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  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Der Plateau Effekt beschreibt eine Depression nach erreichten Erfolgen. Wie findet sich neue Motivation und Sinn in der Demotivation?

    Mar
    2017

    15


    Bieber BaumBeim Fahren über eine Thurbrücke mussten wir umdrehen und nachschauen, ob wir richtig gesehen hatten: ein sehr grosser Baum scheint die Begierde eines Biebers geweckt zu haben. So etwas sieht man nicht alle Tage. Wir nehmen dieses Foto als bildliche Untermalung des Themas: der Prozess der Motivation.


    Grosse Motivationen

    Wir denken, es ist etwas Wunderbares, wenn man etwas wirklich will. Es gibt eine Motivation aus dem Inneren, wenn man etwas gefunden hat, das man unbedingt erreichen oder auch haben will. Meistens im Leben haben wir aber gar nichts, was wir wirklich wollen. Es gibt den sogenannten Plateau-Effekt: man hat die Dinge, die man zum Leben braucht, einige Zusätze hat man sich angeschafft, die man wirklich wollte. Die Motivation weicht beim Erhalten des Gewünschten der Freude. Danach wird das Neue zum Alltag.
    Auf diesem Plateau wieder zu neuer Motivation zu kommen, gestaltet sich oft schwierig. Man ist ja eigentlich wunschlos glücklich, oder?
    Die grosse Motivation hinter dem Wollen beginnt an einem anderen Punkt: beim Bedürfnis. Das weiss natürlich auch die Werbeindustrie. Gibt es keine grossen Bedürfnisse, muss man sie wohl wecken. Aber ist Motivation anstrebenswert?


    Der Wert der Motivation

    Motivation heisst Bewegung. Die Schamanismus Therapie spricht in der Gefühlslehre von Gefühlsbewegungen. Jedes Gefühl bewegt sich anders und besitzt mehrere Bewegungsarten. Alles, was sich bewegt, ist lebendig: sei es die Freude, die Wut oder der Enthusiasmus. Etwas ohne Bewegung nennen wir Stillstand. Motivation ist als Antrieb der Gefühle von der Qualität der bewegten Gefühle abhängig. Die bewegte Wut wird eher angriffslustig und kann sich z.B. in Richtung Aggression bewegen. Eine bewegte Freude trifft früher oder später auf die Überraschung und wird emotional stark berührt.
    Jede Bewegung hat eine Richtung. Die Richtung der Motivation können wir Sinn nennen. Erkennt man einen Sinn, wird dieser sehr wichtig und bringt uns in Bewegung. Könnte man ähnlich der alltagsuntauglichen Aussage "der Weg ist das Ziel", bei diesem Thema vielleicht sagen: "Bewegung ist der Sinn des Lebens"? - Zumindest tönt das schön.
    Beim Plateau-Effekt scheinen Gefühle teilweise eingeschlafen und nicht mehr aufzuwecken. Einer der Gründe dafür ist, dass man keinen Sinn hinter neuen Errungenschaften sieht. Was man hat, ist gut. Der Schritt von Plateau direkt in die Motivation ist zu gross. Es braucht vielleicht Einzelschritte?



    Arbeit des Biebers

    Aus der Demotivation des Plateaus in die sinnerfüllte Motivation

    Der Plateau-Effekt tritt gerne einige Zeit nach Erreichen eines Zieles ein. Man hat viel auf dem Weg zu diesem Ziel geleistet und gegeben. Die Ruhe scheint verdient. Doch die Phase der Ruhe geht manchmal sehr lange, was zu ausgewachsenen Depressionen führen kann. Nichts spricht einen wirklich an, nichts macht echte Freude und von Begeisterung ist man weit weg.
    Es gibt zwei Bereiche der Geistwelt, da Stillstand besonders gut möglich ist: Hoffnung und Traurigkeit. Wird Hoffnung bewegt, kann sie zur Hingabe mutieren. Wird Traurigkeit bewegt, kann sie zur Wehmut aufbrechen.
    Wenn man etwas erreicht hat, darf das Erreichte als neue Sicherheit empfunden werden. Diese Sicherheit gepaart mit Traurigkeit kann neuen Schwung mit einer Aktion verliehen werden: dem Helfen. Helfen ohne Helferkomplex, sprich ohne Dank zu erhalten, fördert den eigenen Stolz auf wertvolle Weise. Das Erreichte wird genutzt, um anderes zu bewegen. Innere Bewegung wird erst zu äusserer Bewegung. In dieser äusseren Bewegung finden sich neue Bedürfnisse. Ob dies eigene oder fremde sind, spielt noch keine Rolle. Es fällt uns zuweilen sogar einfacher, fremde Bedürfnisse zu erfüllen. Das äussere Bewegen ist Bewegung. Das Lustige ist, dass Bewegung wieder zu Sinn führen kann. Motivation findet Sinn durch Bewegung von Gefühlen. Das Prinzip der Wirkung vor der Ursache findet hier ein Paradebeispiel.

    Wirkung vor Ursache - die Schamanismus Zeitung




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Das Hochgefühl des Glücks: die Verankerung des Glückszustandes im Glücksbuch. Man sichert sich die eigene Freiheit, den Besitz und die Selbstdefinition

    Mar
    2017

    02


    AutoprüfungEs gibt ein paar wenige Momente im Leben, in welchem wir ultimativ glücklich sind. Mehr geht nicht als dieser Zustand des Hochgefühls. Seit über einem Jahr begleitet die Stube jemanden, das Autofahren zu lernen. Letzte Woche fand die Führerscheinprüfung statt. Sie wurde bestanden. Was für ein Moment für die frisch gebackene Autofahrerin. Riesiges Glück stellte sich bei ihr ein. Das möchten wir als Anlass nehmen, diese seltenen Momente ultimativen Glücksgefühls anzuschauen. Wir wollen direkt in das Gefühl hinein, nicht in die Wertung "glücklich", die man sich von aussen attestieren kann.


    Wie fühlt sich Glück an?

    Versuchen wir, dieses Glücksgefühl zu beschreiben. Wir listen seine Eigenschaften und lassen uns dabei von dem Gedanken leiten, ob etwas zu diesem Zustand führt oder ein Folgegedanke darstellt. Wir orientieren uns am Erleben beim Bestehen der Fahrprüfung. Es könnte sich auch um einen Lottogewinn handeln.

    • Selbstwert
      Aus tiefer innerer Überzeugung heraus weiss man, man ist mehr wert, als man dachte. Das ist nicht ein Vergleich mit anderen, sondern mit sich selbst. Es war ein Irrtum zu glauben, man sei weniger wert. Diese Überzeugung kann lange andauern. Besonders, wenn man es schriftlich hat, wie einen Führerausweis.

    • Besitz
      Das ausserordentliche Glücksgefühl paart sich mit einem Besitzgefühl. Nicht dass man den Führerschein hat oder sein Auto, sondern dass man sein Leben völlig neu in Besitz nimmt. Man hat die Zukunft in der Hand.

    • Selbstdefinition
      Lebensveränderndes führt zu einer neuen Selbstdefinition, die im Moment des Glücklichseins sehr stark spürbar ist. Greifbar spürt man eine neue Zukunft. Bei der Führerprüfung: ich darf jetzt fahren wohin ich will. Neue Möglichkeiten tun sich auf. Eine fast grenzenlose Freiheit wird gespürt, die es einem erlaubt, sich selbst darin zu definieren. Man ist wer.

    • Freiheit
      Die empfundene Freiheit holt alle Selbstkompetenzen ans Licht. Man spürt sich selbst sehr klar in der neuen Zukunft. Das Neue ist da, als ob man durch eine Tür geht und in der Zukunft ankommt. Jetzt wird alles anders, es wird viel besser werden und viel einfacher.

    • Bestätigung
      Das mühevolle Lernen hat sich gelohnt. Man hat etwas Grosses gelernt und das wird bestätigt. Man ist es wert.

    • Alles ist schön
      Im Moment des Hochgefühls ist alles schön und man mag jeden. Sogar den Prüfer mag man, obwohl er stumm auf dem Beifahrersitz sass und sich nicht anmerken liess, wie es steht.


    Ist dieser Glückszustand produzierbar?

    Wie schon angedeutet, wird dieser Zustand des Hochgefühls Glück nur wenige Male im Leben verspürt. Man erinnert sich auch an diese Male. Solche Momente können vielleicht sein: die bestandene Führerprüfung, die Geburt eines Kindes, das Bestehen ander grosser Prüfungen, ein Lottogewinn, die Bestätigung einer grossen Liebe, eine Aufnahme in eine für einen wichtige Vereinigung, die Zusage zu einem Traumjob. Über solche Momente verfügen wir leider nicht in grosser Anzahl. Die Reproduktion eines solchen Moments ist also eher schwierig.
    Es gibt aber etwas, was zu kürzer anhaltenden Glücksmomenten führen kann: die Bereitschaft für das Glück. Dabei wird das Glück nicht gefordert, sondern man versucht, sich auf Wegen zu bewegen, die Glück ermöglichen. Man hofft nicht auf das Glück, sondern bewegt sich. Das kann heissen, dass man z.B. an Treffen geht, die man auch absagen könnte. Dahinter steht ein Prozessgedanke. Viele Dinge wollen unbewusst "werden" und sind nicht einfach da. Unsere Zickzack-Wege durchs Leben sind nicht geradlinig, sie schlängeln auf Veränderungen zu. In sich kann man dabei eine Zuversicht tragen: es wird schon für etwas gut sein.



    Buch des Glücks

    Verankerung des Glücks im Glücksbuch

    Die Momente dieses seltenen Hochgefühls führen zur Bildung eines neuen Seelenteils. Wie fast alle Seelenteile hängen sich die Glücksmomente an Örtlichkeiten. So kann bei der Autoprüfung der Warteplatz Nummer 3, mit der braunen Säule daneben, ein Ort sein, der sich im Innern als Bild festsetzt. Die Ordnung dort ist normalerweise kein Hochgefühl, aber bei der Bekanntmachung der bestandenen Prüfung wird die Ordnung des Warteplatzes zum Gefäss des Glücks. Gerade bei der Autoprüfung gibt es weitere Örtlichkeiten, in welchen Unabhängigkeit, neues Leben und der Selbstwert gefeiert wird. Das erste Mal Parkieren am Arbeitsplatz, der erste Einkauf, das erste Mal sich zu verfahren.
    Heute ist es einfach, sich diese Ordnungen zu bewahren: man macht mit dem Handy ein Foto. Das ist kein preisverdächtiges Foto mit schönen Sachen drauf, aber es zeigt dem Unterbewusstsein den Wert des eigenen Seins. Diese Fotos können ein kleines Glücksbüchlein werden. Ein schöner Einband, ein paar Fotos drin und schon kann das Glücksbuch ab und an wieder hervorgeholt werden.




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Depressionen des Frühlings: das Erwachen einer unsicheren Zukunft. Der Wandel von Winter in Frühling kommt für viele unerwartet. Was kann man dagegen machen?

    Mar
    2017

    01


    Enten ErwachenStatistiken zeigen, die Selbstmordrate ist vor und während des Frühlings am höchsten. Warum ist das so? Gibt es Erklärungen für die emotionalen Zustände in dieser Jahreszeit, die Menschen schon seit jeher niedergeschlagen und depressiv machen? Neben hormonellen Geschichten scheint die Abweichung der Statistik nicht schlüssig erklärbar. Die Schamanenstube möchte diesem Phänomen nachgehen und einige Gedanken dazu teilen.


    Mögliche Ursache: Planungen und Vorbereitungen

    Wir Menschen planen fast ständig. Am liebsten haben wir eine Kaffeemaschine, die morgens schon aufgewärmt darauf wartet, dass wir sie nur noch lieb drücken. Die korrekte Kleidung für das Meeting haben wir gestern schon bereit gelegt. Alle Unterlagen liegen so drapiert auf der Anrichte, dass wir nicht umhin kommen, sie mitzunehmen, wenn mir die Autoschlüssel greifen. Vor der Vorbereitung steht die Planung. Wir planen mit unseren Handy-Minicomputern, was wir wann tun müssen, wann wir wen treffen werden. Planen kann heissen, Reue zu vermeiden. Sich vorzubereiten kann heissen, Sicherheiten für die nähere oder fernere Zukunft zu bauen. Das funktioniert recht gut. Wir sind uns das Planen und Vorbereiten gewöhnt.
    Die Quizfrage lautet nun: wie bereitet man sich auf den Frühling vor? Was bringt dieses undefinierte Ding names Frühling für Bedrohungen? Wir haben den natürlichen Prozess des Welkens der Natur im Herbst erlebt, sind tief eingeschneit in den Winter gerutscht und haben das alles für ganz normal betrachtet. Dieser nun folgende Wechsel passt nicht. Es geht nicht weiter runter. Neues wird entstehen. Damit kommen wir nicht klar. Daran sind wir nicht gewöhnt.




    Schnee und Wiese

    Der Frühling bringt Unsicherheit

    Die Isolation und erzeugte Wärme im Winter liefert uns viel emotionale Sicherheit auf überschaubarem Raum. Man besucht vielleicht Menschen über die Weihnachtstage und kommt wieder in sein warmes Heim zurück. Ganz langsam und lieber einfach im Vorbeigehen dreht man gegen Frühling die Heizung etwas zurück. Am Drehknopf kommt das Gefühl auf: werde ich noch warm genug haben? - Schneller als man es erwartet hat, wie ein Faustschlag ins Gesicht, spricht man über extrem kuriose Tage im Februar: mit 19 Grad Celsius haut einem die Natur die Zukunft schon um die Ohren. Man kann sich noch dagegen mit Rechtfertigung und Zweifel wehren. "Unglaublich so ein warmer Tag mitten im Winter, nicht?"
    Wovor fürchten wir uns? - Wir fürchten uns in jeder Hinsicht vor Veränderungen. Der noch mit gefrorenem Schnee überzogene Erdboden zeigt beim Auftauen ein Grün. Sollte nicht all das Gras verwelkt sein? Man erwartet ein Braun, vielleicht ein Gelb, aber sicher kein Grün. Was soll das? Die Natur scheint sich gegen einen zu verschwören. Der Frühling darf doch nicht so schnell kommen. Denn wir sind nicht vorbereitet. Wir haben keinen Plan. Wir sind schlichtweg nicht bereit. Die Welt dreht sich gerade zu schnell. Mitkommen ist emotional gar nicht machbar.
    Wir benötigen eine gewisse Zeit, uns an neue Dinge zu gewöhnen. Besonders bei positiver Veränderung wie der Wärme durch die Sonne, haben wir Probleme. Wenn noch nichts geplant ist oder man die Probleme durch den Winter durchgefüttert hat, ist es zu früh für eine weitere Zukunft. Das kann fatale Auswirkungen haben. Vielleicht dürfen wir ein paar Ideen anbringen:


    Ideen gegen die Frühlings-Depression

    Wir entmystifizieren Sie jetzt: die Frühlingsmüdigkeit ist ein Mythos. Suchen Sie mal nach Übersetzungen der Frühlingsmüdigkeit in andere Sprachen. Wer hat sie erfunden?
    Suchen wir nach anderen Wegen, dem drohenden Leben zu begegnen:

    • Frühjahrsputz
      Der Frühjahrsputz ist der Klassiker. Man kehrt den Winter raus. Man produziert ja auch wirklich Staub im Überfluss während des Winters. Innerlich kann sich beim Putzen (nicht etwa beim Planen des Putzens) eine Stimmung formen: man kehrt den Dreck raus. Auf einmal ist Platz für neue Ideen, einfach indem alles wieder geputzt ist. Das kann sich anfühlen, als ob ein neues Leben beginnt.

    • Vertrauen auf den Antrieb
      Passiv sein können wir gut, wenn Negatives passiert: als Opfer. Bei der Wiederkehr der Sonne vertrauen wir aber nicht auf den kommenden Antrieb. Es wurde jedes Jahr zwar gut, aber dieses Jahr sicher nicht. - Natürlich werden auch wir wieder einen tollen Sommer erleben, selbst wenn es nur einige Tage sein sollten. Es wird reichen. Vielleicht brauchen wir dieses Mal etwas länger die Verwöhnung durch Sonnenstrahlen. Na und? - Geniessen wir unsere Langsamkeit und werden Opfer des Glücks.

    • Zuversicht
      Die Natur macht es vor und wird uns mit dem Frühling mit verändern. Erst ist es kaum merklich doch irgendwann erinnern wir uns nur noch an die düsteren Zeiten des Winterwechsels. Neues wächst, Neues kommt auf einen zu. Blumen, Blüten, Farben und fröhliches Gezwitscher der Vögel werden uns bald begleiten. Das ist unweigerlich. Das kommt alles gut. Besser sogar, wenn man sich dem Prozess der Natur hingibt und sie auf einen einwirken lässt.

    • Betrügen des Frühjahrs
      Wer den Luxus hat, nicht an Schulferien gebunden zu sein, um mit anderen Arm an Arm am Strand zu liegen, kann sich einen kleinen Ausflug gönnen. An einem verlängerten Wochenende in die Sonne fliegen und wieder zurückkommen kann schockieren: man hat den Wechsel in den Frühling komplett vollzogen. Es war alles nur Schall und Rauch.




  • schreibt über Schamanismus-Therapie

    Die Entscheidungskompetenz des Gewissens. Kann das Gewissen lernen mit Sorgen, Problemen und Ängsten in einer anderen Ordnung umzugehen? - Die Gewissenslosigkeit?

    Feb
    2017

    16


    Regenbogen Erosion
    Es ist Mitte Februar. In den Morgenstunden singen schon die Vögel wieder. Die Luft erscheint wieder ein Stück klarer und erfrischt beim Atmen. Erste Sonnenstrahlen kündigen von lebensfrohen Tagen. Manch einer ertappt sich dabei, in Ferienträumen zu schwelgen. Bilder tauchen auf: eine Kräutertour im Piemont, mit dem Klappsessel an einem lauschigen Plätzchen schreiben, ein kühles Glas Weisswein mit Blick über ruhig fliessende Hügel, in Rom auf Fotosafari gehen...


    Was wäre, wenn eigentlich alles in Ordnung wäre?

    Jeder Mensch hat seine Sorgen, Probleme, Lasten und Ängste. Was, wenn das in Ordnung wäre? - Es ist die Natur unseres Gehirns, sich Bedrohungen auszumalen, sich den Stress aufzuladen, ständig etwas tun zu müssen. Das sind wir uns heute gewohnt. Es liegt ebenso in der Natur unseres Gehirns, permanent zu werten: besonders hilfsbereite Menschen hat man gerne, solange sie nicht selbst Hilfe benötigen. Die Schuld, ihnen zu helfen, läge zu hoch oder man kommt nicht mit der Umkehrrichtung der Hilfe klar. Da ginge ja Sicherheit verloren.
    Es kann die Natur von jemandem sein, sich durch seine Stellung als wichtig zu definieren, weil er sonst nicht wüsste, woher er Stolz bekommen soll. Oder jemand kann sich weit unter seiner Würde bewegen, wenn er im Moment keinen anderen Ausweg mehr sieht. Ist das alles in Ordnung?

    Die Frage, ob alles in Ordnung ist, richtet sich an unser Gewissen. Der Mechanismus des Bewertens mit gut und schlecht verläuft aus schamanischer Betrachtung von der Wahrnehmung her direkt über das Gewissen. Der Fluss der Wahrnehmung erhält beim Durchfluss durch den See des Gewissens die Qualität der Gerechtigkeit. Bekannte Werte werden verglichen und die Wertung "gut-schlecht" findet statt. Das Gewissen ist unbewusstes Wissen. Es hat seine gelernten Bahnen und kann deshalb schnell entscheiden. Es wertet. Das tut es so schnell, dass wir mit Nachdenken nie seine Geschwindigkeit erlangen würden. Die erste Reaktion ist unbewusst.
    Ist nun alles in Ordnung? - Die erste Reaktion sagt nein. Aber die erste Reaktion bedient sich des Gewissens. Und dieses Gewissen haben wir selbst geformt und von aussen formen lassen. Beinhaltet es die ultimative Wahrheit? - Ganz sicher nicht. Man kann in der Schweiz an eine Kuhweide stehen und liebevoll den Kühen die Zunge rausstecken und vor ihnen in einem langen Monolog lieb säuselnd über dumme Kühe referieren. In Indien täte man das nicht. Dort ist das Gewissen anders geformt. Das allgemeine Wissen, das wir uns einverleiben (altdeutsch Gewissen) ist wandelbar. Insofern bietet es nicht auf alle Fragen eine zuverlässige Reaktion.



    BierDas Gewissen läuft autonom. Eigentlich könnte man sich zurücklehnen und ein Bier trinken...


    Entscheidungskompetenz des Gewissens

    Wenn wir uns für einmal getrauen, die Entscheidungskompetenz unseres Gewissens in Frage zu stellen, hat das weitreichende Folgen. All die Menschen, die einem fallen lassen, sobald man selbst ein Problem hat, kann man auf einmal nicht mehr abwerten. Man könnte sie sogar dafür schätzen. Denn diejenigen, die sich abgewendet haben, sind ihrem Naturell gefolgt. Man könnte Menschen, die sich in Unschuld baden und sich heraus stellen, nicht mehr abwerten, denn sie tun es ja nur, weil sie damit besser klar kommen.
    Denken wir für einen kurzen Moment ausserhalb des Gewissens, stellt sich eine Wärme auch zu denen ein, die man nicht mag. Mehr noch: man schafft es damit, in eine Art Superposition zu kommen. Man kann alles mit komplett anderen Augen betrachten. Und es gibt aus der Erkenntnis, dass alle ja nur versuchen, klar zu kommen, eine Umgewichtung bei einem selbst: "auch ich sollte schauen, dass es mir gut geht". So wird die Fähigkeit des Geniessens z.B. zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens.
    Das erinnert ein wenig an die alten Griechen. Ist jemand gestorben, haben sie nicht gefragt, ob er oder sie ein guter Mensch war. Sie fragten, ob dieser Mensch Leidenschaft gekannt hat.


    Gewissenslosigkeit

    Der Sinn des Gewissens ist es, dass wir unbewusst rasch richtig reagieren können. Ob wir aber alles richtig gelernt haben und im Gewissen so abgelegt haben, dass es auch gut funktioniert, darf bezweifelt werden. Ausschalten kann man das Gewissen nicht. Aber man kann es umformen, relativieren, es Neues lernen lassen. Ein Kursleiter der Schamanenstube erinnert sich, in der Primarschule ein Experiment mit sich selbst angestellt zu haben. Er stellte sich die Frage: "warum muss man emotional so reagieren, wie alle anderen es erwarten?" - So lachte er, als der Primarlehrer eine traurige Geschichte erzählte. Die Folge war eine Einladung der Eltern zur Klärung, was dem mit dem Bub nicht stimme. :-) Damals schon en Zagge ab.
    Die Gewissenslosigkeit funktioniert natürlich nicht. Aber zusätzlich zur normalen Reaktion aus dem Gewissen heraus kann man sich die Freiheit gönnen, die Reaktionen des Gewissens zu beobachten. Man wertet meistens wie alle anderen. Ist einem das bewusst, kann man sich eine zusätzliche Ebene gönnen. Diese Ebene schaut über das Gewissen hinweg und kann gänzlich andere Gedanken haben, als die vorgefertigten Bahnen des Gewissens. Die daraus entstehende Freiheit kann zu Ideen führen, die viele Probleme viel einfacher lösen lassen.
    Können Sie das?


    Wie lernt das Gewissen?

    Das Gewissen ist nicht nur aktiv bei der Wahrnehmung und wertet sofort, es lernt auch. Dieses Lernen findet erst nach einer Aktion statt. Es braucht eine Wertung über die getätigte Aktion, die zu einer neuen Ordnung im Gewissen führt. Sagt man zum Beispiel etwas vor Menschen und die Reaktion der Anwesenden ist negativ, wird man dieses Thema nicht weiter vertiefen. Erhält man Zustimming durch vielleicht ein Nicken, wird die Wertung als positives Verhaltensmuster abgelegt und das Thema unbewusst aufgewertet. Das Gewissen kann also umlernen. Besonders schnell läuft das in der Bewegungswahrnehmung. Kleinste Bewegungen in den anwesenden Gesichtern können das Gewissen für dieses System sofort umschreiben.










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