer der Reflexion darf so lange gehen, bis sich Ihre Wahrnehmung verändert. Vielleicht kennen Sie diesen Effeekt von Ferien. Viele erleben ca. am dritten Tag an einem Ferienort, dass sie den Ort zwar noch gleich sehen, sich aber ein Gefühl dafür eingestellt hat. Als ob sie nochmals angekommen wären. Aus schamanischer Sicht entspricht das der Bewegung des Ankommens. Wenn man früher irgendwo auf Besuch ging, hielt man kurz vor dem Ziel an. Man setzte sich hin und ass etwas. Meist kam jemand von den Menschen, die man besuchen wollte, einem entgegen und brachte etwas zur Stärkung mit. Die Idee dahinter war, dass man vollständig ankommen wollte. Besonders wenn man sehr schnell gegangen war, wartete man, bis die eigenen Seeleteile auch ankamen. Sie dürfen sich also gerne Zeit lassen, vollständig am Ort zu sein.



    Ein Element Luft - Ritual

    Die Schamanenschule versucht die Grundhaltung bei Ritualen immer so zu erklären: übernehmen Sie für die Ritualzeit den Besitz über den entsprechenden Raum. Man könnte auch sagen, verbinden Sie sich mit dem Raum, sprich hier mit dem Feld. Das leichte Taumeln der Halme im Wind kann mit dem Körper nachempfunden werden. Taumeln Sie ein wenig mit, vielleicht durch ein Mitschaukeln im Wind. Betrachten Sie einzelne Halme und breiten Sie sich nach und nach weiter aus. Sie können dabei immer wieder auf ein nächstes Lüftchen warten, wenn gerade wenig Bewegung in der Luft ist. Es ist möglich, dass der Wind sich dreht. Wie eingangs erläutert, können Sie jetzt auch an eine andere Berührungsfläche des Feldes gehen, um den Wind im Rücken zu haben. Wenn Sie barfuss da stehen, können Sie sich vielleicht auf die Bewegung der Erde einlassen und spüren, wie die Halme am Boden leicht ziehen, wenn sie in Bewegung geraten. Ziehen Sie mit, um die Erde unter sich stärker spüren zu können, als wären Sie selbst ein Halm.
    Langsam sind einige mitgebrachten Gedanken nicht mehr wichtig, Sie gehen in etwas Neues über: in ein Einssein mit dem Feld, mit der Luft und der Erde.



    Ritual
    Bringen Sie alles, was Sie hindert, wofür Sie sich vielleicht schämen oder alles, was Ihnen an sich selbst nicht gefällt in die Bewegung des Windes. Ausgebreitet über das Feld können Sie sich vorstellen, einen Teppich aus sich selbst darüber schweben zu lassen. Diesen Teppich können Sie vom Wind bewegen lassen, wie ein grosses Tuch im Wind. Es geht aber nicht um ein Loslassen. Das würde nicht funktionieren (siehe unser Blogeintrag zum Loslassen). Vielmehr können Sie in der Bewegung der alles verbindenden Luft Ihre eigenen Ordungen auflockern, relativieren und sich verändern lassen. Geniessen Sie das Flattern im Wind, geniessen Sie das Aufbrechen von Festgefahrenem, geniessen Sie das Spüren langsamer Veränderungen im Körper. Die Vergangenheit wird mit der Gegenwart verbunden und eine neue Zukunft wird möglich.

    All das, was Sie ausmacht, ist dann wieder zurück zu Ihnen zu bringen. Atmen Sie Ihr Tuch, Ihren Teppich und ziehen Sie ihn wieder über die Arme in Sie hinein.
    Sie haben eine Richtung gegeben. Sie haben einen Prozess eingeleitet. Eine Kupfermünze oder ein Apfel als Geschenk für die Geister kann vielleicht am Rand des Feldes gelassen werden. Vielleicht erinnern Sie sich das nächste Mal an diese Bewegung der Luft, wenn Sie sich in Ordnungen bewegen, mit denen Sie nicht weiter kommen oder die Sie stören.

    Das Team der Schamanenstube wünscht Ihnen viel Erfolg!





    • Gast schreibt am 15.03.2018

      Das gefällt mir! Danke fürs Teilen.


  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Schönes und die Traurigkeit: wie wahrgenommene Harmonie eine Depression auslösen kann, die mit paradoxer Intervention

    Mai
    2017

    19


    Traurige Schönheit
    Im wärmenden Sonnenlicht erstrahlen frische Blätter von Sträuchern und leuchtende Blüten von Bäumen. Farben wie durchsichtiges Hellgrün und wärmendes Geldorange stechen als Kontraste vor warmen Schatten hervor. Leben erwacht in der Sonne. Eine leichte Bewegung der Luft als feiner Wind lässt ganze Blattstauden etwas hin- und herschaukeln. Die Schattenspiele an Wänden und auf Blättern lassen einen erleben, wie sich alles harmonisch ineinander fügt: Wind, Natur, Licht und Bewegung. Dieser Tanz aller Dinge vermittelt Einfachheit, Wachsen und Leben. Da kann den einen oder anderen eine tiefe Traurigkeit erfassen.


    Die Traurigkeit der Harmonie

    Woran liegt es, dass viele Menschen in eine Traurigkeit versinken, wenn sie eigentlich schöne Dinge erleben? Meist ist diese Traurigkeit nicht benennbar, es gibt keinen bewussten Grund dafür. Das geschieht in Situationen, da harmonische Bewegungen vorkommen. Das Leben lebt und man schaut diesem schönen Spiel zu. Sei es ein schönes Konzert, ein bewegendes Bild, ein Sein in der Natur. Allein gemeinsam ist die Bewegung der Harmonie. Ist es möglich, dass die Harmonie einen traurig macht? Das könnte möglich sein. Der Vergleich der Perfektion der Schönheit in harmonischer Bewegung mit einem selbst, kann einen in die Wehmut bringen. Was hat man alles schon verpasst, was hat man erreichen wollen, aber aufgegeben? - Solche und ähnliche Gedanken könnten in einem unbewusst auftauchen. Man sieht die Schönheiten, die man nicht erreicht, nicht lebt, vielleicht sogar verloren hat. Schmerz kann auftauchen als ob man sich in einer mittelschweren Depression befände.
    Hinter der Harmonie verbirgt sich noch etwas: das Wissen, dass alles endet. Da wir Lebewesen mit einem Verstand sind, der auch hypothetische Annahmen treffen kann, möchten wir am liebsten ewig leben. Die Alternative ist selten eine Option: wir wollen nichts verlieren, nichts bereuen, nichts verpassen und uns für nichts schuldig halten. Sehr viele Menschen mit einem künstlerischen Verständnis erleben, wie es eigentlich sein könnte: harmonisch und ausgeglichen. Da wir das selten erleben, erinnert es uns vielleicht daran, dass wir endlich sind.


    Franz Hohler's Kuh

    Franz Hohler's Kuh

    In irgendeinem Stimmungsbild sagt Franz Hohler so etwas wie: "... und durch den Nebel seicht eine Kuh....". Ein solch groteskes Bild kann eine Objektivität zur Harmonie schaffen, die nicht mehr stillsteht. Die paradoxe Intervention bei einem selbst kann die Traurigkeit wandeln in ein eigenes Leben in eigener Harmonie. Ein Schmunzeln wegen des vorgestellten Bildes nimmt die Harmonie vom aussen ins Innere: man beginnt, sein eigenes Leben wieder in Harmonie zu bewegen. Das können wir, das tut uns gut, das darf sicher sein.
    Das ist keine Verspottung der Schönheit, sondern eine Umsetzung derselben. Menschen mit Humor sind zu beneiden. Kennen Sie einen guten Witz, der Sie selbst in Bewegung setzt?




  • schreibt über Schamanenschule

    Das Interpretieren und Hinterfragen von schamanischen Reisen. Mit Lehrer, Krafttier und Ortsgeist in der schamanischen Mittelwelt unterwegs.

    Mai
    2017

    15


    Trubild SchafBilder des Tages können als Malkasten für schamanische Reisen verwendet werden.


    Sagen wir, Sie planen einen Apéro mit Produktepräsentationen für Ihre Kundinnen und Kunden. Im Vorfeld beschleicht Sie ein ungutes Gefühl, ob der Anlass auch für alle ein schönes Erlebnis wird. Zur Inspiration streifen Sie am Veranstaltungsort umher. Sie finden Ruhe in entspannten Blicken auf Kuhherden, Schafe und Ziegen, die friedlich den Ort umgeben. Noch einige Telefonate und ein zwei Notizen, dann entscheiden Sie sich für eine schamanische Reise. Ihre Reiseabsicht: was kann ich tun, damit es allen wohl ist.


    Schamanische Reise zum Ortsgeist

    Die Reise zum Ortsgeist scheint eine sinnvolle Idee. Sie treffen sich im Rat der Geister und bitten Lehrer und Krafttier, sie zu begleiten. Die Mittelweltreise führt Sie in den kleinen Park, in welchem der Event stattfinden wird. Die Sonne lässt das Grün des gepflegten Rasens hell erstrahlen. Die Tische für den Apéro sind gedeckt. Alles steht bereit. Sie bitten Ihr Krafttier, den Ortsgeist zu finden. Bald steht ein Schaf vor Ihnen und schaut Sie leicht verwundert an. "Kann ich etwas tun, was meine Präsentation für alle angenehm machen wird?" Das Schaf nennt frisch geschnittene Blumen, die noch fehlen würden. Etwas Milchiges wäre auch nicht schlecht. Sie bedanken sich und kehren in den Rat zurück. Ihr Lehrer meint, Blumen seien immer schön. Ihr Krafttier meint, unter Umständen hatte das Schaf einfach Lust auf frische Kaublumen mit Milch.


    Interpretation der schamanischen Reise

    Die Notwendigkeit des Interpretierens einer Reise weist darauf hin, dass nicht alles geklärt werden konnte. Interpretieren heisst Vermutungen anstellen. Schnell gelangt man in den Glauben von tiefgreifenden Erkenntnissen aus der Reise: es könnte zum Beispiel dringend nötig sein, den ganzen Ort mit Blumen zu verzieren. Oder es braucht noch eine grosse Käseplatte, damit Milchprodukte da sind? Joghurt? Ein schöner Krug gefüllt mit Milch? Womöglich hatte Ihr Krafttier Recht und die Reise war nicht erfolgreich. Sie haben ein Schaf getroffen, das Lust auf frische Blumen mit Milch hatte. Schliesslich sah sein Bart ja auch so aus, als ob er in Milch getränkt sei.
    Sie wenden sich an andere schamanisch Reisende und erzählen von der Reise. Die unterschiedlichsten Interpretationen könnten dabei heraus kommen. Es gibt einen Grundsatz: niemand kann eine Reise interpretieren, als man selbst. Die Interpretation soll dazu führen, eine Alltagstauglichkeit zu erreichen. Ein Problem bei den Vermutungen ist, dass man nur lösungsorientiert unterwegs ist. Man sucht eine Lösung und merkt vielleicht nicht, dass man zuvor schon falsch abgebogen ist. Also zurück zur Reise: Sie hinterfragen deren Aussagekraft.


    Hinterfragen einer schamanischen Reise

    Es kommt Ihnen in den Sinn, vor der Reise schon Schafe gesehen zu haben. Hat Sie Ihre Wahrnehmung getäuscht? Wenn das Schaf eine Einbildung war, dann sind Sie vielleicht gar nicht dem Ortsgeist begegnet? Das ist möglich, ja. Aber es gibt eine weitere Möglichkeit: unser Gehirn nimmt bei Dingen, die es nicht gleich zuordnen kann, sofort Bilder hervor, die passen. Der Ortsgeist könnte z.B. ein kleiner Zwerg in weissem Kleid gewesen sein. Sie sind ihm begegnet, als er gerade eine Kupfermünze im Rasen fand. Ist der Rat des weissen Zwerges deshalb falsch? Oder wären kleine Glücksbringer in Form von Kupfermünzen eine nette zusätzliche Überraschung?
    Wenn unser Gehirn das Nächstliegenste für Unbekanntes nimmt, werden die Gefühle dieser Auswahl denen entsprechen, die Sie sich erhofften. Ein Schaf hat für Sie vielleicht etwas "Mildes". Manchmal drückt man mit einem Schaf aber auch Ratlosigkeit aus. Es ist also wichtig zu hinterfragen, was ein Schaf mit Ihnen in dieser Situation der Unsicherheit über den Apéro macht. Es zeigt einen selbst in dieser Situation. Vielleicht haben Sie die Reise nur unternommen, weil Sie sich nicht mehr weiter helfen konnten. Es fühlte sich für Sie wie eine Notsituation an. Alles soll perfekt sein für die Gäste. Diese Verantwortung nehmen Sie höher war, als dass Sie Vertrauen zum Personal des Caterings haben, obschon das geschulte Personen sind. Am Ende müssen Sie vielleicht sagen: es spielt keine Rolle, ob es zusätzlich Blumen da hat. Das wird nicht entscheidend sein. Entscheidend wird Ihre Stimmung sein. Was stimmt denn nicht mit dem Produkt, das Sie präsentieren möchten, dass Sie Ängste beflügeln? - Und wenn alles mit dem Produkt in Ordnung ist, wovor haben Sie Angst? - Vor den Menschen selbst?
    Hier kann das Auftauchen des ruhigen Schafes Ihnen auch eine Wirkung vermitteln, statt eine Interpretation: es ist alles in Ordnung, widmen Sie sich Ihren Bedürfnissen. Diese können sein, den Menschen das Produkt voller Überzeugung zu präsentieren, so wie Sie es entwickelt haben. Sie haben es wahrscheinlich in Hingabe entwickelt. Diese Hingabe will gespürt werden. Sprich: Sie dürfen sich selbst sein. Wie das Schaf vielleicht mit Blumen und Milch sich selbst schauen möchte, können Sie auch für sich schauen. Sie haben Lust auf einen prickelnden Weisswein. Nur zu!



    Milch




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Die Vergesslichkeit und das Träumen in Gedanken Systemen. Was sagt die Gefühlslehre zum Vergessen, helfen Erinnerungsanker, um der Ordnung Wirklichkeit gerecht zu werden?

    Mai
    2017

    08


    Vergesslichkeit
    Wer kennt das nicht: die eigene Vergesslichkeit lässt einem so manchen Weg zweimal gehen. Es handelt sich dabei nicht gleich um einen bedrohlichen Zustand. Ab wann Vergesslichkeit medizinisch angeschaut werden sollte, können wir leider nicht beurteilen. Wir sprechen von normalen Vergessen und schauen uns die schamanischen Aspekte dazu an. Wie geht Vergessen?



    Gefühlslehre: Ordnung und Systeme

    Gemäss der Gefühlslehre der Schamanismus Therapie sind unsere Gedanken immer in Systemen unterwegs. Gedanken sind eine Kraft, die sehr stark Ordnungen folgen und diese sogar umformen können. Die Vorstellungskraft lässt uns im Kopf Dinge erschaffen und in bestehenden Ordnungen Lösungen finden. Vera F. Birkenbihl nannte unser Denken ein Cloud-Denken, sprich ein Denken, das sich in zusammenhängenden Ordnungen bewegt. Diese nennen wir Systeme. Es gibt zum Beispiel das System Küche, über welches wir nachdenken können. Vielleicht haben wir das Bedürfnis nach einem Kaffee und denken kurz darüber nach, dass der Kaffeerahm bald ausgeht. Danach planen wir einen kleinen Ausflug. Wenn wir also in der Küche sind und den Kaffee machen, ist es gut möglich, dass wir schon über den Ausflug nachdenken.


    Haben Sie Lust auf einen Kaffee vor dem Waldspaziergang?

    Systemdenken
    Vielleicht ist man in der Küche und man könnte sich an das Kaffeerahmdefizit erinnern, aber man ist schon wieder etwas anderes am Planen. Vielleicht den Spaziergang in den Wald? Das Denksystem Waldweg kann bedeutend stärker als das "echte" System Küche sein. Man vergisst vermutlich, dass man keinen Kaffeerahm mehr hat und kocht sich gedankenverloren seinen Kaffee. Dieser wird schwarz bleiben. Was ist geschehen? Der Waldspaziergang war viel gegenwärtiger, als die Küche selbst. Es fehlt die Brieftaube zwischen den Welten, zwischen den Systemen.
    Viel brennender ist die Frage, ob man nun vergessen hat, dass man keinen Kaffeerahm mehr hat oder ob man nicht an die Vorratssituation gedacht hat. An etwas nicht denken und etwas vergessen sind zwei verschiedene Dinge. Natürlich bleibt der Kaffee dennoch schwarz wie die Nacht. Aber man ist vermutlich weniger vergesslich, als man meinte. Vielmehr ist man fähig, sich tief auf Systeme einzulassen und dort gedanklich zu verweilen. Das könnte man Träumer und Träumerinnen nennen. Prinzipiell ist das etwas Gutes. Aber reicht das?


    Der Weg vom Träumen zur Wirklichkeit

    Die eigentliche Kunst dürfte es sein, tief in Systemen zu versinken und dabei die Fähigkeit haben, schnell zwischen Systemen zu wechseln. Das nennt man von aussen betrachtet Intelligenz (zwischen den Dingen lesen / abwägen). Die einfache Antwort, warum uns das weniger gelingt, ist die Faulheit. Es ist für unser Gehirn sehr anstrengend, die Basis des Denkens zu wechseln. Aber das ist lernbar. Indem man sich selbst gut kennt, sich selbst wahrnimmt und reflektiert, entrückt man einen Teil der Denkwolke in eine Art Superposition. Diese ermöglicht es einem, schneller zwischen Systemen zu wechseln und sie gleichermassen zu geniessen. Das Switchen wird durch Übung einfacher. Man gewöhnt sich daran.
    Die Schlussfolgerung könnte also lauten: wer sich klarer wahrnimmt, vergisst weniger.


    Erinnerungsanker

    Wenn man sich merken will, was man in der Küche tun will, wenn man denn später dort ist, müsste man diesen Erinnerungsanker nicht nur am Ort Küche festmachen, sondern auch an den Gedanken, die man dort haben wird. Hier kommt das Problem hoch: wie soll man wissen, was man denken wird? Stellen Sie sich bitte einmal vor, was Sie vermutlich denken werden, wenn Sie das nächste Mal an einem gewissen Ort sein werden. Das ist nicht so einfach. Aber es bewirkt etwas: man muss sich stark mit sich selbst befassen, sich ausdenken, was einem beschäftigen wird. Das ist eine Form der Selbstreflexion. So beginnt es.
    Sich nur die Küche vorzustellen und die Erinnerung Kaffeerahm da hinein zu pappen, reicht also nicht. Aber kennt man sich gut genug, um einschätzen zu können, in welchem Gedankensystem man unterwegs sein wird? In dieses System würde man den fehlenden Kaffeerahm einflechten. Pfiffige könnten sich das Kaffeeverbotsschild in viele mögliche Gedankensysteme pflanzen, um mit möglichst grosser Streuung die Chance zu erhöhen, dass man sich erinnern wird. Eine weitere Methode könnte es sein, auf emotionaler Ebene zu arbeiten. Kaffee löst in Ihnen vielleicht ein Gefühl aus. Dieses kann an den Geruch von Kaffee gebunden sein. Hier hinein lässt sich gut die Erinnerung pflanzen.
    Wir denken, die Vergesslichkeit ist sehr oft wegtrainierbar.









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