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  • schreibt über Schamanismus

    Ayahuasca und Chacruna ein Muss für Schamanismus? Was der Zustand mit Urwald-Drogen wie der Madre Ayahuasca für schamanische Visionen bringt. Lohnt sich die Einnahme?

    Feb
    2017

    06


    Ayahuasca
    Die Schamanenstube bietet keine Mesas an, wir verkaufen kein Ayahuasca oder Chacruna noch fordern dazu auf, an Mesas teilzunehmen. Ayahuasca ist illegal. Einen therapeutischen Nutzen bietet es nicht. Die Schamanenstube berichtet von Ayahuasca Erfahrungen und Visionen, um einen Eindruck vermitteln zu können, was die Einnahme des Tranks mit einem machen kann. Man kann den Gedanken haben, Ayahuasca, Peyote oder sonst eine sog. Schamanenpflanze müsse zum Schamanismus dazu gehören. Dem ist definitiv nicht so. Man muss sich nicht Risiken aussetzen, um schamanisch aktiv zu sein. Die Trommel reicht vollends aus und liefert dieselben Resultate.



    Schamanisches Reisen unter Drogen


    Schamanisches Reisen ist mit Trommelrhythmen mehr oder weniger einfach machbar. Warum verwenden denn manche Kulturen Drogen, um zu reisen? Der Sinn dieser Substanzen ist in der Regel nicht nur an das schamanische Reisen gekoppelt, sondern taucht oft mit "Heilung" verbunden auf. Heilkräuter kommen in verschiedenen Landstrichen der Erde vor. Einigen werden ganz besondere Heilkräfte zugeschrieben. Das macht in den Augen vieler Menschen diese Pflanzen auf gewisse Art "heilig". So wird beispielsweise Ayahuasca in einem Ritual namens Mesa zelebriert. Visionen und Halluzinationen können die Absicht des "Heilwerdens" unterstützen. Bei den Mesas kommt ein Ayahuascero zum Einsatz, der die Zubereitung und Verabreichung der Pflanze durchführt und die Menschen begleitet. Er fungiert als Zeremonienmeister. Der Ablauf der Zeremonien ist stark an die jeweilige Kultur angelehnt. Das macht sie einzigartig und in unseren Augen und Ohren gerne fremdartig. Sie tönen reizvoll und gewichtig. Es ist der Glauben an das Machtvolle, der die anziehende Mystik solcher Pflanzen ausmacht. Ayahuasca Anbieter werden mit dieser Macht konfrontiert sein und müssen sich ihr stellen. Das dürfte ein grosses Problem sein, wenn jemand nicht als machtvoller Guru agieren möchte. 


    Ayahuasca Boom

    Ayahuasca hat sich auch in der Schweiz stark etabliert. Berichte darüber tauchen in verschiedenen Medien auf. Es gibt viele Schweizer Ayahuasceros, die Mesas im grösseren und kleineren Stil anbieten. Sie sind gemäss Schweizer Gesetz illegal. Das ist dadurch begründet, dass die Einnahme von Ayahuasca oder Chacruna erhebliche körperliche Folgen haben kann. Die Anwesenheit eines Arztes wäre sicher sinnvoll. Auch psychologisch ist eine Mesa nicht unbedenklich. Es kann zu einem sogenannten Horror-Trip kommen. Hier bräuchte es therapeutisch geschultes Personal, um die Menschen professionell auffangen zu können. Diese Gefahren führen wahrscheinlich zu Recht dazu, dass die Substanzen verboten sind.
    Sucht man nach Rezepturen für die Herstellung der Tränke, findet man eine Unzahl unterschiedlichster Angaben. Das verhindert, dass man es auf eigene Faust versucht. Der Boom entstand unserer Wahrnehmung nach ca. 2002, als der Film von Clemens Cuby "Unterwegs in die nächste Dimension" herauskam. Neben anderen wird im Film Don Agustin Rivas Vasquez bei der Verabreichung von Ayahuasca gezeigt. Der Film weckt die Vorstellung, dass Ayahuasca in Verbindung mit Chacruna alles heilen könne. Neben den halluzinogenen Wirkungen ist die Pflanze in ihrer lokalen Anwendung eigentlich als Entwurmungskur gedacht. Das wird gar nicht erwähnt.



    Banisteriopsis Caapii

    Schamanisches Reisen zur Madre Ayahuasca

    Nach langen Vorbereitungen nehmen die schamanisch Reisenden ganz wenig Ayahuasca zu sich. Sie reisen mit dem Trank hinab in ihren Körper. Sie landen in einem Gebiet, das nach Amazonas aussieht. Ihr Ziel ist es, Madre Ayahuasca (dem Pflanzengeist) zu begegnen und mit ihr zu klären, ob sie ihr in ihre Welten folgen sollen und ob der Zeitpunkt stimmig ist.
    Sie scheint vom Alter her ein unbestimmbares Wesen zu sein. Ihr Gesicht ist komplett mit Tätowierungen übersäht. Jemand erzählt: sie trägt eine Kopfbedeckung, an dem ein Holzbrettchen befestigt ist. Sie dreht sich im Kreis, senkt den Kopf und eine Zeichnung auf dem dunklen Holz wird sichtbar. Weiss gemalte Holzstäbe zeigen dem Reisenden eine Symbolik, die Wirkung auf ihn zeigt. Er kann einen Sinn darin entdecken. Den Tanz des Wesens nimmt er erst recht kriegerisch wahr, doch das Symbol stimmt ihn zuversichtlich. Das sich drehende Wesen verändert sich im wirbelnden Tanz. Sie wird zum Schweizer Heidi, das sich im roten Kleid dreht und dreht. Das wird so verstanden, dass die Madre Ayahuasca erkennt, dass ein Schweizer kommt (siehe: Glauben braucht die Idee, von etwas Grösserem wahrgenommen zu werden). Für eine Begrüssung und eine Zusage, ihr folgen zu können, reicht das Heidi dem Reisenden.



    Ayahuasca Vision

    Chacruna

    Die Einnahme von Chacruna (Psychotria viridis) leitet die eigentliche Zeremonie ein. Darauf folgt das Ayahuasca. Man begibt sich auf das vorbereitete Plätzchen und beginnt zu trommeln. Don Agustins Gesang läuft im Hintergrund ab CD schon die ganze Zeit mit und begleitet auch die ersten Erlebnisse.
    Bei einigen kommt der Urwald quasi in den lokalen Raum. Die Wände werden von Urwaldpflanzen durchbrochen und die Tiefe der Gegend tut sich auf. Weit hinten hört man wilde Tiere. Bei anderen befindet man sich rasch irgendwo in einem recht offenen, aber deutlich erkennbaren Amazonas-Gebiet. Im Hintergrund sind im Beispiel drei Berge erkennbar. Der Mittlere ist etwas weiter hinten. Vor einem erscheint erst ein Pfau, der seine vielen Augen auf den Federn in einem Bogen vor einem ausbreitet. Das Gesicht des Pfaus ist in einem Hin und Her sehr schnell bewegt. Dann steht es wieder still. Die Augen scheinen unbeweglich. Auf einmal senken sich Augenlider über diese Augen. Immer noch ein Pfau, ist der Kopf des Wesens jetzt ein Reptil, eine dunkelbraune Echse. Die Echse hebt ihren Kopf mit zuckenden Bewegungen in die Höhe. Dabei senken sich die Pfau-Federn. Aus der gleichen Bewegung nach oben heraus sitzt nun ein Wolf vor einem, der seinen Kopf immer höher in den Himmel streckt. Er beginnt zu jaulen. Direkt hinter seinem Kopf wird im Hintergrund durch das Wolfsjaulen die ganze Gegend erschüttert. Der mittlere, hintere Berg wird zu einem Vulkan, der in derselben Richtung wie der Wolf jault, in die Höhe schiesst. Die Reise beginnt.
    Ab jetzt wird es schwierig, alles chronologisch wieder zu geben. Es bleiben Erinnerungsfetzen. Einmal ist da eine weite Ebene, die von einem breiten, schlängelnden Fluss durchzogen wird. Der Blick von einer Anhöhe hinunter auf die Fluss-Ebene lässt Menschen erkennen, die am Fluss unten irgendetwas tun. Sie sind an den Ufern beschäftigt: womit genau, erschliesst sich nicht.
    Die Besetzung mit dem eigenen Krafttier fühlt sich etwas anders an als der normale Krafttiertanz. Das Kleid des Krafttiers wirkt etwas beschmutzt, als ob es sich vorher im Schlamm gewälzt hätte. Immer wieder erscheint von rechts ein Vogelwesen mit langem Schnabel und rundem Auge, das in die Szene hinein lugt. Wahrscheinlich folgt man diesem Vogel in weitere Reisepunkte. Einer davon ist ein grosser Farn oder eher eine Urwaldpflanze, deren Blätter sich alle einzeln bewegen und Wassertropfen an ihnen glitzern. Die Wahrnehmung wird nach und nach stärker bis sie tatsächlich stärker ist als auf normalen Reisen. 
    Das sind Erzählungen eines Reisenden. Jeder erlebt etwas anderes. Das alles kann wie eine ganz normale schamanische Reise durch das Gehirn interpretiert sein. Der Wahrheitsgehalt bleibt wie immer nicht feststellbar und ist subjektiv.


    Der Ayahuasca-Zustand

    Man kann diesen Zustand vielleicht mit dem Vorschlaf-Zustand vergleichen. Kurz bevor man einschläft, sehen viele Menschen sehr lebendige Bilder und tauchen dann ab in ihr Traumland. Dieser Zustand kurz vor dem Einschlafen wird durch das Ayahuasca in die Länge gezogen und kann über Stunden andauern. Jemand, der nicht sehr gut schamanisch reisen kann, wird eher von Szene zu Szene gereist. Das passiert allerdings auch den Erfahreneren. Wenn so ein Erlebnis kein Horror-Trip wird, kann das sicher sehr schön sein. Diese Gefahr bleibt jedoch.
    Die Wahrnehmung kann sehr detailreich sein, besonders im dreidimensionalen Bereich. Vielleicht ist der Zustand mit einer 3D Brille vergleichbar. Alles ist extrem scharf, nähere Dinge wie entfernte. In der Realität muss sich das Auge auf entferntere Dinge umstellen, hier ist alles gleich scharf. Dadurch entsteht etwas die Idee eines Märchenlandes.
    Einen therapeutischen Nutzen des Ayahuasca-Zustandes sehen wir leider nicht. Was geschieht, ist nichts anderes, als auf ganz normalen schamanischen Reisen. Das Risiko, das Drogen mit sich bringen, ist viel zu gross. Da übt man lieber etwas länger das Reisen zur Schamanentrommel. Das ist gesünder und legal. Wer den körperlichen Kick braucht, kann auch einfach ein Abführmittel nehmen. Wer Mühe mit dem Reisen hat, hat auch unter Drogen keine besseren Erlebnisse.




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Auf verlorenem Posten zu kämpfen ist Teil des Trauerprozesses. Die Hoffnung auf ein Wunder kann die Vorbereitung auf den Verlust durch Nicht-Wahrhaben-Wollen nähren. Lässt sich das abwenden?

    Jan
    2017

    24


    Schneemann

    Nicht wahrhaben wollen


    Manchmal kämpfen wir auf verlorenem Posten. Dem mittel-europäischen Schneemann droht zum Beispiel das Schicksal des Schmelzens. Gehen wir davon aus, die Schneemänner wissen davon. Jede neue Schneeflocke bestätigt sie darin, dass es sinnvoll, ehrenhaft und erstrebenswert ist, nicht zum Nordpol zu fahren. Sie bleiben stur stehen. Warum kämpft man manchmal auf verlorenem Posten?
    Die Art und Weise, wie wir auf verlorenem Posten mutig weiter machen, birgt vielleicht Hinweise auf dieses Warum. Die Schneeschmelze ist zwar bekannt, doch die Lebensqualität erscheint höher, wenn man davon ausgeht, der Frühling sei ein Ammenmärchen. Um sich nicht schämen zu müssen, dass man seine Kraft in etwas Aussichtsloses steckt, gibt man vor, man wüsse nichts über Jahreszeiten. Man will es nicht wahr haben. Das ist ein aktives Verneinen, eine aktive Wissensverneinung. Man bleibt in der aufgebauten Hoffnung stehen und übt schon mal das Überrascht-Sein, wenn das Schmelzen dann doch beginnt. Damit konnte man ja nicht rechnen. Das hat für Schneemänner z.B. den Vorteil, dass sie sich in Unschuld sonnen können. Sie sind fein raus, auch mit dem Verlust Ihres Daseins.


    Hoffnung auf ein Wunder?

    Spannenderweise ist das Hoffen auf das Wunder des ewigen Winters nur ein vorgespieltes Hoffen. Da kein Schneemann je einen früheren Schneemann eines anderen Winters getroffen hat, besteht durchaus die Chance, dass das mit dem Frühling wirklich nicht wahr ist. Die Rechtfertigung kann so weit gehen, dass Schneemänner gegen die infame Lüge des Frühjahrs auf Demos protestieren. Dabei wird mit vielen Argumenten gekämpft, um den verlorenen Posten zu schützen. Die Hoffnung auf das Wunder birgt in sich den Vorteil: man muss sich nicht bewegen. Hierbei geht es nicht um Faulheit, sondern um ein instinktives Stehenbleiben. Sie kennen das vielleicht von Arbeitsstellen, mit denen Sie schon abgeschlossen haben. Man kann locker noch ein ganzes Jahr dort verbringen. Während dieser Zeit sucht man nur punktuell nach einer neuen Stelle. Der Stillstand, den jede Hoffnung mit sich bringt, hat noch einen anderen Sinn: er scheint einen an der Trauer zu hindern. Es ist ja noch nicht so weit.


    Der Trauerprozess

    Verena Kast und viele andere haben den Prozess des Trauerns sehr genau analysiert. Die beiden ersten Phasen der Trauer sind das "Nicht-Wahrhaben-Wollen" und die Wut. Beide finden sich in den Lebens-Maximen der Schneemänner wieder: "Der Frühling ist eine Erfindung" und die aggressive Demonstration mit Besen, andere Meinungen über ein Ende des Winters vehement zu bekämpfen. Das Kämpfen auf verlorenem Posten könnte somit ein Teil des Trauerprozesses sein. Der Stillstand der Hoffnung ist damit ein Verkeilen in Vermeidungen des Nicht-Wahrhaben-Wollens.
    In den meisten Fällen ist das Kämpfen auf verlorenem Posten keine bewusste Aktion. Dieser Mechanismus der Trauervermeidung läuft unbewusst ab. Es bleibt die therapeutische Beschäftigung mit diesem Vorgang oder das schamanische Reisen. Letzteres führt hinab an die Gestade des Tränensees. Am Fusse des Berges der Verdrängung kehrt eine Ruhe ein. Viele Hügel und Bergketten verhindern die Sicht auf die Schneeschmelze. Hier wirkt der Frühling so weit entfernt, dass man bezweifeln kann, ob er wirklich existiert. Und sollte doch von irgendwo her eine Kunde über warme Sonnenstrahlen diese Region der Geistwelt erreichen, sind Rechtfertigung, Zweifel, Wut und Lüge schnell zur Stelle. "Das stimmt alles nicht", erhallt es aus den Tälern der Vermeidung. Die Kraft der Wut lässt sich trotzig umsetzen: "Und ich bleibe hier!"


    Welle des Lebens

    Die Vorbereitung auf den Verlust

    Nehmen wir den unbewussten Prozess der Trauer als Taktgeber für den Zustand auf den verlorenen Posten, so eröffnet sich ein Gedanke: vielleicht ist das Kämpfen auf verlorenem Posten nur die Vorbereitung auf den Verlust. Man wäre damit schon mitten drin im Trauerprozess. Das macht die Standhaftigkeit der Schneemänner fast absurd: obwohl sie es nicht wollen, bereiten sie sich auf ihren Verlust vor. Das Verharren im Stillstand kann die Möglichkeit beinhalten, dass die unbewussten Vorgänge schon viel weiter fortgeschritten sind, als dass es einem bewusst ist. Damit kann man auch aussagen, dass das Kämpfen auf bereits verlorenem Posten nie zum Behalten des Postens führen wird.
    Brauchen wir diese Vorbereitung auf Verluste? - Ja, denn man kann sich damit langsam dem Schock des Verlustes nähern und ihn abschwächen. Es wird leichter, wenn man Zeit hat, sich dem Prozess in Ruhe hinzugeben. Der Schock des Verlustes wird durch den Stillstand des Nicht-Wahrhaben-Wollens verarbeitet und die Wut durch das Wehren gegen die Veränderung. So läuft alles in den natürlichen Prozess-Phasen des Lebens. Es ist also keine Präkognition, kein Erahnen eines künftigen Ereignisses, sondern ein Bewegen darauf zu, wenn man sich alles schön redet. Das lange Bleiben auf verlorenen Posten birgt auch Nachteile. Je mehr Zeit vergeht, je näher kommt man dem Verlust. Ängste können aufsteigen, das Gefühl von Sicherheit weicht einem verlorenen Zustand. Aus Wut kann Verzweiflung werden, die bis zum Aufgeben führt. Ohnmächtig liegen die Reste des Schneemanns auf der Frühlingswiese.


    Abwenden des Verlustes

    Wenn man weiss, dass man auf verlorenem Posten kämpft, weiss man auch, dass man die Trauer nährt. Damit gibt man emotional den Weg vor, der unweigerlich zum Verlust führt. Man baut mit der Sturheit an den Ordnungen, die den Verlust begünstigen. Spätestens wenn Ängste sich melden, könnte man diesen Prozessweg vielleicht noch verlassen. Im Schamanismus sind Ordnungen sehr bildhaft: sie führen erst dazu, dass geschieht, was man in diesem Beispiel hier verhindern will. Man ist ja auf dem Weg dorthin. Diesen Weg zu verlassen, ist aber selten die Lösung für ein Abwenden des Verlustes. Vielleicht kann man sich fragen, was man denn tut, damit der ganze Weg bis hin zum Verlust eine Existenzberechtigung hat. Wir werfen die These auf, dass die Neuorientierung vor dem Verlust möglich sein könnte. Die Neuorientierung bestünde im Falle des verlorenen Postens in einer inneren Änderung der Lebensgewohnheiten. So wird aus dem Schneemann vielleicht ein Osterhase, bevor der Frühling kommt.




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Auswege aus der Feigheit in der Gefühlslehre: wie die Gefühle Angst und Scham unbewusst den Selbstwert herabsetzen und der Ausweg aus der Feigheit mit der Reue

    Jan
    2017

    23


    Regel-Geister
    Haben Sie viele Dinge aus Angst und Scham nicht gemacht, die Sie gerne gemacht hätten? - Keine Sorge, es besteht keine Antwortpflicht hier :-). Warum haben wir Menschen Angst vor der Scham?
    Nehmen wir ein Beispiel. Ihre Chefs sind mit einem Problem beschäftigt und haben nur unbefriedigende Lösungen. Es geht um die Platzierung eines Getränkeautomaten. Sie haben eine Idee, die alle besprochenen Probleme lösen könnte. In der Sitzung sind Sie anwesend und getrauen sich wegen des intensiven Gesprächs nicht, von Ihrer Idee zu erzählen. Sie merken, wie einige am Tisch sich schon auf eine Kompromiss-Lösung eingeschworen haben und diese bereits rechtfertigen. Jetzt noch etwas anderes einbringen? - Irgendwie merken Sie, es ist zu spät. Das Nennen Ihrer Lösung könnte sogar zu Missstimmungen führen. Also schweigen sie. Die anderen könnten Sie angreifen, wenn Sie die Lösung bringen würden, denn das ginge mittlerweile gegen deren Stolz. Ihre Lösung beinhaltet obendrein einen ungewissen Punkt über die Sonneneinstrahlung, der in Ihnen einen Zweifel aufbringt. Würde man entdecken, dass Sie diesen einen Punkt nicht begriffen haben, müssten Sie sich schämen. Sie haben bei diesem Thema nicht richtig zugehört. Das Wagnis, dennoch von Ihrer Idee zu erzählen, wird damit zu hoch: Sie könnten riskieren, dass man Sie als "doof" anschauen würde. Feige stimmen Sie in den lobenden Chor ein, der die schlechtere Idee gerade rechtfertigt. Schliesslich wollen Sie dazu gehören und nicht negativ auffallen.


    Gefühlslehre Feigheit

    Man kann das Wort Feigheit als Wertung betrachten. Hier verhält sich ähnlich der Würde. Man kann jedoch von einem feigen Gefühl sprechen. Die Gefühlslehre nennt es ein Misch-Gefühl aus Angst und Scham zu gleicher Zeit. Gerade im sozialen Bezug im Sinne des Strebens nach Zugehörigkeit ist die Angst vor der Scham als eine Ursache der Feigheit zu nennen. Damit ist die Angst vor den Bedrohungen gemeint, sich zu blamieren, sich bloss zu stellen oder etwas falsch zu machen. Mögliche Reaktionen der Feigheit finden sich in der Flucht, Verdrängung, Unschuld, Rechtfertigung durch Zweifel, Schuld, Abwertung, Mut oder Egalität (Abwertung der Bedrohung).


    Reagieren in Feigheit

    Eine oft typische Reaktion ist die Flucht. Diese Flucht würde die Feigheit bestätigen, fände man nicht Halt in Rechtfertigungen und in echten oder künstlichen Zweifeln. "Es ist nicht klug, es zu tun...", "Es ist gefährlich...", "Es könnte Nachteile haben..."
    Die Lüge ist einer der besten Freunde des Zweifels und der Rechtfertigung. Als Reaktion auf die Feigheit erfinden wir gerne Ausreden, warum wir etwas nicht getan haben. Die Ausreden verhindern das Geständnis, dass man feige war. Notfalls stellen wir uns doof, als ob wir nicht richtig kapiert hätten, worum es geht, respektive was man hätte tun können. Die gespielte Überraschung bei Sätzen: "Wieso hast du deine Idee nicht einfach präsentiert?" wirkt auch für einen selbst echt. Das ist deshlab für einen selbst echt, weil grosse Teile dieses Ausweichmanövers unbewusst laufen. Wir können also authentisch überrascht sein, obschon wir vorher bescheid wussten. Das ist der Weg in echte Unschuld durch momentan echtes Vergessen. Auch da empfinden wir als "fein raus".
    Ist offenkundig, was man aus Feigheit nicht getan hat auf der Hand, lässt sich die Feigheit in der Folge auch verdrängen. Mit Vermeidungen versucht man z.B., das Gesprächs-Thema auf etwas anderes zu lenken, wenn es nur schon in die Nähe eines möglichen erneuten Erkennens geht, dass man feige gewesen ist. Es entwickelt sich daraus ein hohes Mass an unbewusster Vorsicht, die wach und bereit ist, alle Themen umzulenken. Wie gesagt, das kann eine unbewusste Vorsicht sein, die einen leitet.


    Spätfolgen der Feigheit

    Nach der Feigheit müssen wir uns an die gewählten Reaktion halten. Sonst würden wir später riskieren, uns zu blamieren. Die Scham will nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig vermieden werden. Das tun wir wieder wegen unseres Dranges der Zugehörigkeit.

    · unbewusste Vorsicht

    Die unbewusste Vorsicht existiert aufgrund von Vermeidungsstrategien. Das sind Ordnungen, denen wir blindlings folgen (so viel zum freien Willen übrigens). Dabei gibt es ein Zusammenspiel mit der Angst: jede Vermeidung hat als eine Art Wächter ein Angstgefühl. Dieses verhindert durch emotionale Verdeutlichung durch Angst, dass man etwas nicht tun sollte. Die Geistwelt wird durch Vermeidungen umgeformt. Vermeidungen sind gelerntes Verhalten. Das kann ganze Täler in der Geistwelt formen, die einen immer in dieselbe Richtung lenken. Hat man viele Vorsichten platziert, kann man mehr und mehr ängstlich werden. Man weicht vor vielen Dingen der Welt aus oder verschliesst sich nach und nach.

    · Unschuld

    Die Unschuld ist ein Wort, das erst einmal nach Reinheit tönt. In der Gefühlslehre der Schamanismus Therapie ist sie das aber gänzlich nicht. Sie wird durch das Vergessen produziert: man vergisst Dinge, die man gemacht hat. Damit fühlt man sich in der Tat "unschuldig". Das Problem dabei liegt im Unterbewusstsein: etwas bleibt eben doch hängen. Auch hier sind stete Vermeidungen gerne die Folge.

    · Verminderung des Selbstwertes

    Die Vermeidungen haben neben der Angst ein weiteres Mittel, auf sich aufmerksam zu machen. Bei der Feigheit kann die Scham ebenso in den Ausweich-Reaktionen wirken und uns lenken. Mit der Zeit verblassen zwar unsere Vermeidungs-Erinnerungen. Doch das führt selten zu einem Abbau der Vermeidung, sondern zu einer Ausdehnung. Als Spätfolge beim Beispiel des Getränkeautomaten weichen Sie vielleicht diesem Automaten künftig unbewusst aus. Eine weitere Ausdehnung kann vielleicht dahin gehen, dass Sie sich Ihren geliebten Orangensaft, den es auch im Automaten geben würde, nicht mehr gönnen - auch ausserhalb der Firma. Die Ausdehnung der Vermeidung durch Feigheit kann viele Lebensbereiche tangieren, in welchen Sie sich Dinge unbewusst verbieten. Die Ursache dafür in nach Jahren nicht mehr eruierbar, auch nicht in schamanischen Reisen. Klar ist nur, dass Sie sich gewisse Dinge nicht mehr gönnen wollen. Diese aktive Abwertung führt zu einer Verminderung des Selbstwertes in verschiedenen Bereichen Ihres Lebens. Wenn wir es weniger drastisch formulieren und den Orangensaft weglassen, so getrauen Sie sich vielleicht immer weniger, Ihre Ideen auszusprechen und irgendwann auch, überhaupt Ideen zu haben.


    Es gibt bestimmt noch weitere Spätfolgen der Feigheit. Die meisten Bedrohungen hinter der Angst vor der Scham sind wie immer selbst produziert und künstlich. Führt die Feigheit bis zur Verminderung des Selbstwertes und Verhinderung des Ideenreichtums könnte man über dieses Gefühl sagen: "Feigheit macht dumm".



    Feigheit Angst und Scham

    Ursachen der Feigheit

    Wie schon angedeutet, steht hinter der Feigheit die Angst des Verlustes der Zugehörigkeit. Man müsste sich schämen, wenn man versagen würde oder etwas von sich gäbe, das zu Gelächter führen könnte. Die Angst vor der Scham wird von der Scheu begleitet. Diese ist aber nicht direkt ursächlich, sondern von früherem Erleben der Feigheit geprägt: sie stellt die Fluchtreaktion durch die Vorsicht dar. Es bleibt die Angst vor Scham, die zur Feigheit führt.
    Jede Angst braucht eine oder mehrere Bedrohungen. Dort könnte man ansetzen, um ursachenorientiert vorzugehen. Wie lautet die Bedrohung, die zur schamvollen Feigheit führt? (eine schöne Prüfungsfrage der Ausbildungen in Schamanismus Therapie) - Es ist der drohende Verlust der Zugehörigkeit. Hinzu kommt die Tendenz, dass Angst vor Verlust in Panik gipfeln kann.

    Ausschluss von der Gesellschaft

    Den Verlust der Zugehörigkeit wollen wir Menschen meist um jeden Preis vermeiden. Warum ist das so? - Die Schamanismus Therapie knüpft hier an archaische Formen von uns Menschen als ursprüngliche Tiere an. Die Evolution hat uns vom Tier zum Menschen verändert. Unser Körper ist dabei immer noch tierischer Natur. Da gibt es den Verdauungsapparat, die Atmungsorgane, Muskeln, Knochen und alles, was so zu einem Tier dazu gehört. Die Gefühlslehre der Schamanismus Therapie stellt sich die Frage, ob es emotional auch noch solche Rudimente gibt. Rein körperlich gibt es da z.B. unser sogenanntes Reptiliengehirn. Reaktionen wie Flucht, Angriff und sich Totstellen tragen wir in uns. Die Schamanenstube ist sogar der Auffassung, dass das sicher ein Gefühl existiert, das uns von allen Tieren unterscheidet: die Fähigkeit zum Glauben.
    Kommen wir zurück zum Zugehörigkeitsgefühl. Die Zugehörigkeit steht hoch oben in der Rangliste des "Sinns des Lebens". Sie verhilft uns emotional zum Gefühl von Sicherheit. Gehören wir zu einer Gruppe dazu, empfinden wir Sicherheiten und können uns in diesen Sicherheiten wieder als Individuen definieren. Die Zugehörigkeit ist uns also wichtig für die Selbstdefinition. Ein Ausschluss von der Gesellschaft, und sei es nur von einer kleinen Gruppe wie im Beispiel die Kollegen auf der Arbeit, wollen wir verhindern. Denn dadurch würden wir an Sicherheit verlieren. Das ist ein no-go.


    Wie wird man seine Feigheit los?

    Ein einfaches, magisches Wort oder Ritual kennen wir leider nicht, die Feigheit los zu werden. Wir sehen die Feigheit als Reaktion auf zu vermeidende Bedrohungen. So würden wir gern eine prozessorientierte Methode anfügen: das Bereuen.

    Die Reue

    Die Scham und die Reue sind zwei Gefühle, die sich in der Geistwelt nahe beieinander befinden. Sie haben auch gewisse Ähnlichkeiten, doch auch gewaltige Unterschiede. Die Reue z.B. ist prozessorientiert.
    Man hat sich aus Scham etwas verwehrt, etwas nicht getan oder gesagt. Statt diese "feige" Tat zu rechtfertigen, kann man sie ganz privat für sich bereuen. Bereuen heisst, sich dem Gefühl der Angst und Scham nochmals zu stellen. Der durch die Feigheit erlittene Verlust kann bereut werden. Quasi: es ist schade, dass man "es" nicht gemacht hat. Das tönt erst einmal negativ. Das ist auch richtig so. Man macht das am besten im stillen Kämmerlein. Therapeuten machen das natürlich in der schriftlichen Selbstreflexion. Das Bereuen, dass man etwas nicht getan hat, macht traurig. Geopfert wurde z.B. die Idee der Position des Getränkeautomaten von oben. Der Getränkeautomat tritt dabei in den Hintergrund: die Menschen um einen herum werden wichtiger. Gedanklich kann man noch einmal in diese Situation gehen und ein Verständnis für die eigene Feigheit aufbringen. Das geht in Richtung Selbstmitleid, aber ohne sich darin zu suhlen. Im privaten Kämmerlein kann man in dem Verständnis für die eigene Unzulässigkeit einen Abstand in der feigen Reaktion zu sich bekommen. Das Nennen der feigen Reaktion zusammen mit dem Verständnis, warum man es getan hat, führt zu einer anderen Objektivität auf das Geschehen. Die Trauer über die eigene Reaktion, das Verleugnen von einem selbst, das Opfern aufgrund der Zugehörigkeit, birgt eine Ressource in sich: eine neue Selbstdefinition. "Ja, ich war feige und ich verstehe, warum". Das reicht noch nicht ganz, um Vermeidungen umzuformen. Die Reue darf dabei neben einem sitzen und als Weggefährte dienen, um jemand anderer zu werden. Man kann bildlich gesprochen in das Schiff der Reue einsteigen und sich schippern lassen: hin zu den Erinnerungen. Damit vollzieht man den Weg aus den animalischen Gefilden der Angst hin auf die Sicherheit des Wissens: "Ja, das war ich mal". Macht man das in schamanischen Reisen, besteht die Möglichkeit, mit der Reue ein Gespräch zu führen. Da die Reue oft falsch verstanden wird, bietet die Reise die Chance, die Kompetenz der Reue zu nutzen: sie führt in Sicherheiten. Was wir bereuen, werden wir nicht wieder tun. Wir müssen es nur richtig ausformulieren: "Ich tat dies und jenes nicht, weil ich Angst hatte. Jetzt will ich dies anders angehen".
    Legt das Schiff der Reue an den Gestaden der Erinnerung an, könnte ein weiterer Akt geschehen. Man ruft den Mut an die Anlegestelle und beichtet ihm, dass man ihn verraten hat. Die Untreue zu sich selbst wird damit von einem selbst vergeben.


    See der Unsicherheit

    Es ist nicht einfach zu bereuen. Die Reue bietet viele Gefahren, wie z.B. sich tiefer in die Wertlosigkeit zu manövrieren. Wir haben das Bereuen in unserer heutigen Gesellschaft etwas verlernt. Wir setzen es in der Planung ein, in der sogenannten Vor-Reue. Damit verhindern wir schon in der Planung, dass wir etwas bereuen müssen. Die Reue nach einem Fehler leben wir seltener. Dabei bietet die Reue die Bewegung aus der Schuld heraus.  In der Reue fühlt man sich schuldig. Nur kann man mit der Reue den Ausweg aus dem Schuldgefühl finden. Diesen Ausweg findet man besser, wenn man sich der Schuld direkt stellt und diese fühlt. Die Kunst besteht darin, nicht in der Schuld verhaltet zu bleiben. Die Schuld stellt in diesem Prozess die Definition als feige dar, die Reue bringt die Bewegung aus der Schuld heraus in eine Neudefinition. Es gibt den treffenden Spruch: "Was du bereust, wirst du nicht wieder tun". Das Nicht-Wieder-Tun bezieht sich hier auf die Feigheit. Es geht darum, eine Balance zwischen echter Bedrohung und übertriebener Vorsicht, der Scheu zu finden.


    Bewegende Reue

    Es ist sicher sinnvoll, im stillen Kämmerlein nicht einfach dazusitzen und sich dem Prozess der Reue gedanklich hinzugeben. Die emotionale Bewegung darf durch körperliche Bewegung unterstützt werden. Das beinhaltet eine therapeutische Inszenierung. Sie verstecken sich vielleicht unter einer Decke. Darunter darf die Feigheit nochmals gefühlt werden. Ist sie spürbar, kann die Höhle verlassen werden. Sie sitzen vor der Höhle der Feigheit und betrachten Ihre eigene Feigheit. Entwickeln Sie ein Verständnis für sich selbst in der feigen Situation. Das Herausholen von einem selbst aus der Höhle, indem man nochmals hinein geht und sich selbst als vergangene Person im Aufstehen holt, kann in der Begrüssung neuer Sicherheiten und dem Mut gipfeln.
    "Wer war ich, wer bin ich, wer will ich sein?"
    So oder ähnlich kann die Verarbeitung einer Feigheit laufen. Das Ziel ist die Neudefinition von einem selbst in der Situation der Feigheit. Ebenso findet eine andere Selbstbewertung statt: das beichten gegenüber dem Mut führt zu einer Bindung an sich selbst. Es stellt eine Verbindung zu sich selbst dar, die die Tragik der Feigheit in Sicherheit wandelt:
    "Ja, ich will dazu gehören und ja, ich will mit meinem Mut dazu gehören".


    • Gast schreibt am 25.01.2017

      Liebe Schamanenstube, das ist ein sehr inspirierender Artikel, ich sage Danke!


  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Die Empathie das Loch aus Hochsensibilität. Die Lösung kann im egoistischen Verbreiten von Stimmungen sein: helfen mit der Verantwortung für Freude

    Jan
    2017

    16


    Buntspecht

    In sich gekehrt sein oder Freude verbreiten?


    Sie sehen eine ältere Frau, die sich ängstlich verhält, weil sie über die Strasse möchte. Sie macht einen Schritt vor, zögert und kehrt auf das sichere Trottoir zurück. Sie bemerken, wie die Vielzahl von Bewegungen um sie herum die Frau verunsichert. Da sind Autos aus verschiedenen Richtungen, Fahrradfahrer und Menschen, die es eilig haben. Ihre Kompetenz, die Strasse überqueren zu können, ist sichtlich herabgesetzt. Sie entscheiden sich, ihr zu helfen. Sie gehen hin und fragen sie, ob sie ihr helfen dürfen, über die Strasse zu kommen. Sie willigt ein. Sie begleiten sie. Auf der Strasse reklamiert sie den starken Verkehr, wie früher alles ruhiger war und sie nun nicht mehr zurecht käme. Sie jammert und rechtfertigt ihre Schwierigkeiten mit der heutigen Zeit. Auf der anderen Seite der Strasse angekommen, bedankt sie sich. Sie gehen weiter.


    Wie fühlen Sie sich?
    Das Wärme-Kompetenz-Modell hat sie vielleicht durch die verminderte Kompetenz der Dame, die Strasse überqueren zu können, mit Mitleid bewogen, zu helfen. Das geschieht nur, weil Ihr Wärmeempfinden für die Dame hoch ist. Dieses Mitleid ist nicht geheuchelt, es ist echt. Auf der Strasse wurden sie mit Jammern überhäuft. Sie bemerken, dass sie ihr zwar über die Strasse helfen können, aber wohl nichts für ihr Leben tun können. Beim Weggehen gibt es zwei Gefühle, die sich nicht vereinen lassen: Sie haben ihr über die Strasse geholfen, was Ihnen Stolz verleihen darf. Dieser Stolz hat zwar einen sozialen Bezug, er kommt aber nicht von aussen: weil niemand hat sie gesehen und schenkt Ihnen Anerkennung. Der Stolz des Helfens kommt von Ihnen selbst. Er hebt Ihre Lebensqualität. Daher der Ausdruck: Helfen hebt die Lebensqualität von einem selbst. Das zweite Gefühl ist eine Form von Ohnmacht. Sie haben gehört, wie schlecht es der Frau geht. Jammern wirkt immer fordernd. Diese Forderungen konnten sie nicht erfüllen. Unter Umständen führt das bei Ihnen zu einem Schuldgefühl. Sie können natürlich nichts für die Umstände im Leben dieser Frau, dennoch ist eine Schuld zu spüren.
    Schuld und Stolz können nicht gleichzeitig gespürt werden. Das eine Gefühl schliesst das andere aus. Einige entscheiden sich für den Stolz, indem sie sich rechtfertigen, dass sie ja geholfen haben. Andere gehen betrübt weiter. Was hätten Sie tun können, um mit einem guten Gefühl die Szene verlassen zu können?


    StimmungsbringerEgoistisch Verantwortung für Stimmungen übernehmen

    Sagen wir, Sie gehen zu einem Konzert. Emotional kann Ihr Ziel dabei sein, dass Sie Ihre Stimmung erheben lassen möchten. Sie wollen vielleicht Freude erleben. Sie kennen die Musikgruppe oder das aufzuführende Stück und wissen, darauf können Sie sich freuen. Warum? - Weil das Konzert entgegen der alltäglichen Stimmungen wirkt. Die Musik ist vielleicht so aufgebaut, dass sie fröhliche Stimmungen verbreitet. Ob Showmaster, Musikgruppe oder Kammerorchester: sie alle übernehmen die Verantwortung, eine Stimmung zu schaffen. Können Sie das auch?
    Was wäre gewesen, wenn Sie der alten Dame auf der Strasse Stolz gegeben hätten: "Sie sind aber voll rüstig unterwegs, da muss ich ja schauen, dass ich ihnen nachkomme." - Beim Einwirken zur Stolz-Erzeugung verbreiten Sie eine Stimmung in anderen. Das geht natürlich nicht nur über den Stolz, sondern auf x-fache Weisen. Sie beginnen zum Beispiel zu erzählen, wie gut das Sandwich war, das Sie eben gekauft haben. Die Dame hat vielleicht erzählt, wie früher alles besser war. Diese Werte können aufgegriffen werden und heutige Qualitäten herausgestellt werden: "Die von der Bäckerei da hinten wissen noch, wie man es macht".
    Indem Sie eine Stimmung erzeugen, helfen Sie vielleicht mehr, als nur beim Überqueren der Strasse. Die Stimmung mag nicht lange halten, aber es geschieht dabei etwas völlig anderes: Sie gehen in jedem Fall mit einem guten Gefühl weiter. Das tönt nicht nur egoistisch, sondern das darf es in unseren Augen auch sein.


    Raus aus dem Empathie-Loch

    Mitfühlen ist damit nur der erste Teil einer Reaktion. Die vielerorts gerühmte Empathie, die es dazu benötigt, hat ein Problem: sie führt in ein Loch. Darüber beklagt man sich dann mit Ausdrücken wie Hochsensibilität, Depression und vielen mehr. Nicht dass diese Ausdrücke falsch wären. Aber man kann etwas tun, statt sich in seinem Schicksal zu suhlen. Empathie darf der Anfang einer Wahrnehmung sein, die zu einer Reaktion führt. Es hat noch niemandem genutzt, wenn jemand nur versteht, wie es einem anderen geht. Der Nutzen entsteht wie im Beispiel durch die Einwirkung mit einer entgegengesetzten Stimmung.
    Natürlich sagt sich das alles so leicht. Aber wie geht man das an? Wir denken, es gibt viele Kurse heute, die einem genau das beibringen können. Vielleicht ist es ein Schauspiel-Kurs, der einem die Scheu vor dem Erschaffen von Stimmungen nimmt, vielleicht ein Rhetorik-Kurs, vielleicht ein Führungs-Kurs. Es kann darum gehen, vor Menschen zu sprechen. Uns gefällt der Schlusssatz: werden Sie Showmaster Ihres Lebens!  :-)









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