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Schamanenstube schreibt über Schamanismus-Therapie

Auswege aus der Feigheit in der Gefühlslehre: wie die Gefühle Angst und Scham unbewusst den Selbstwert herabsetzen und der Ausweg aus der Feigheit mit der Reue

Jan
2017

23


Regel-Geister
Haben Sie viele Dinge aus Angst und Scham nicht gemacht, die Sie gerne gemacht hätten? - Keine Sorge, es besteht keine Antwortpflicht hier :-). Warum haben wir Menschen Angst vor der Scham?
Nehmen wir ein Beispiel. Ihre Chefs sind mit einem Problem beschäftigt und haben nur unbefriedigende Lösungen. Es geht um die Platzierung eines Getränkeautomaten. Sie haben eine Idee, die alle besprochenen Probleme lösen könnte. In der Sitzung sind Sie anwesend und getrauen sich wegen des intensiven Gesprächs nicht, von Ihrer Idee zu erzählen. Sie merken, wie einige am Tisch sich schon auf eine Kompromiss-Lösung eingeschworen haben und diese bereits rechtfertigen. Jetzt noch etwas anderes einbringen? - Irgendwie merken Sie, es ist zu spät. Das Nennen Ihrer Lösung könnte sogar zu Missstimmungen führen. Also schweigen sie. Die anderen könnten Sie angreifen, wenn Sie die Lösung bringen würden, denn das ginge mittlerweile gegen deren Stolz. Ihre Lösung beinhaltet obendrein einen ungewissen Punkt über die Sonneneinstrahlung, der in Ihnen einen Zweifel aufbringt. Würde man entdecken, dass Sie diesen einen Punkt nicht begriffen haben, müssten Sie sich schämen. Sie haben bei diesem Thema nicht richtig zugehört. Das Wagnis, dennoch von Ihrer Idee zu erzählen, wird damit zu hoch: Sie könnten riskieren, dass man Sie als "doof" anschauen würde. Feige stimmen Sie in den lobenden Chor ein, der die schlechtere Idee gerade rechtfertigt. Schliesslich wollen Sie dazu gehören und nicht negativ auffallen.


Gefühlslehre Feigheit

Man kann das Wort Feigheit als Wertung betrachten. Hier verhält sich ähnlich der Würde. Man kann jedoch von einem feigen Gefühl sprechen. Die Gefühlslehre nennt es ein Misch-Gefühl aus Angst und Scham zu gleicher Zeit. Gerade im sozialen Bezug im Sinne des Strebens nach Zugehörigkeit ist die Angst vor der Scham als eine Ursache der Feigheit zu nennen. Damit ist die Angst vor den Bedrohungen gemeint, sich zu blamieren, sich bloss zu stellen oder etwas falsch zu machen. Mögliche Reaktionen der Feigheit finden sich in der Flucht, Verdrängung, Unschuld, Rechtfertigung durch Zweifel, Schuld, Abwertung, Mut oder Egalität (Abwertung der Bedrohung).


Reagieren in Feigheit

Eine oft typische Reaktion ist die Flucht. Diese Flucht würde die Feigheit bestätigen, fände man nicht Halt in Rechtfertigungen und in echten oder künstlichen Zweifeln. "Es ist nicht klug, es zu tun...", "Es ist gefährlich...", "Es könnte Nachteile haben..."
Die Lüge ist einer der besten Freunde des Zweifels und der Rechtfertigung. Als Reaktion auf die Feigheit erfinden wir gerne Ausreden, warum wir etwas nicht getan haben. Die Ausreden verhindern das Geständnis, dass man feige war. Notfalls stellen wir uns doof, als ob wir nicht richtig kapiert hätten, worum es geht, respektive was man hätte tun können. Die gespielte Überraschung bei Sätzen: "Wieso hast du deine Idee nicht einfach präsentiert?" wirkt auch für einen selbst echt. Das ist deshlab für einen selbst echt, weil grosse Teile dieses Ausweichmanövers unbewusst laufen. Wir können also authentisch überrascht sein, obschon wir vorher bescheid wussten. Das ist der Weg in echte Unschuld durch momentan echtes Vergessen. Auch da empfinden wir als "fein raus".
Ist offenkundig, was man aus Feigheit nicht getan hat auf der Hand, lässt sich die Feigheit in der Folge auch verdrängen. Mit Vermeidungen versucht man z.B., das Gesprächs-Thema auf etwas anderes zu lenken, wenn es nur schon in die Nähe eines möglichen erneuten Erkennens geht, dass man feige gewesen ist. Es entwickelt sich daraus ein hohes Mass an unbewusster Vorsicht, die wach und bereit ist, alle Themen umzulenken. Wie gesagt, das kann eine unbewusste Vorsicht sein, die einen leitet.


Spätfolgen der Feigheit

Nach der Feigheit müssen wir uns an die gewählten Reaktion halten. Sonst würden wir später riskieren, uns zu blamieren. Die Scham will nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig vermieden werden. Das tun wir wieder wegen unseres Dranges der Zugehörigkeit.

· unbewusste Vorsicht

Die unbewusste Vorsicht existiert aufgrund von Vermeidungsstrategien. Das sind Ordnungen, denen wir blindlings folgen (so viel zum freien Willen übrigens). Dabei gibt es ein Zusammenspiel mit der Angst: jede Vermeidung hat als eine Art Wächter ein Angstgefühl. Dieses verhindert durch emotionale Verdeutlichung durch Angst, dass man etwas nicht tun sollte. Die Geistwelt wird durch Vermeidungen umgeformt. Vermeidungen sind gelerntes Verhalten. Das kann ganze Täler in der Geistwelt formen, die einen immer in dieselbe Richtung lenken. Hat man viele Vorsichten platziert, kann man mehr und mehr ängstlich werden. Man weicht vor vielen Dingen der Welt aus oder verschliesst sich nach und nach.

· Unschuld

Die Unschuld ist ein Wort, das erst einmal nach Reinheit tönt. In der Gefühlslehre der Schamanismus Therapie ist sie das aber gänzlich nicht. Sie wird durch das Vergessen produziert: man vergisst Dinge, die man gemacht hat. Damit fühlt man sich in der Tat "unschuldig". Das Problem dabei liegt im Unterbewusstsein: etwas bleibt eben doch hängen. Auch hier sind stete Vermeidungen gerne die Folge.

· Verminderung des Selbstwertes

Die Vermeidungen haben neben der Angst ein weiteres Mittel, auf sich aufmerksam zu machen. Bei der Feigheit kann die Scham ebenso in den Ausweich-Reaktionen wirken und uns lenken. Mit der Zeit verblassen zwar unsere Vermeidungs-Erinnerungen. Doch das führt selten zu einem Abbau der Vermeidung, sondern zu einer Ausdehnung. Als Spätfolge beim Beispiel des Getränkeautomaten weichen Sie vielleicht diesem Automaten künftig unbewusst aus. Eine weitere Ausdehnung kann vielleicht dahin gehen, dass Sie sich Ihren geliebten Orangensaft, den es auch im Automaten geben würde, nicht mehr gönnen - auch ausserhalb der Firma. Die Ausdehnung der Vermeidung durch Feigheit kann viele Lebensbereiche tangieren, in welchen Sie sich Dinge unbewusst verbieten. Die Ursache dafür in nach Jahren nicht mehr eruierbar, auch nicht in schamanischen Reisen. Klar ist nur, dass Sie sich gewisse Dinge nicht mehr gönnen wollen. Diese aktive Abwertung führt zu einer Verminderung des Selbstwertes in verschiedenen Bereichen Ihres Lebens. Wenn wir es weniger drastisch formulieren und den Orangensaft weglassen, so getrauen Sie sich vielleicht immer weniger, Ihre Ideen auszusprechen und irgendwann auch, überhaupt Ideen zu haben.


Es gibt bestimmt noch weitere Spätfolgen der Feigheit. Die meisten Bedrohungen hinter der Angst vor der Scham sind wie immer selbst produziert und künstlich. Führt die Feigheit bis zur Verminderung des Selbstwertes und Verhinderung des Ideenreichtums könnte man über dieses Gefühl sagen: "Feigheit macht dumm".



Feigheit Angst und Scham

Ursachen der Feigheit

Wie schon angedeutet, steht hinter der Feigheit die Angst des Verlustes der Zugehörigkeit. Man müsste sich schämen, wenn man versagen würde oder etwas von sich gäbe, das zu Gelächter führen könnte. Die Angst vor der Scham wird von der Scheu begleitet. Diese ist aber nicht direkt ursächlich, sondern von früherem Erleben der Feigheit geprägt: sie stellt die Fluchtreaktion durch die Vorsicht dar. Es bleibt die Angst vor Scham, die zur Feigheit führt.
Jede Angst braucht eine oder mehrere Bedrohungen. Dort könnte man ansetzen, um ursachenorientiert vorzugehen. Wie lautet die Bedrohung, die zur schamvollen Feigheit führt? (eine schöne Prüfungsfrage der Ausbildungen in Schamanismus Therapie) - Es ist der drohende Verlust der Zugehörigkeit. Hinzu kommt die Tendenz, dass Angst vor Verlust in Panik gipfeln kann.

Ausschluss von der Gesellschaft

Den Verlust der Zugehörigkeit wollen wir Menschen meist um jeden Preis vermeiden. Warum ist das so? - Die Schamanismus Therapie knüpft hier an archaische Formen von uns Menschen als ursprüngliche Tiere an. Die Evolution hat uns vom Tier zum Menschen verändert. Unser Körper ist dabei immer noch tierischer Natur. Da gibt es den Verdauungsapparat, die Atmungsorgane, Muskeln, Knochen und alles, was so zu einem Tier dazu gehört. Die Gefühlslehre der Schamanismus Therapie stellt sich die Frage, ob es emotional auch noch solche Rudimente gibt. Rein körperlich gibt es da z.B. unser sogenanntes Reptiliengehirn. Reaktionen wie Flucht, Angriff und sich Totstellen tragen wir in uns. Die Schamanenstube ist sogar der Auffassung, dass das sicher ein Gefühl existiert, das uns von allen Tieren unterscheidet: die Fähigkeit zum Glauben.
Kommen wir zurück zum Zugehörigkeitsgefühl. Die Zugehörigkeit steht hoch oben in der Rangliste des "Sinns des Lebens". Sie verhilft uns emotional zum Gefühl von Sicherheit. Gehören wir zu einer Gruppe dazu, empfinden wir Sicherheiten und können uns in diesen Sicherheiten wieder als Individuen definieren. Die Zugehörigkeit ist uns also wichtig für die Selbstdefinition. Ein Ausschluss von der Gesellschaft, und sei es nur von einer kleinen Gruppe wie im Beispiel die Kollegen auf der Arbeit, wollen wir verhindern. Denn dadurch würden wir an Sicherheit verlieren. Das ist ein no-go.


Wie wird man seine Feigheit los?

Ein einfaches, magisches Wort oder Ritual kennen wir leider nicht, die Feigheit los zu werden. Wir sehen die Feigheit als Reaktion auf zu vermeidende Bedrohungen. So würden wir gern eine prozessorientierte Methode anfügen: das Bereuen.

Die Reue

Die Scham und die Reue sind zwei Gefühle, die sich in der Geistwelt nahe beieinander befinden. Sie haben auch gewisse Ähnlichkeiten, doch auch gewaltige Unterschiede. Die Reue z.B. ist prozessorientiert.
Man hat sich aus Scham etwas verwehrt, etwas nicht getan oder gesagt. Statt diese "feige" Tat zu rechtfertigen, kann man sie ganz privat für sich bereuen. Bereuen heisst, sich dem Gefühl der Angst und Scham nochmals zu stellen. Der durch die Feigheit erlittene Verlust kann bereut werden. Quasi: es ist schade, dass man "es" nicht gemacht hat. Das tönt erst einmal negativ. Das ist auch richtig so. Man macht das am besten im stillen Kämmerlein. Therapeuten machen das natürlich in der schriftlichen Selbstreflexion. Das Bereuen, dass man etwas nicht getan hat, macht traurig. Geopfert wurde z.B. die Idee der Position des Getränkeautomaten von oben. Der Getränkeautomat tritt dabei in den Hintergrund: die Menschen um einen herum werden wichtiger. Gedanklich kann man noch einmal in diese Situation gehen und ein Verständnis für die eigene Feigheit aufbringen. Das geht in Richtung Selbstmitleid, aber ohne sich darin zu suhlen. Im privaten Kämmerlein kann man in dem Verständnis für die eigene Unzulässigkeit einen Abstand in der feigen Reaktion zu sich bekommen. Das Nennen der feigen Reaktion zusammen mit dem Verständnis, warum man es getan hat, führt zu einer anderen Objektivität auf das Geschehen. Die Trauer über die eigene Reaktion, das Verleugnen von einem selbst, das Opfern aufgrund der Zugehörigkeit, birgt eine Ressource in sich: eine neue Selbstdefinition. "Ja, ich war feige und ich verstehe, warum". Das reicht noch nicht ganz, um Vermeidungen umzuformen. Die Reue darf dabei neben einem sitzen und als Weggefährte dienen, um jemand anderer zu werden. Man kann bildlich gesprochen in das Schiff der Reue einsteigen und sich schippern lassen: hin zu den Erinnerungen. Damit vollzieht man den Weg aus den animalischen Gefilden der Angst hin auf die Sicherheit des Wissens: "Ja, das war ich mal". Macht man das in schamanischen Reisen, besteht die Möglichkeit, mit der Reue ein Gespräch zu führen. Da die Reue oft falsch verstanden wird, bietet die Reise die Chance, die Kompetenz der Reue zu nutzen: sie führt in Sicherheiten. Was wir bereuen, werden wir nicht wieder tun. Wir müssen es nur richtig ausformulieren: "Ich tat dies und jenes nicht, weil ich Angst hatte. Jetzt will ich dies anders angehen".
Legt das Schiff der Reue an den Gestaden der Erinnerung an, könnte ein weiterer Akt geschehen. Man ruft den Mut an die Anlegestelle und beichtet ihm, dass man ihn verraten hat. Die Untreue zu sich selbst wird damit von einem selbst vergeben.


See der Unsicherheit

Es ist nicht einfach zu bereuen. Die Reue bietet viele Gefahren, wie z.B. sich tiefer in die Wertlosigkeit zu manövrieren. Wir haben das Bereuen in unserer heutigen Gesellschaft etwas verlernt. Wir setzen es in der Planung ein, in der sogenannten Vor-Reue. Damit verhindern wir schon in der Planung, dass wir etwas bereuen müssen. Die Reue nach einem Fehler leben wir seltener. Dabei bietet die Reue die Bewegung aus der Schuld heraus.  In der Reue fühlt man sich schuldig. Nur kann man mit der Reue den Ausweg aus dem Schuldgefühl finden. Diesen Ausweg findet man besser, wenn man sich der Schuld direkt stellt und diese fühlt. Die Kunst besteht darin, nicht in der Schuld verhaltet zu bleiben. Die Schuld stellt in diesem Prozess die Definition als feige dar, die Reue bringt die Bewegung aus der Schuld heraus in eine Neudefinition. Es gibt den treffenden Spruch: "Was du bereust, wirst du nicht wieder tun". Das Nicht-Wieder-Tun bezieht sich hier auf die Feigheit. Es geht darum, eine Balance zwischen echter Bedrohung und übertriebener Vorsicht, der Scheu zu finden.


Bewegende Reue

Es ist sicher sinnvoll, im stillen Kämmerlein nicht einfach dazusitzen und sich dem Prozess der Reue gedanklich hinzugeben. Die emotionale Bewegung darf durch körperliche Bewegung unterstützt werden. Das beinhaltet eine therapeutische Inszenierung. Sie verstecken sich vielleicht unter einer Decke. Darunter darf die Feigheit nochmals gefühlt werden. Ist sie spürbar, kann die Höhle verlassen werden. Sie sitzen vor der Höhle der Feigheit und betrachten Ihre eigene Feigheit. Entwickeln Sie ein Verständnis für sich selbst in der feigen Situation. Das Herausholen von einem selbst aus der Höhle, indem man nochmals hinein geht und sich selbst als vergangene Person im Aufstehen holt, kann in der Begrüssung neuer Sicherheiten und dem Mut gipfeln.
"Wer war ich, wer bin ich, wer will ich sein?"
So oder ähnlich kann die Verarbeitung einer Feigheit laufen. Das Ziel ist die Neudefinition von einem selbst in der Situation der Feigheit. Ebenso findet eine andere Selbstbewertung statt: das beichten gegenüber dem Mut führt zu einer Bindung an sich selbst. Es stellt eine Verbindung zu sich selbst dar, die die Tragik der Feigheit in Sicherheit wandelt:
"Ja, ich will dazu gehören und ja, ich will mit meinem Mut dazu gehören".

  • Gast schreibt am 25.01.2017

    Liebe Schamanenstube, das ist ein sehr inspirierender Artikel, ich sage Danke!




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