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  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Auswege aus der Feigheit in der Gefühlslehre: wie die Gefühle Angst und Scham unbewusst den Selbstwert herabsetzen und der Ausweg aus der Feigheit mit der Reue

    Jan
    2017

    23


    Regel-Geister
    Haben Sie viele Dinge aus Angst und Scham nicht gemacht, die Sie gerne gemacht hätten? - Keine Sorge, es besteht keine Antwortpflicht hier :-). Warum haben wir Menschen Angst vor der Scham?
    Nehmen wir ein Beispiel. Ihre Chefs sind mit einem Problem beschäftigt und haben nur unbefriedigende Lösungen. Es geht um die Platzierung eines Getränkeautomaten. Sie haben eine Idee, die alle besprochenen Probleme lösen könnte. In der Sitzung sind Sie anwesend und getrauen sich wegen des intensiven Gesprächs nicht, von Ihrer Idee zu erzählen. Sie merken, wie einige am Tisch sich schon auf eine Kompromiss-Lösung eingeschworen haben und diese bereits rechtfertigen. Jetzt noch etwas anderes einbringen? - Irgendwie merken Sie, es ist zu spät. Das Nennen Ihrer Lösung könnte sogar zu Missstimmungen führen. Also schweigen sie. Die anderen könnten Sie angreifen, wenn Sie die Lösung bringen würden, denn das ginge mittlerweile gegen deren Stolz. Ihre Lösung beinhaltet obendrein einen ungewissen Punkt über die Sonneneinstrahlung, der in Ihnen einen Zweifel aufbringt. Würde man entdecken, dass Sie diesen einen Punkt nicht begriffen haben, müssten Sie sich schämen. Sie haben bei diesem Thema nicht richtig zugehört. Das Wagnis, dennoch von Ihrer Idee zu erzählen, wird damit zu hoch: Sie könnten riskieren, dass man Sie als "doof" anschauen würde. Feige stimmen Sie in den lobenden Chor ein, der die schlechtere Idee gerade rechtfertigt. Schliesslich wollen Sie dazu gehören und nicht negativ auffallen.


    Gefühlslehre Feigheit

    Man kann das Wort Feigheit als Wertung betrachten. Hier verhält sich ähnlich der Würde. Man kann jedoch von einem feigen Gefühl sprechen. Die Gefühlslehre nennt es ein Misch-Gefühl aus Angst und Scham zu gleicher Zeit. Gerade im sozialen Bezug im Sinne des Strebens nach Zugehörigkeit ist die Angst vor der Scham als eine Ursache der Feigheit zu nennen. Damit ist die Angst vor den Bedrohungen gemeint, sich zu blamieren, sich bloss zu stellen oder etwas falsch zu machen. Mögliche Reaktionen der Feigheit finden sich in der Flucht, Verdrängung, Unschuld, Rechtfertigung durch Zweifel, Schuld, Abwertung, Mut oder Egalität (Abwertung der Bedrohung).


    Reagieren in Feigheit

    Eine oft typische Reaktion ist die Flucht. Diese Flucht würde die Feigheit bestätigen, fände man nicht Halt in Rechtfertigungen und in echten oder künstlichen Zweifeln. "Es ist nicht klug, es zu tun...", "Es ist gefährlich...", "Es könnte Nachteile haben..."
    Die Lüge ist einer der besten Freunde des Zweifels und der Rechtfertigung. Als Reaktion auf die Feigheit erfinden wir gerne Ausreden, warum wir etwas nicht getan haben. Die Ausreden verhindern das Geständnis, dass man feige war. Notfalls stellen wir uns doof, als ob wir nicht richtig kapiert hätten, worum es geht, respektive was man hätte tun können. Die gespielte Überraschung bei Sätzen: "Wieso hast du deine Idee nicht einfach präsentiert?" wirkt auch für einen selbst echt. Das ist deshlab für einen selbst echt, weil grosse Teile dieses Ausweichmanövers unbewusst laufen. Wir können also authentisch überrascht sein, obschon wir vorher bescheid wussten. Das ist der Weg in echte Unschuld durch momentan echtes Vergessen. Auch da empfinden wir als "fein raus".
    Ist offenkundig, was man aus Feigheit nicht getan hat auf der Hand, lässt sich die Feigheit in der Folge auch verdrängen. Mit Vermeidungen versucht man z.B., das Gesprächs-Thema auf etwas anderes zu lenken, wenn es nur schon in die Nähe eines möglichen erneuten Erkennens geht, dass man feige gewesen ist. Es entwickelt sich daraus ein hohes Mass an unbewusster Vorsicht, die wach und bereit ist, alle Themen umzulenken. Wie gesagt, das kann eine unbewusste Vorsicht sein, die einen leitet.


    Spätfolgen der Feigheit

    Nach der Feigheit müssen wir uns an die gewählten Reaktion halten. Sonst würden wir später riskieren, uns zu blamieren. Die Scham will nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig vermieden werden. Das tun wir wieder wegen unseres Dranges der Zugehörigkeit.

    · unbewusste Vorsicht

    Die unbewusste Vorsicht existiert aufgrund von Vermeidungsstrategien. Das sind Ordnungen, denen wir blindlings folgen (so viel zum freien Willen übrigens). Dabei gibt es ein Zusammenspiel mit der Angst: jede Vermeidung hat als eine Art Wächter ein Angstgefühl. Dieses verhindert durch emotionale Verdeutlichung durch Angst, dass man etwas nicht tun sollte. Die Geistwelt wird durch Vermeidungen umgeformt. Vermeidungen sind gelerntes Verhalten. Das kann ganze Täler in der Geistwelt formen, die einen immer in dieselbe Richtung lenken. Hat man viele Vorsichten platziert, kann man mehr und mehr ängstlich werden. Man weicht vor vielen Dingen der Welt aus oder verschliesst sich nach und nach.

    · Unschuld

    Die Unschuld ist ein Wort, das erst einmal nach Reinheit tönt. In der Gefühlslehre der Schamanismus Therapie ist sie das aber gänzlich nicht. Sie wird durch das Vergessen produziert: man vergisst Dinge, die man gemacht hat. Damit fühlt man sich in der Tat "unschuldig". Das Problem dabei liegt im Unterbewusstsein: etwas bleibt eben doch hängen. Auch hier sind stete Vermeidungen gerne die Folge.

    · Verminderung des Selbstwertes

    Die Vermeidungen haben neben der Angst ein weiteres Mittel, auf sich aufmerksam zu machen. Bei der Feigheit kann die Scham ebenso in den Ausweich-Reaktionen wirken und uns lenken. Mit der Zeit verblassen zwar unsere Vermeidungs-Erinnerungen. Doch das führt selten zu einem Abbau der Vermeidung, sondern zu einer Ausdehnung. Als Spätfolge beim Beispiel des Getränkeautomaten weichen Sie vielleicht diesem Automaten künftig unbewusst aus. Eine weitere Ausdehnung kann vielleicht dahin gehen, dass Sie sich Ihren geliebten Orangensaft, den es auch im Automaten geben würde, nicht mehr gönnen - auch ausserhalb der Firma. Die Ausdehnung der Vermeidung durch Feigheit kann viele Lebensbereiche tangieren, in welchen Sie sich Dinge unbewusst verbieten. Die Ursache dafür in nach Jahren nicht mehr eruierbar, auch nicht in schamanischen Reisen. Klar ist nur, dass Sie sich gewisse Dinge nicht mehr gönnen wollen. Diese aktive Abwertung führt zu einer Verminderung des Selbstwertes in verschiedenen Bereichen Ihres Lebens. Wenn wir es weniger drastisch formulieren und den Orangensaft weglassen, so getrauen Sie sich vielleicht immer weniger, Ihre Ideen auszusprechen und irgendwann auch, überhaupt Ideen zu haben.


    Es gibt bestimmt noch weitere Spätfolgen der Feigheit. Die meisten Bedrohungen hinter der Angst vor der Scham sind wie immer selbst produziert und künstlich. Führt die Feigheit bis zur Verminderung des Selbstwertes und Verhinderung des Ideenreichtums könnte man über dieses Gefühl sagen: "Feigheit macht dumm".



    Feigheit Angst und Scham

    Ursachen der Feigheit

    Wie schon angedeutet, steht hinter der Feigheit die Angst des Verlustes der Zugehörigkeit. Man müsste sich schämen, wenn man versagen würde oder etwas von sich gäbe, das zu Gelächter führen könnte. Die Angst vor der Scham wird von der Scheu begleitet. Diese ist aber nicht direkt ursächlich, sondern von früherem Erleben der Feigheit geprägt: sie stellt die Fluchtreaktion durch die Vorsicht dar. Es bleibt die Angst vor Scham, die zur Feigheit führt.
    Jede Angst braucht eine oder mehrere Bedrohungen. Dort könnte man ansetzen, um ursachenorientiert vorzugehen. Wie lautet die Bedrohung, die zur schamvollen Feigheit führt? (eine schöne Prüfungsfrage der Ausbildungen in Schamanismus Therapie) - Es ist der drohende Verlust der Zugehörigkeit. Hinzu kommt die Tendenz, dass Angst vor Verlust in Panik gipfeln kann.

    Ausschluss von der Gesellschaft

    Den Verlust der Zugehörigkeit wollen wir Menschen meist um jeden Preis vermeiden. Warum ist das so? - Die Schamanismus Therapie knüpft hier an archaische Formen von uns Menschen als ursprüngliche Tiere an. Die Evolution hat uns vom Tier zum Menschen verändert. Unser Körper ist dabei immer noch tierischer Natur. Da gibt es den Verdauungsapparat, die Atmungsorgane, Muskeln, Knochen und alles, was so zu einem Tier dazu gehört. Die Gefühlslehre der Schamanismus Therapie stellt sich die Frage, ob es emotional auch noch solche Rudimente gibt. Rein körperlich gibt es da z.B. unser sogenanntes Reptiliengehirn. Reaktionen wie Flucht, Angriff und sich Totstellen tragen wir in uns. Die Schamanenstube ist sogar der Auffassung, dass das sicher ein Gefühl existiert, das uns von allen Tieren unterscheidet: die Fähigkeit zum Glauben.
    Kommen wir zurück zum Zugehörigkeitsgefühl. Die Zugehörigkeit steht hoch oben in der Rangliste des "Sinns des Lebens". Sie verhilft uns emotional zum Gefühl von Sicherheit. Gehören wir zu einer Gruppe dazu, empfinden wir Sicherheiten und können uns in diesen Sicherheiten wieder als Individuen definieren. Die Zugehörigkeit ist uns also wichtig für die Selbstdefinition. Ein Ausschluss von der Gesellschaft, und sei es nur von einer kleinen Gruppe wie im Beispiel die Kollegen auf der Arbeit, wollen wir verhindern. Denn dadurch würden wir an Sicherheit verlieren. Das ist ein no-go.


    Wie wird man seine Feigheit los?

    Ein einfaches, magisches Wort oder Ritual kennen wir leider nicht, die Feigheit los zu werden. Wir sehen die Feigheit als Reaktion auf zu vermeidende Bedrohungen. So würden wir gern eine prozessorientierte Methode anfügen: das Bereuen.

    Die Reue

    Die Scham und die Reue sind zwei Gefühle, die sich in der Geistwelt nahe beieinander befinden. Sie haben auch gewisse Ähnlichkeiten, doch auch gewaltige Unterschiede. Die Reue z.B. ist prozessorientiert.
    Man hat sich aus Scham etwas verwehrt, etwas nicht getan oder gesagt. Statt diese "feige" Tat zu rechtfertigen, kann man sie ganz privat für sich bereuen. Bereuen heisst, sich dem Gefühl der Angst und Scham nochmals zu stellen. Der durch die Feigheit erlittene Verlust kann bereut werden. Quasi: es ist schade, dass man "es" nicht gemacht hat. Das tönt erst einmal negativ. Das ist auch richtig so. Man macht das am besten im stillen Kämmerlein. Therapeuten machen das natürlich in der schriftlichen Selbstreflexion. Das Bereuen, dass man etwas nicht getan hat, macht traurig. Geopfert wurde z.B. die Idee der Position des Getränkeautomaten von oben. Der Getränkeautomat tritt dabei in den Hintergrund: die Menschen um einen herum werden wichtiger. Gedanklich kann man noch einmal in diese Situation gehen und ein Verständnis für die eigene Feigheit aufbringen. Das geht in Richtung Selbstmitleid, aber ohne sich darin zu suhlen. Im privaten Kämmerlein kann man in dem Verständnis für die eigene Unzulässigkeit einen Abstand in der feigen Reaktion zu sich bekommen. Das Nennen der feigen Reaktion zusammen mit dem Verständnis, warum man es getan hat, führt zu einer anderen Objektivität auf das Geschehen. Die Trauer über die eigene Reaktion, das Verleugnen von einem selbst, das Opfern aufgrund der Zugehörigkeit, birgt eine Ressource in sich: eine neue Selbstdefinition. "Ja, ich war feige und ich verstehe, warum". Das reicht noch nicht ganz, um Vermeidungen umzuformen. Die Reue darf dabei neben einem sitzen und als Weggefährte dienen, um jemand anderer zu werden. Man kann bildlich gesprochen in das Schiff der Reue einsteigen und sich schippern lassen: hin zu den Erinnerungen. Damit vollzieht man den Weg aus den animalischen Gefilden der Angst hin auf die Sicherheit des Wissens: "Ja, das war ich mal". Macht man das in schamanischen Reisen, besteht die Möglichkeit, mit der Reue ein Gespräch zu führen. Da die Reue oft falsch verstanden wird, bietet die Reise die Chance, die Kompetenz der Reue zu nutzen: sie führt in Sicherheiten. Was wir bereuen, werden wir nicht wieder tun. Wir müssen es nur richtig ausformulieren: "Ich tat dies und jenes nicht, weil ich Angst hatte. Jetzt will ich dies anders angehen".
    Legt das Schiff der Reue an den Gestaden der Erinnerung an, könnte ein weiterer Akt geschehen. Man ruft den Mut an die Anlegestelle und beichtet ihm, dass man ihn verraten hat. Die Untreue zu sich selbst wird damit von einem selbst vergeben.


    See der Unsicherheit

    Es ist nicht einfach zu bereuen. Die Reue bietet viele Gefahren, wie z.B. sich tiefer in die Wertlosigkeit zu manövrieren. Wir haben das Bereuen in unserer heutigen Gesellschaft etwas verlernt. Wir setzen es in der Planung ein, in der sogenannten Vor-Reue. Damit verhindern wir schon in der Planung, dass wir etwas bereuen müssen. Die Reue nach einem Fehler leben wir seltener. Dabei bietet die Reue die Bewegung aus der Schuld heraus.  In der Reue fühlt man sich schuldig. Nur kann man mit der Reue den Ausweg aus dem Schuldgefühl finden. Diesen Ausweg findet man besser, wenn man sich der Schuld direkt stellt und diese fühlt. Die Kunst besteht darin, nicht in der Schuld verhaltet zu bleiben. Die Schuld stellt in diesem Prozess die Definition als feige dar, die Reue bringt die Bewegung aus der Schuld heraus in eine Neudefinition. Es gibt den treffenden Spruch: "Was du bereust, wirst du nicht wieder tun". Das Nicht-Wieder-Tun bezieht sich hier auf die Feigheit. Es geht darum, eine Balance zwischen echter Bedrohung und übertriebener Vorsicht, der Scheu zu finden.


    Bewegende Reue

    Es ist sicher sinnvoll, im stillen Kämmerlein nicht einfach dazusitzen und sich dem Prozess der Reue gedanklich hinzugeben. Die emotionale Bewegung darf durch körperliche Bewegung unterstützt werden. Das beinhaltet eine therapeutische Inszenierung. Sie verstecken sich vielleicht unter einer Decke. Darunter darf die Feigheit nochmals gefühlt werden. Ist sie spürbar, kann die Höhle verlassen werden. Sie sitzen vor der Höhle der Feigheit und betrachten Ihre eigene Feigheit. Entwickeln Sie ein Verständnis für sich selbst in der feigen Situation. Das Herausholen von einem selbst aus der Höhle, indem man nochmals hinein geht und sich selbst als vergangene Person im Aufstehen holt, kann in der Begrüssung neuer Sicherheiten und dem Mut gipfeln.
    "Wer war ich, wer bin ich, wer will ich sein?"
    So oder ähnlich kann die Verarbeitung einer Feigheit laufen. Das Ziel ist die Neudefinition von einem selbst in der Situation der Feigheit. Ebenso findet eine andere Selbstbewertung statt: das beichten gegenüber dem Mut führt zu einer Bindung an sich selbst. Es stellt eine Verbindung zu sich selbst dar, die die Tragik der Feigheit in Sicherheit wandelt:
    "Ja, ich will dazu gehören und ja, ich will mit meinem Mut dazu gehören".


    • Gast schreibt am 25.01.2017

      Liebe Schamanenstube, das ist ein sehr inspirierender Artikel, ich sage Danke!


  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Die Empathie das Loch aus Hochsensibilität. Die Lösung kann im egoistischen Verbreiten von Stimmungen sein: helfen mit der Verantwortung für Freude

    Jan
    2017

    16


    Buntspecht

    In sich gekehrt sein oder Freude verbreiten?


    Sie sehen eine ältere Frau, die sich ängstlich verhält, weil sie über die Strasse möchte. Sie macht einen Schritt vor, zögert und kehrt auf das sichere Trottoir zurück. Sie bemerken, wie die Vielzahl von Bewegungen um sie herum die Frau verunsichert. Da sind Autos aus verschiedenen Richtungen, Fahrradfahrer und Menschen, die es eilig haben. Ihre Kompetenz, die Strasse überqueren zu können, ist sichtlich herabgesetzt. Sie entscheiden sich, ihr zu helfen. Sie gehen hin und fragen sie, ob sie ihr helfen dürfen, über die Strasse zu kommen. Sie willigt ein. Sie begleiten sie. Auf der Strasse reklamiert sie den starken Verkehr, wie früher alles ruhiger war und sie nun nicht mehr zurecht käme. Sie jammert und rechtfertigt ihre Schwierigkeiten mit der heutigen Zeit. Auf der anderen Seite der Strasse angekommen, bedankt sie sich. Sie gehen weiter.


    Wie fühlen Sie sich?
    Das Wärme-Kompetenz-Modell hat sie vielleicht durch die verminderte Kompetenz der Dame, die Strasse überqueren zu können, mit Mitleid bewogen, zu helfen. Das geschieht nur, weil Ihr Wärmeempfinden für die Dame hoch ist. Dieses Mitleid ist nicht geheuchelt, es ist echt. Auf der Strasse wurden sie mit Jammern überhäuft. Sie bemerken, dass sie ihr zwar über die Strasse helfen können, aber wohl nichts für ihr Leben tun können. Beim Weggehen gibt es zwei Gefühle, die sich nicht vereinen lassen: Sie haben ihr über die Strasse geholfen, was Ihnen Stolz verleihen darf. Dieser Stolz hat zwar einen sozialen Bezug, er kommt aber nicht von aussen: weil niemand hat sie gesehen und schenkt Ihnen Anerkennung. Der Stolz des Helfens kommt von Ihnen selbst. Er hebt Ihre Lebensqualität. Daher der Ausdruck: Helfen hebt die Lebensqualität von einem selbst. Das zweite Gefühl ist eine Form von Ohnmacht. Sie haben gehört, wie schlecht es der Frau geht. Jammern wirkt immer fordernd. Diese Forderungen konnten sie nicht erfüllen. Unter Umständen führt das bei Ihnen zu einem Schuldgefühl. Sie können natürlich nichts für die Umstände im Leben dieser Frau, dennoch ist eine Schuld zu spüren.
    Schuld und Stolz können nicht gleichzeitig gespürt werden. Das eine Gefühl schliesst das andere aus. Einige entscheiden sich für den Stolz, indem sie sich rechtfertigen, dass sie ja geholfen haben. Andere gehen betrübt weiter. Was hätten Sie tun können, um mit einem guten Gefühl die Szene verlassen zu können?


    StimmungsbringerEgoistisch Verantwortung für Stimmungen übernehmen

    Sagen wir, Sie gehen zu einem Konzert. Emotional kann Ihr Ziel dabei sein, dass Sie Ihre Stimmung erheben lassen möchten. Sie wollen vielleicht Freude erleben. Sie kennen die Musikgruppe oder das aufzuführende Stück und wissen, darauf können Sie sich freuen. Warum? - Weil das Konzert entgegen der alltäglichen Stimmungen wirkt. Die Musik ist vielleicht so aufgebaut, dass sie fröhliche Stimmungen verbreitet. Ob Showmaster, Musikgruppe oder Kammerorchester: sie alle übernehmen die Verantwortung, eine Stimmung zu schaffen. Können Sie das auch?
    Was wäre gewesen, wenn Sie der alten Dame auf der Strasse Stolz gegeben hätten: "Sie sind aber voll rüstig unterwegs, da muss ich ja schauen, dass ich ihnen nachkomme." - Beim Einwirken zur Stolz-Erzeugung verbreiten Sie eine Stimmung in anderen. Das geht natürlich nicht nur über den Stolz, sondern auf x-fache Weisen. Sie beginnen zum Beispiel zu erzählen, wie gut das Sandwich war, das Sie eben gekauft haben. Die Dame hat vielleicht erzählt, wie früher alles besser war. Diese Werte können aufgegriffen werden und heutige Qualitäten herausgestellt werden: "Die von der Bäckerei da hinten wissen noch, wie man es macht".
    Indem Sie eine Stimmung erzeugen, helfen Sie vielleicht mehr, als nur beim Überqueren der Strasse. Die Stimmung mag nicht lange halten, aber es geschieht dabei etwas völlig anderes: Sie gehen in jedem Fall mit einem guten Gefühl weiter. Das tönt nicht nur egoistisch, sondern das darf es in unseren Augen auch sein.


    Raus aus dem Empathie-Loch

    Mitfühlen ist damit nur der erste Teil einer Reaktion. Die vielerorts gerühmte Empathie, die es dazu benötigt, hat ein Problem: sie führt in ein Loch. Darüber beklagt man sich dann mit Ausdrücken wie Hochsensibilität, Depression und vielen mehr. Nicht dass diese Ausdrücke falsch wären. Aber man kann etwas tun, statt sich in seinem Schicksal zu suhlen. Empathie darf der Anfang einer Wahrnehmung sein, die zu einer Reaktion führt. Es hat noch niemandem genutzt, wenn jemand nur versteht, wie es einem anderen geht. Der Nutzen entsteht wie im Beispiel durch die Einwirkung mit einer entgegengesetzten Stimmung.
    Natürlich sagt sich das alles so leicht. Aber wie geht man das an? Wir denken, es gibt viele Kurse heute, die einem genau das beibringen können. Vielleicht ist es ein Schauspiel-Kurs, der einem die Scheu vor dem Erschaffen von Stimmungen nimmt, vielleicht ein Rhetorik-Kurs, vielleicht ein Führungs-Kurs. Es kann darum gehen, vor Menschen zu sprechen. Uns gefällt der Schlusssatz: werden Sie Showmaster Ihres Lebens!  :-)




  • schreibt über Orakelsee

    Wie funktioniert das Kaffeesatzlesen, das Kartenlegen und das Werfen der Runen? - Von der Hoffnung des Sehens der Zukunft, der Interpretation und der Kaffeedomantie

    Jan
    2017

    09


    Kaffeesatzlesen und Kartenlegen

    Die Zeit der Rauhnächte wird gerne verwendet, ein wenig zu orakeln. Es gab früher den Brauch, dass das Wetter jedes Rauhtages für die Wetterprognose der zwölf Monate des kommenden Jahres verwendet werden konnte. Damals gab es noch keine Viermalvier-Autos, man blieb meistens über die eingeschneite Zeit zu Hause, kümmerte sich um das Vieh und arbeitete an Dingen, die sich in der warmen Stube erledigen liessen. Wenn Menschen in Stuben zusammen kommen, planen sie gerne. Da liegt das Weissagen nicht weit entfernt vom Träumen: wie wird wohl das Jahr werden? - Auch heute noch bringt die Weissagung uns Menschen Gutes: das Gefühl von Sicherheit.


    Hoffnung auf Sicherheit

    Ob Wirtschaftsprognosen, Börsen-Tendenzen oder Einschätzungen über eine Lage: wir Menschen wollen Sicherheiten, was die Zukunft anbelangt. Da ist die Schweiz nicht aussen vor. Ob zweifelnde Gesichter über die Pensionskassen und die AHV aufkommen, oder ob wir uns ausmalen, was dieses Jahr noch alles zu reparieren sein wird: wir denken gerne über die Zukunft nach. In dieses Planen hinein bugsieren wir mögliche Bedrohungen. Zum Beispiel: ob man das Geld auf der Bank wirklich gut angelegt ist bei den Negativzinsen der Nationalbank oder ob das Auto es noch ein Jahr macht. Dies und das könnte passieren, was schlecht wäre. Das Aufbauen von Bedrohungen schafft in den ruhigen, eingeschneiten Zeiten die Möglichkeit, sich vorher schon Reaktionsmöglichkeiten auszudenken. In dieser Planung finden sich Sicherheiten, die man sich bauen kann. Man rüstet sich.
    Ein Problem dabei ist oft, dass wir die prognostizierten Bedrohungen zu hoch aufbauen. Darin sind wir wirklich gut. Hoffnung spenden Sätze wie: "es wir schon nicht so schlimm werden", oder "lassen wir es mal auf uns zukommen". Wenn das gegen die Grösse der Bedrohung nicht ausreicht, stellt sich gerne eine Angst ein. Was man bräuchte sind Sicherheiten, die man gerne auch in Form von noch so geringen Hinweisen annimmt. Hier kommt das Weissagen ins Spiel. Das Bedürfnis ist auch gleich klar: man will Sicherheiten hören und sich an Hoffnungen klammern können. Wenn eine Weissagung hilfreich sein soll, muss sie diese Bedürfnisse erfüllen. Aber wie? - Was zeigen einem Kartenleger die Karten, was ein Kaffeesatz einem Kaffeesatzleser?


    Was sehen die Karten beim Kartenlegen?

    Der Orakelsee und das Tarot3d geben die Verantwortung über die Karten den Kundinnen und Kunden. Das ist das einzige, das in unseren Augen Sinn macht. Wir sagen uns, wenn wir für einen Kunden die Karten ziehen, dann ist es unsere Ordnung, die mit einfliesst. So muss ein Kunde die Karten auf die Frage ziehen, damit seine eigene Ordnung abgebildet werden kann. Baut sich nun jemand eine grosse Bedrohung über die Zukunft auf, so erscheint diese in den Karten. Der Ansatz des Kartenlegers, dann zu sagen, da käme Schlechtes auf jemanden zu, ist in diesem Verantwortungs-Prinzip falsch. Es wird die aufgebaute Bedrohung des Kunden gezeigt. Die ist meistens eh zu gross und kann eine starke Wirkung auf das Kartenbild haben. Natürlich helfen hier Nachfragen wie: "Sie machen sich grosse Sorgen über Ihre Arbeit?".
    Wenige Kartenleger arbeiten nach diesem Prinzip des Abbildens der inneren Ordnungen des Kunden. Dabei ist dies in vielen Ritualen der einzige Weg. Die Eilimpia z.B. bildet das Innere eines Körpers im Eikörper ab, beim Kaffeesatz-Lesen trinkt der Kunde den Kaffee, nicht der Berater. Damit wird ein Status gezeigt, noch nicht die Zukunft. In unseren Kursen zum Kartenlegen versuchen wir genau diesen Prozess greifbar zu machen. So nebenbei erfüllt diese Status-Aufnahme durch die Karten auch ein weiteres Bedürfnis: ist das wohl ein guter Kartenleger? - Wenn er die Sorgen nennen kann, dann ist man überzeugt.
    Was sehen nun die Karten, wie es weiter geht? - Auch hier greift das Prinzip des Orakelsees: der Kunde wird mit der Frage, was er gegen die Bedrohung machen kann, wieder in die Verantwortung genommen. Diese Verantwortung ist die Verantwortung über sein eigenes Handeln. Da der Aufbau der Bedrohungen oft künstlich in die Höhe getrieben wird, kann bei richtiger Führung durch den Kartenleger die Vernunft auf emotionaler Ebene wieder einkehren. Man weiss in der Regel, was emotional helfen kann, wenn man in eine Situation kommt. Die Karten zeigen, je nach Befinden des Kunden, dann das auf, was helfen wird. Damit führt das Verantwortungsprinzip zur Eigenverantwortung des Kunden. Die Hoffnung weicht den Möglichkeiten, die man hat. Diese Möglichkeiten kann man jetzt schon in Angriff nehmen und sich vorbereiten. Ein Kunde findet darin die gesuchte Sicherheit: er kann der Zukunft alleine begegnen und sie meistern.
    Fragt uns jemand, ob wir ihm nicht schnell die Karten ziehen könnten für ein Problem, verneinen wir. Wie soll das gehen? - Der Fragende muss die Karten selbst ziehen.



    Das Kaffesatzlesen: die Kaffeedomantie

    Anders als man zuweilen glaubt, entstammt das Lesen aus dem Kaffeesatz nicht dem fernen Osten, sondern aus dem Süden Europas. Die Verbindung zum Orient stellt man her, weil sich für das Kaffeesatzlesen ein Mokka-Kaffee besonders gut eignet. Die Kaffeedomantie hat nie so starken Einzug in die Wahrsagerei gehalten wie z.B. das Kartenlegen. Vielleicht liegt das daran, dass man jedes Mal einen Kaffee aufbereiten muss. Das trübt vielleicht etwas die Barrierefreiheit. Das wissen wir leider nicht.
    Es gibt verschiedene Methoden des Wahrsagens aus dem Kaffeesatz. Schön finden wir, dass der Kunde den Kaffee trinkt und somit für seine Zukunft auf gewisse Weise wieder die Verantwortung übernehmen kann. Wir machen das so: man trinkt den Mokka, dreht danach die Tasse auf den Unterteller um und wartet, bis der Kaffeesatz getrocknet ist. Das entstehende Bild in der Tasse kann nun interpretiert werden. Dieser Vorgang ist ähnlich dem Kartenlegen. Ein kleiner Nachteil gegenüber dem Kartenlegen ist der Umstand, dass für die Lösung des gezeigten Problems keine weiteren Kaffee-Muster gezogen werden können.


    Interpretation des Kaffeesatzes

    Man bezeichnet oft etwas als eine Kunst, wie die Kunst des Kaffeesatzlesens, wenn es keine eindeutigen Regeln gibt, wie man es macht. Im Prinzip ist erlaubt, was gefällt. Die Pareidolie spielt sicherlich mit in die Interpretation eines Kaffeesatz-Bildes ein: wir Menschen haben eine Affinität, überall Gesichter zu erkennen. Ob das in Wolken, in Baumstämmen oder in Felsformationen stattfindet, ist unserem Gehirn egal. So kann die Pareidolie gerne auch für das Kaffeesatzlesen verwendet werden. Wie schon angesprochen, liefert der Kaffeesatz keine Möglichkeit, das Bild weiter zu entwickeln. Man muss also zurück zum Mischen der Karten, respektive zum Trinken des Kaffees. Hier ist das Gespräch oder sind die Gedanken wichtig. Das Problem oder die Angst über die Zukunft, muss benannt und besprochen sein, wenn man nicht einfach die aktuelle Situation ablesen möchte. Man könnte sich beispielsweise vorstellen, wie man die umschriebene Bedrohung löst und diese Lösung mit dem Kaffee gleich integriert. Das kann zu Gedanken führen wie: "Der Kaffee zeigt die Lösung".
    Damit lässt sich die Fantasie beim Interpretieren in eine Ordnung bringen: die Muster werden so interpretiert, dass sie Lösungen aufzeigen. Wir lesen von links nach rechts, weil das auch unsere Art des Lesens von Texten ist. Beobachtet man einmal seinen Blick-Fluss der Augen, sprich was man als erstes anschaut und wohin der Blick dann wandert, kann man natürlich auch das als Leserichtung verwenden. Ein Effekt der Überraschung darf auftauchen: es kann sich etwas im Bild zeigen, woran man bewusst gar nicht gedacht hat. Das geschieht sehr oft und schafft die Klarheit: es geht wohl in die und die Richtung.
    Beim Kaffeesatzlesen zu den Rauhnächten kann auch der Spass oder das Interesse am kommenden Jahr Motivation für die Interpretation sein. Das Jahr von links nach rechts zu lesen ist meistens gut möglich, indem man das Bild in vier Jahreszeiten unterteilt: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.



    Die Interpretation von Runen-Karten

    Besonders in europäischen Gegenden kommen die Runen gerne zum Einsatz. Es gibt sie aus Knöchlein, aus Holz oder wie bei uns als Runen-Karten. Wieder kommt die Frage der Verantwortung für die gezeigte Ordnung zum Vorschein: am besten ist diese mit Karten handzuhaben. Man kann für eine Problemlösung oder die Entwicklung einer Situation weitere Karten ziehen lassen. Das macht das Prinzip des Legens von Ordnungen wieder machbar. Nach diesem Prinzip haben wir ja auch unser Runen-Set ins Leben gerufen: die Halle der Runen-Karten. Wir sagen uns: wenn man die Verantwortung über das Werfen der Runen-Karten selbst übernimmt, zeigt man die in einem schlummernde Ordnung. Runen für jemand anderen zu werfen, macht da für uns keinen Sinn. So war es auch für das Live-Orakel wichtig, dass der Kunde, die Kundin die Karten ziehen kann. Die Symbole der Runen sind vielen Europäern sehr nahe. Die Keilschrift ist für unsere Augen erkennbar und wirkt schlicht. Das macht die Runen auch faszinierend. Als Hilfe für die Interpretation der Runen, haben wir eine Anleitung geschrieben, die aus schamanischen Reisen die emotionale Wirkung der Runen aufzeigt. Wir freuen uns, das Buch und das Set weiter in unserem Shop anbieten zu können.

    Die Halle der Runen-Karten


    • Gast schreibt am 13.01.2017

      Danke, das finde ich einleuchtend


  • schreibt über Schamanenschule

    Das Macht-Verhältnis zwischen Therapeut und Kunde: was ist eine begleitende Führung von Gesprächen? Therapie-Strukturen und das Interesse am Kunden

    Jan
    2017

    04


    Laternen Licht
    Es gibt in den Ausbildungen der Schamanenstube einen Schritt, der sich bei fast allen als schwierig erweist. Man hat sehr viel gelernt und weiss über die Gefühlslehre Bescheid. Das Schulziel des Experten für sich selbst ist erlangt und Sicherheiten sind geformt und werden gelebt. Wie kommt man nun vom Experten für sich selbst zu jemandem, der Gespräche führen und damit Menschen auf ihren Wegen behilflich sein kann?


    Liebevolle Macht - Begleitung zum Finden

    Man meint es ja gut mit seinen Kundinnen und Kunden. Wirkt man im Gespräch aber zu lieb und hofft auf den Goodwill des Kunden, eigene Unsicherheiten nicht zu bemerken, hat man die Zügel aus der Hand gegeben. Diese Zügel sind keine negativen Führungszügel, sondern dürfen Strukturen, Ziele und Möglichkeiten liefern. In der Schamanismus Therapie sagt man seiner Kundschaft nicht, was sie zu tun hat, sondern man begleitet sie in neue Felder, in denen sie sich selbst finden und entfalten. Dabei taucht eine sogenannte Meta-Ebene auf, die über dem Gespräch beim Therapeuten die Ziele im Auge behält. Schritt für Schritt steuert man diese an. Vielleicht merkt man, dass ein gewisses Feld in die Irre führt: dann lässt man diesen Rahmen fallen. Zur Führung aber braucht es immer ein Machtverhältnis. Nun ist es ja so, dass der Kunde und der Therapeut auf gleicher Augenhöhe, im gleichen Machtverhältnis zueinander stehen sollen. Das ist auch richtig so, denn gerade in der Schamanismus Therapie ist der "grosse Schamane" ein Gefahr für mittel- und langfristige Erfolge.
    Das Machtverhältnis muss nicht gestört sein, wenn man ein therapeutisches Gespräch führt. Während der Schule wird bewusst gemacht, dass jedes Wort, jeder Satz einen Rahmen legt. Man gibt eine Ordnung vor. Genauso wie wir versuchen, Sie als Leserin und Leser durch diesen Text hier zu führen, führt man auch im Gespräch durch das Legen von Ordnungen.



    Wege

    Wie wird ein Gespräch zu einem geführten Gespräch?

    Jeder Mensch übernimmt unbewusst die Macht in einem Gespräch. Das geschieht ganz subtil und ist nur menschlich. Es ist dahingegen für das Vermitteln des therapeutischen Lernens von Vorteil, wenn ein Kunde die Führung irgendwann übernimmt. Nur wie begleitet man ihn oder sie dahin? Wie führt man in einem Gespräch?

    • Interesse
      Man darf Interesse an den Erzählungen der Kunden haben. Das tönt simpel, ist es aber nicht, wenn man sich unter Zwang fühlt, dass man jetzt ja dem Kunden helfen sollte. Mit diesem Druck kann man sich intensiv beschäftigen, um ihm anders begegnen zu können. Erst dann kann das Zuhören einer Geschichte von echtem Interesse geprägt werden. Interesse setzt Sicherheit voraus. Gerade in Gesprächsstillen geht diese vorloren. Ein Vorspielen von Interesse vermindert die führende Begleitung, die nonverbale Kommunikation ist nicht zu unterschätzten: der Kunde nimmt das wahr. Die generelle Aussage "ich habe ganz klar Interesse" trifft in Tat und Wahrheit während dem Gespräch auf diese moralische Art der Aussage gar nicht zu: man gönnt sich oft nicht die Musse für echtes Interesse, sobald man in eine Unsicherheit rutscht. Man muss ja vorwärts kommen, das erwartet der Kunde. Hierbei hilft in unseren Augen häufiges Selbstreflektieren.

    • Stille
      Stille kann im Gespräch peinlich werden. Man sucht dann verzweifelt nach Fragen, die man stellen könnte, um irgendwo etwas heraus zu hören, was zu einem möglichen Rahmen führt. Dabei passiert es einem, dass man einfach Ja/Nein Fragen stellt. Die erhoffte Zeit für neue Strategien geht dabei verloren. Die Antwort darauf ist meist kürzer als die Frage. Die Gesprächsführung kann dadurch verloren gehen. Der innere Drang und die Unsicherheit, wie es weiter gehen soll, werden zumindest vom Therapeuten gespürt. Den Kunden erzählen lassen, kann heissen, den Kunden zu fragen, wie er etwas erlebt hat, was etwas mit ihm gemacht hat, wie andere in seinem Umfeld darauf reagiert haben, usw.

    • Nacherzählen
      Begleitendes Führen kann heissen, dass man das, was man bislang im Gespräch verstanden hat, nochmals mit eigenen Worten nacherzählt. Damit wird im Gegenüber ein Interesse geweckt, dass man auch alles richtig verstanden hat. Die Kundschaft wird damit zum Zulieferanten von Information. Es wird ihm und ihr wichtig, dass man genau versteht, worum es geht.

    • Strukturen geben
      Die besprochenen Themen können immer in eine Struktur gebracht werden. Diese Arbeit kann z.B. auf dem Papier stattfinden: vielleicht sind da einige Ereignisse, die erzählt wurden. Die kann man stichwortartig auf einem Zettel mit Kreisen umrahmen und den Kunden in die Mitte zeichnen. "All das hat dazu also geführt, dass es dir heute so geht?" - Das Interesse des Kunden wird dabei wieder auf die Vollständigkeit gelenkt. Meistens folgen sehr schnell neue Punkte. Das Sichtbar-Machen schafft zusätzlich einen Rahmen, der die sogenannte "zusammenfassende Objektivität" bildet. Aus so einer Struktur kann dem Kunden etwas Neues klar werden oder auffallen.

    • Zeichnen lassen
      "Kannst du mir deine Sorgen malen?" - Selten kann die Kundschaft gut zeichnen, das spielt aber keine Rolle. Die bewegende Auseinandersetzung mit einer Sorge, einem Schmerz oder einer Situation kann neue Aspekte zum Vorschein bringen. Ist die Zeichnung fertig, folgt nur nachfragendes Feedback: "diese Stelle hier wirkt auf mich wie ein Ausweg - was meinst du?"

    • Begehbare Genogramme
      Kommt man im Gespräch nicht weiter, bieten Genogramme immer die Möglichkeit, den Kunden in Rahmen zu führen. Man kann seinen Arm anbieten, wenn ein Raum blind begangen werden soll, man kann Tipps geben, um mehr im Raum wahrzunehmen. Zum Beispiel: "wenn du hier in diesem Raum deinen Körper mal machen lässt: wohin zieht es dich?"

    Diese Liste würde wahrscheinlich sehr lang. Der Fantasie eines Therapeuten, einer Therapeutin sind keine Grenzen gesetzt. Das Führen soll als begleitendes Führen praktiziert werden. Stellen Sie sich vor, Sie selbst gehen in eine therapeutische Sitzung. Was würden Sie erwarten? - Man geht erst dahin, wenn man selbst nicht mehr weiter kommt. Man erhofft sich auf eine gewisse Weise eine Führung, damit man wieder selbst gehen kann. Diese Führung darf einem zusagen. Es ist also keine machtergreifende Führung, sondern eine, der Sie sich anvertrauen wollen. Sie wollen das Geschick eines Therapeuten nutzen, Ihre eigenen Wege wieder alleine gehen zu können. Das ist der Inbegriff therapeutischer Arbeit.



    Bulle

    Was ist Macht?

    Macht verbindet man gerne mit Gewalt und Aggression. Das stimmt sicher auch in vielen Bereichen, in denen wir Macht begegnen. In der Therapie hat diese Form der Macht keine Existenzberechtigung. Dennoch ist eine Form von Macht nötig, um zu führen. Hierzu möchten wir tiefer unten beginnen. Sagen wir, Sie haben Ihre Praxis. Da sind die Dinge drin, die Sie für Ihre Arbeit benötigen. Diese Dinge sind Ihr Besitz. Damit haben Sie eine gewisse Form von Macht über diese Dinge, die der Kunde nicht in Anspruch nehmen wird: Ihren Besitz. Dieser Besitzt darf Sie selbst zu Sicherheiten führen. Weiter haben Sie vielleicht Dinge vorbereitet, wie eine kleine Kaffee-Maschine, die bereit ist, dass Sie dem Kunden etwas anbieten können. Es mag nach "Dienen" klingen, dass man für das Wohl der Kunden auch auf leiblicher Ebene sorgt. Dieses Dienen führt aber nicht zu Bezeichnungen wie Kaffee-Taxi, sondern man fühlt sich in der Regel wohl damit, dass man es gut hat in der Praxis. Sie selbst als Therapeut haben durch die Kaffee-Maschine die Macht, genau dies zu tun: das Wohl des Kunden und Ihr eigenes zu steigern. Sie haben es in der Hand.
    Dienen auf dieser Ebene ist eine Form von Macht für Sie selbst. Haben Sie schon einmal über das Wort "Dienstleistung" nachgedacht? Das nennt sich im Griechischen "Therapie".
    Es können kleine Dinge sein, die das Gefühl, etwas in der Hand zu haben, in einem wecken kann. Sie haben es in der Hand, dass es Ihren Kunden gut geht. Fast unmerklich darf dieses Grundgefühl mit ins Gespräch einfliessen: nämlich als Dienstleister für das seelische Wohl des Kunden. Diese Macht zelebriert man natürlich nicht in einem Aufplustern, sondern indem man dem Kunden eine begleitende Führung im Gespräch anbietet. Das darf der Dienst sein, damit der Kunde seine eigenen Lösungen findet.









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