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Schamanismus Ausbildung und Kurse - Schamanenwissen und Ritualanleitungen


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Schamanische Reisen interpretieren und hinterfragen


Trubild SchafBilder des Tages können als Malkasten für schamanische Reisen verwendet werden.


Sagen wir, Sie planen einen Apéro mit Produktepräsentationen für Ihre Kundinnen und Kunden. Im Vorfeld beschleicht Sie ein ungutes Gefühl, ob der Anlass auch für alle ein schönes Erlebnis wird. Zur Inspiration streifen Sie am Veranstaltungsort umher. Sie finden Ruhe in entspannten Blicken auf Kuhherden, Schafe und Ziegen, die friedlich den Ort umgeben. Noch einige Telefonate und ein zwei Notizen, dann entscheiden Sie sich für eine schamanische Reise. Ihre Reiseabsicht: was kann ich tun, damit es allen wohl ist.


Schamanische Reise zum Ortsgeist

Die Reise zum Ortsgeist scheint eine sinnvolle Idee. Sie treffen sich im Rat der Geister und bitten Lehrer und Krafttier, sie zu begleiten. Die Mittelweltreise führt Sie in den kleinen Park, in welchem der Event stattfinden wird. Die Sonne lässt das Grün des gepflegten Rasens hell erstrahlen. Die Tische für den Apéro sind gedeckt. Alles steht bereit. Sie bitten Ihr Krafttier, den Ortsgeist zu finden. Bald steht ein Schaf vor Ihnen und schaut Sie leicht verwundert an. "Kann ich etwas tun, was meine Präsentation für alle angenehm machen wird?" Das Schaf nennt frisch geschnittene Blumen, die noch fehlen würden. Etwas Milchiges wäre auch nicht schlecht. Sie bedanken sich und kehren in den Rat zurück. Ihr Lehrer meint, Blumen seien immer schön. Ihr Krafttier meint, unter Umständen hatte das Schaf einfach Lust auf frische Kaublumen mit Milch.


Interpretation der schamanischen Reise

Die Notwendigkeit des Interpretierens einer Reise weist darauf hin, dass nicht alles geklärt werden konnte. Interpretieren heisst Vermutungen anstellen. Schnell gelangt man in den Glauben von tiefgreifenden Erkenntnissen aus der Reise: es könnte zum Beispiel dringend nötig sein, den ganzen Ort mit Blumen zu verzieren. Oder es braucht noch eine grosse Käseplatte, damit Milchprodukte da sind? Joghurt? Ein schöner Krug gefüllt mit Milch? Womöglich hatte Ihr Krafttier Recht und die Reise war nicht erfolgreich. Sie haben ein Schaf getroffen, das Lust auf frische Blumen mit Milch hatte. Schliesslich sah sein Bart ja auch so aus, als ob er in Milch getränkt sei.
Sie wenden sich an andere schamanisch Reisende und erzählen von der Reise. Die unterschiedlichsten Interpretationen könnten dabei heraus kommen. Es gibt einen Grundsatz: niemand kann eine Reise interpretieren, als man selbst. Die Interpretation soll dazu führen, eine Alltagstauglichkeit zu erreichen. Ein Problem bei den Vermutungen ist, dass man nur lösungsorientiert unterwegs ist. Man sucht eine Lösung und merkt vielleicht nicht, dass man zuvor schon falsch abgebogen ist. Also zurück zur Reise: Sie hinterfragen deren Aussagekraft.


Hinterfragen einer schamanischen Reise

Es kommt Ihnen in den Sinn, vor der Reise schon Schafe gesehen zu haben. Hat Sie Ihre Wahrnehmung getäuscht? Wenn das Schaf eine Einbildung war, dann sind Sie vielleicht gar nicht dem Ortsgeist begegnet? Das ist möglich, ja. Aber es gibt eine weitere Möglichkeit: unser Gehirn nimmt bei Dingen, die es nicht gleich zuordnen kann, sofort Bilder hervor, die passen. Der Ortsgeist könnte z.B. ein kleiner Zwerg in weissem Kleid gewesen sein. Sie sind ihm begegnet, als er gerade eine Kupfermünze im Rasen fand. Ist der Rat des weissen Zwerges deshalb falsch? Oder wären kleine Glücksbringer in Form von Kupfermünzen eine nette zusätzliche Überraschung?
Wenn unser Gehirn das Nächstliegenste für Unbekanntes nimmt, werden die Gefühle dieser Auswahl denen entsprechen, die Sie sich erhofften. Ein Schaf hat für Sie vielleicht etwas "Mildes". Manchmal drückt man mit einem Schaf aber auch Ratlosigkeit aus. Es ist also wichtig zu hinterfragen, was ein Schaf mit Ihnen in dieser Situation der Unsicherheit über den Apéro macht. Es zeigt einen selbst in dieser Situation. Vielleicht haben Sie die Reise nur unternommen, weil Sie sich nicht mehr weiter helfen konnten. Es fühlte sich für Sie wie eine Notsituation an. Alles soll perfekt sein für die Gäste. Diese Verantwortung nehmen Sie höher war, als dass Sie Vertrauen zum Personal des Caterings haben, obschon das geschulte Personen sind. Am Ende müssen Sie vielleicht sagen: es spielt keine Rolle, ob es zusätzlich Blumen da hat. Das wird nicht entscheidend sein. Entscheidend wird Ihre Stimmung sein. Was stimmt denn nicht mit dem Produkt, das Sie präsentieren möchten, dass Sie Ängste beflügeln? - Und wenn alles mit dem Produkt in Ordnung ist, wovor haben Sie Angst? - Vor den Menschen selbst?
Hier kann das Auftauchen des ruhigen Schafes Ihnen auch eine Wirkung vermitteln, statt eine Interpretation: es ist alles in Ordnung, widmen Sie sich Ihren Bedürfnissen. Diese können sein, den Menschen das Produkt voller Überzeugung zu präsentieren, so wie Sie es entwickelt haben. Sie haben es wahrscheinlich in Hingabe entwickelt. Diese Hingabe will gespürt werden. Sprich: Sie dürfen sich selbst sein. Wie das Schaf vielleicht mit Blumen und Milch sich selbst schauen möchte, können Sie auch für sich schauen. Sie haben Lust auf einen prickelnden Weisswein. Nur zu!



Milch

Krafttier Reisen - die Qualität von Krafttieren im Schamanismus


Schwan
Nicht nur die erste schamanische Reise führt zum Krafttier. Das Krafttier wird bei den meisten Reisenden zum ständigen Reise-Begleiter. Viele Menschen verspüren eine emotionale Nähe zu ihrem Krafttier. Vertrauen entsteht meist schon von Anfang an. Das erlaubt es einem, für Gefühle und persönliche Belange einen sehr nahen Ansprechpartner zu haben. Wie gestalten sich die Beziehungen zu Krafttieren auf schamanischen Reisen?


Die Beziehung zum Krafttier

Schamanismus schreibt nicht vor, wie die Beziehung zum Krafttier gestaltet werden soll. Den einen ist es einfach ein Begleiter auf Reisen. Es weiss über Örtlichkeiten Bescheid. Den anderen wird es Freund und Anlaufstelle auf emotionaler Ebene. Eine solche Beziehung kann sich sehr tiefgehend entwickeln. Ihre Qualität kann von einer hohen Authentizität erfüllt sein. Das Krafttier ist ein Wesen, zu welchem man in der Regel nur selbst Zugang hat: wie ein innerer Schatz. Das erlaubt selbst das Teilen von Geheimnissen. Ein Gefühl tiefster Vertrautheit kann sich entwickeln. Man muss dem Krafttier nichts vorgespielen. Es erhält die echten Gefühle, die einen plagen oder freuen. Seine Reaktion ist daher auch echter, als jede Reaktion, die von aussen kommen könnte.
Warum kann man sich dem Krafttier komplett öffnen? - Es liegt auf der Hand: das Krafttier ist keine Person im Aussen, sondern bleibt für immer ein ganz privates Wesen. Man muss keine Position beziehen, die dem Krafttier gefallen würde. Diese Eigenschaft ist vergleichbar mit Beziehungen von Menschen, die zu einem höheren Wesen beten und diesem ihre privaten Belange anvertrauen. Der Unterschied besteht darin, dass das Krafttier nicht allmächtig ist. Es ist ein ganz normales Wesen, das einen mit seinen Unzulänglichkeiten auf Augenhöhe begleitet. Es gibt keinen Druck von aussen, dass man z.B. beichten müsse oder es täglich zu verehren habe. Obendrein ist eine direkte Kommunikation möglich.
Natürlich gibt es auch Menschen, die sich ein möglichst kraftvolles Krafttier wünschen. Gerade bei Schamanismus Touristen wird der Stolz oft an der Grösse des Krafttiers fest gemacht. Damit entschwindet die private Ebene zum Teil. Sie erhält einen Bezug nach aussen und ist nicht mehr wirklich frei.



Reh

Krafttier-Bedeutungen

Wir gehen nicht auf die Bedeutung einer Tiergattung ein, um wertende Aussagen zu machen, weil wir das für Humbug halten. Die Bedeutung eines Krafttiers ist persönlicher Natur. In der Schweiz z.B. haben viele Menschen ein Krafttier, das mit Fell oder Federn bekleidet ist. Assoziationen von Wärme beim Fell und von freien Gedanken bei Federn liessen sich eher anstellen. Aber auch das ist spekulativ. Fische und Reptilien finden sich hierzulande eher selten. Es bleibt vielleicht die Frage, ob man sich ein Krafttier selbst aussucht oder ob es tatsächlich die wahrgenomme Form hat.
Ein wesentlicher Fehler beim schamanischen Reisen kann es sein, sich Dinge nicht aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Einige schamanisch Reisende verstehen sich auf den sogenannten Weltenwechsel. Ein grosser Büffel kann aus einer anderen Betrachtungsweise auf einmal als eine Maus auftauchen und immer noch dasselbe Wesen sein. Diese Relativierung eignet sich nur für bodenständigen Schamanismus. Die Gefahr des Weltenwechsels besteht darin, dass man sich nicht an bereits festgelegten Ordnungen halten kann. Das Leben bleibt weiterhin facettenreich. Es definiert sich gerne anhand aller Einflüsse, nicht nur eines einzelnen. Gerade auf den ersten Reisen sucht man natürlich Sicherheiten. Hat man ein klares Bild des Krafttieres, hält man daran fest. Der Wunsch nach einem starken Krafttier spielt gerne in die Wahrnehmung mit hinein. Dabei spielt es keine Rolle, welche Gattung ein Krafttier hat. Eine Rolle spielt, wie sich der persönlich Zugang zu dieser Tiergattung gestaltet. Ist eine Beziehung zum Beispiel zu einer Mücke für einen möglich oder nicht? Die Qualität, der Nutzen eines Krafttieres hängt in erster Linie davon ab, wie stark man sich persönlich auf es einlassen kann.


Emotionale Stärke

Emotionale Stärke empfinden wir nicht als Emotionslosigkeit, sondern als tiefes Beschäftigen mit den eigenen Gefühlen. Sagen wir, Sie erleben etwas Bedrückendes. Jemand macht zum Beispiel etwas, was gemäss Abmachung nicht in Frage gekommen wäre. Nun sind Sie in der Schuld, das zu äussern. Sie fühlen sich dadurch vielleicht unwohl, weil Sie nun zu reagieren haben. Eine erste Reaktion könnte Wut sein. Reagieren ist meist ein schneller Prozess. Das Krafttier kann als emotionaler Begleiter als ein Gegenüber auftreten, das die Reaktion erst einmal mit Ihnen zusammen überdenkt. "Sollen wir den Kopf einziehen und uns nicht wehren?" - "Ist es klug, jetzt aggressiv zu reagieren?". Unsere Erst-Reaktionen sind meistens unüberlegt und schaden zuweilen uns selbst. Das Gespräch mit dem Krafttier kann die Erst-Reaktion mit weiteren Reaktionsmöglichkeiten bereichern. Was wird geschehen, wenn man wütend reagiert, wie wird der andere darauf reagieren? - Das Krafttier kann sich im Gespräch um die persönliche Lebensqualität kümmern und diese spiegeln: welche Reaktion wird in der Folge zum besten Wohlfühlen führen?
Sich solchen und ähnlichen Interaktionen mit dem Krafttier zu widmen, kann die Möglichkeiten von Reaktionen schneller zum Vorschein bringen. Vielleicht kann man sagen: je intensiver man diese innere Zwiesprache abhält, je besser kann sich auch die Erst-Reaktion gestalten. Dieser Prozess schreitet besser voran, wenn man dabei auch von aussen begleitet wird. Die Schule für Schamanismus Therapie legt grossen Wert darauf, dass die Kommunikation frei von Dogmen und Einschränkungen bleibt.


Die Kraft des Krafttiers

Warum ist dieses persönliche Tier eigentlich ein Kraft-Tier? Im Englischen nennt man es das "Power-animal". Gibt es da eine Steckdose am Krafttier? - Nein, dann müsste es ja Energie-Tier heissen. Vielleicht ist in der Bezeichnung "Kraft" statt "Energie" erkennbar, dass Schamanismus in seiner eigentlichen Form ohne esoterisches Gedankengut auskommt. Das ist die Grundlage der Schamanenstube. Die Frage bleibt aber, was denn das für eine Kraft ist.
Sagen wir, Sie nehmen Ihr Krafttier als Wolf wahr. Mit der Technik des sogenannten Krafttier-Tanzes nehmen Sie diese Wolfskraft in sich auf und werden selbst zu einem Wolfswesen. Sie streifen durch die Wälder, spüren die tierische Muskelkraft in ihren Beinen. Sie beginnen zu laufen und rennen in hohem Tempo über den Waldboden. Sie atmen mit Wolfslungen, spüren das Wolfsblut durch Ihre Adern vibrieren. Das Erleben eines solchen Krafttiertanzes kann einen an ungeahnter Kraft teilhaben lassen. Damit ist in erster Linie Muskelkraft gemeint, gepaart mit Antrieb, Motivation und Lebenslust.



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Begleitende Führung und das Macht-Verhältnis


Laternen Licht
Es gibt in den Ausbildungen der Schamanenstube einen Schritt, der sich bei fast allen als schwierig erweist. Man hat sehr viel gelernt und weiss über die Gefühlslehre Bescheid. Das Schulziel des Experten für sich selbst ist erlangt und Sicherheiten sind geformt und werden gelebt. Wie kommt man nun vom Experten für sich selbst zu jemandem, der Gespräche führen und damit Menschen auf ihren Wegen behilflich sein kann?


Liebevolle Macht - Begleitung zum Finden

Man meint es ja gut mit seinen Kundinnen und Kunden. Wirkt man im Gespräch aber zu lieb und hofft auf den Goodwill des Kunden, eigene Unsicherheiten nicht zu bemerken, hat man die Zügel aus der Hand gegeben. Diese Zügel sind keine negativen Führungszügel, sondern dürfen Strukturen, Ziele und Möglichkeiten liefern. In der Schamanismus Therapie sagt man seiner Kundschaft nicht, was sie zu tun hat, sondern man begleitet sie in neue Felder, in denen sie sich selbst finden und entfalten. Dabei taucht eine sogenannte Meta-Ebene auf, die über dem Gespräch beim Therapeuten die Ziele im Auge behält. Schritt für Schritt steuert man diese an. Vielleicht merkt man, dass ein gewisses Feld in die Irre führt: dann lässt man diesen Rahmen fallen. Zur Führung aber braucht es immer ein Machtverhältnis. Nun ist es ja so, dass der Kunde und der Therapeut auf gleicher Augenhöhe, im gleichen Machtverhältnis zueinander stehen sollen. Das ist auch richtig so, denn gerade in der Schamanismus Therapie ist der "grosse Schamane" ein Gefahr für mittel- und langfristige Erfolge.
Das Machtverhältnis muss nicht gestört sein, wenn man ein therapeutisches Gespräch führt. Während der Schule wird bewusst gemacht, dass jedes Wort, jeder Satz einen Rahmen legt. Man gibt eine Ordnung vor. Genauso wie wir versuchen, Sie als Leserin und Leser durch diesen Text hier zu führen, führt man auch im Gespräch durch das Legen von Ordnungen.



Wege

Wie wird ein Gespräch zu einem geführten Gespräch?

Jeder Mensch übernimmt unbewusst die Macht in einem Gespräch. Das geschieht ganz subtil und ist nur menschlich. Es ist dahingegen für das Vermitteln des therapeutischen Lernens von Vorteil, wenn ein Kunde die Führung irgendwann übernimmt. Nur wie begleitet man ihn oder sie dahin? Wie führt man in einem Gespräch?

  • Interesse
    Man darf Interesse an den Erzählungen der Kunden haben. Das tönt simpel, ist es aber nicht, wenn man sich unter Zwang fühlt, dass man jetzt ja dem Kunden helfen sollte. Mit diesem Druck kann man sich intensiv beschäftigen, um ihm anders begegnen zu können. Erst dann kann das Zuhören einer Geschichte von echtem Interesse geprägt werden. Interesse setzt Sicherheit voraus. Gerade in Gesprächsstillen geht diese vorloren. Ein Vorspielen von Interesse vermindert die führende Begleitung, die nonverbale Kommunikation ist nicht zu unterschätzten: der Kunde nimmt das wahr. Die generelle Aussage "ich habe ganz klar Interesse" trifft in Tat und Wahrheit während dem Gespräch auf diese moralische Art der Aussage gar nicht zu: man gönnt sich oft nicht die Musse für echtes Interesse, sobald man in eine Unsicherheit rutscht. Man muss ja vorwärts kommen, das erwartet der Kunde. Hierbei hilft in unseren Augen häufiges Selbstreflektieren.

  • Stille
    Stille kann im Gespräch peinlich werden. Man sucht dann verzweifelt nach Fragen, die man stellen könnte, um irgendwo etwas heraus zu hören, was zu einem möglichen Rahmen führt. Dabei passiert es einem, dass man einfach Ja/Nein Fragen stellt. Die erhoffte Zeit für neue Strategien geht dabei verloren. Die Antwort darauf ist meist kürzer als die Frage. Die Gesprächsführung kann dadurch verloren gehen. Der innere Drang und die Unsicherheit, wie es weiter gehen soll, werden zumindest vom Therapeuten gespürt. Den Kunden erzählen lassen, kann heissen, den Kunden zu fragen, wie er etwas erlebt hat, was etwas mit ihm gemacht hat, wie andere in seinem Umfeld darauf reagiert haben, usw.

  • Nacherzählen
    Begleitendes Führen kann heissen, dass man das, was man bislang im Gespräch verstanden hat, nochmals mit eigenen Worten nacherzählt. Damit wird im Gegenüber ein Interesse geweckt, dass man auch alles richtig verstanden hat. Die Kundschaft wird damit zum Zulieferanten von Information. Es wird ihm und ihr wichtig, dass man genau versteht, worum es geht.

  • Strukturen geben
    Die besprochenen Themen können immer in eine Struktur gebracht werden. Diese Arbeit kann z.B. auf dem Papier stattfinden: vielleicht sind da einige Ereignisse, die erzählt wurden. Die kann man stichwortartig auf einem Zettel mit Kreisen umrahmen und den Kunden in die Mitte zeichnen. "All das hat dazu also geführt, dass es dir heute so geht?" - Das Interesse des Kunden wird dabei wieder auf die Vollständigkeit gelenkt. Meistens folgen sehr schnell neue Punkte. Das Sichtbar-Machen schafft zusätzlich einen Rahmen, der die sogenannte "zusammenfassende Objektivität" bildet. Aus so einer Struktur kann dem Kunden etwas Neues klar werden oder auffallen.

  • Zeichnen lassen
    "Kannst du mir deine Sorgen malen?" - Selten kann die Kundschaft gut zeichnen, das spielt aber keine Rolle. Die bewegende Auseinandersetzung mit einer Sorge, einem Schmerz oder einer Situation kann neue Aspekte zum Vorschein bringen. Ist die Zeichnung fertig, folgt nur nachfragendes Feedback: "diese Stelle hier wirkt auf mich wie ein Ausweg - was meinst du?"

  • Begehbare Genogramme
    Kommt man im Gespräch nicht weiter, bieten Genogramme immer die Möglichkeit, den Kunden in Rahmen zu führen. Man kann seinen Arm anbieten, wenn ein Raum blind begangen werden soll, man kann Tipps geben, um mehr im Raum wahrzunehmen. Zum Beispiel: "wenn du hier in diesem Raum deinen Körper mal machen lässt: wohin zieht es dich?"

Diese Liste würde wahrscheinlich sehr lang. Der Fantasie eines Therapeuten, einer Therapeutin sind keine Grenzen gesetzt. Das Führen soll als begleitendes Führen praktiziert werden. Stellen Sie sich vor, Sie selbst gehen in eine therapeutische Sitzung. Was würden Sie erwarten? - Man geht erst dahin, wenn man selbst nicht mehr weiter kommt. Man erhofft sich auf eine gewisse Weise eine Führung, damit man wieder selbst gehen kann. Diese Führung darf einem zusagen. Es ist also keine machtergreifende Führung, sondern eine, der Sie sich anvertrauen wollen. Sie wollen das Geschick eines Therapeuten nutzen, Ihre eigenen Wege wieder alleine gehen zu können. Das ist der Inbegriff therapeutischer Arbeit.



Bulle

Was ist Macht?

Macht verbindet man gerne mit Gewalt und Aggression. Das stimmt sicher auch in vielen Bereichen, in denen wir Macht begegnen. In der Therapie hat diese Form der Macht keine Existenzberechtigung. Dennoch ist eine Form von Macht nötig, um zu führen. Hierzu möchten wir tiefer unten beginnen. Sagen wir, Sie haben Ihre Praxis. Da sind die Dinge drin, die Sie für Ihre Arbeit benötigen. Diese Dinge sind Ihr Besitz. Damit haben Sie eine gewisse Form von Macht über diese Dinge, die der Kunde nicht in Anspruch nehmen wird: Ihren Besitz. Dieser Besitzt darf Sie selbst zu Sicherheiten führen. Weiter haben Sie vielleicht Dinge vorbereitet, wie eine kleine Kaffee-Maschine, die bereit ist, dass Sie dem Kunden etwas anbieten können. Es mag nach "Dienen" klingen, dass man für das Wohl der Kunden auch auf leiblicher Ebene sorgt. Dieses Dienen führt aber nicht zu Bezeichnungen wie Kaffee-Taxi, sondern man fühlt sich in der Regel wohl damit, dass man es gut hat in der Praxis. Sie selbst als Therapeut haben durch die Kaffee-Maschine die Macht, genau dies zu tun: das Wohl des Kunden und Ihr eigenes zu steigern. Sie haben es in der Hand.
Dienen auf dieser Ebene ist eine Form von Macht für Sie selbst. Haben Sie schon einmal über das Wort "Dienstleistung" nachgedacht? Das nennt sich im Griechischen "Therapie".
Es können kleine Dinge sein, die das Gefühl, etwas in der Hand zu haben, in einem wecken kann. Sie haben es in der Hand, dass es Ihren Kunden gut geht. Fast unmerklich darf dieses Grundgefühl mit ins Gespräch einfliessen: nämlich als Dienstleister für das seelische Wohl des Kunden. Diese Macht zelebriert man natürlich nicht in einem Aufplustern, sondern indem man dem Kunden eine begleitende Führung im Gespräch anbietet. Das darf der Dienst sein, damit der Kunde seine eigenen Lösungen findet.
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