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Das Helfersyndrom als Krankheit



Eichhörnchen

Wenn ungefragte Hilfe zu Problemen führt, stellt sich bei den Opfern der Syndromtäter eine Abwehrhaltung oder Abhängigkeit ein. Menschen mit einem Helfersyndrom könnte man als Menschen bezeichnen, die es lieb meinen. Dem ist in unserer Wahrnehmung gänzlich nicht so.


Helfen für Stolz und Macht: Machtergreifung über das Helfersyndrom

Wir widmen uns dem Thema Helfersyndrom aus der Ecke einer therapeutischen Massnahme zur Stärkung des Selbstbewusstseins. Es gibt bestimmte Situationen, da altruistisches Helfen eine therapeutische Massnahme sein kann. Um das greifbarer zu machen, nehmen wir ein Bild hervor, das jeder kennt: man hilft einer alten Frau über die Strasse. Die Beweggründe für diese Hilfe lassen wir noch aussen vor, da es sich um eine Massnahme handelt. Auf der anderen Strassenseite verabschiedet man sich von der alten Frau und geht weiter.


Wie fühlt man sich danach?
Gehen wir davon aus, die alte Frau wollte tatsächlich über die Strasse und war über die Hilfe froh. Alles gut, alles in Ordnung. Im Helfenden steigt jetzt ein Gefühl von Stolz auf. Das kann ein sehr schöner Stolz sein, der nur für einen selbst ist. Man wird von dieser Hilfe niemandem erzählen. Man hat es einfach getan. Gemäss Susanne Fiske hat man im Wärme-Kompetenz Modell wahrscheinlich aus einem Gefühl des Mitleids gehandelt. Das darf sicher sein.

Wo war die Macht?
Stolz und Macht sind leider gute Freunde. Der empfundene Stolz nach dem Helfen darf der Machtergreifung über das eigene Schicksal dienen. Es kann zu einer Selbstdefinition führen, da man sich etwas "besser" fühlt. Insofern ist als therapeutische Massnahme die Aussage: "Helfen hilft einem selbst" richtig.
Jetzt kommt aber der Knackpunkt: das stimmt nur als Massnahme.


Helfen ohne zu Fragen

Einmal auf den Geschmack gekommen, kann es zu einer Verschiebung von Werten kommen:
Helfen ist etwas Gutes: ja, aber man muss fragen.
Helfen nach dem Fragen ist etwas Gutes: ja, aber man muss die Antwort abwarten und zuhören

Viele Menschen haben das Gefühl, das Helfen selbst ermächtige sie, die Macht über andere kurz oder sogar langfristig zu nehmen. Das wird allerdings gar nicht wahrgenommen. Die Rechtfertigung: "ich habe ein Helfersyndrom" verschleiert dazu die eigene Werteverschiebung.


Beispiel Verträge

Man macht mit jemandem etwas ab und einigt sich auf einen gemeinsamen Plan, wie man vorgehen möchte. Dieser Plan gibt allen Sicherheit und der Vertragserfüllung steht prinzipiell nichts im Wege. Wird eine der Planungsdaten nicht erfüllbar, kommuniziert man das und einigt sich erneut. Jemand mit Helfersyndrom kann das Ereignis als etwas heranziehen, das zu einer Machtergreifung führt: da dieser Punkt jetzt nicht geht, ändert man den Folgepunkt, damit doch alles aufgeht. Das kommuniziert sogar jemand mit Helfersyndrom. Der andere fühlt sich dabei übergangen. Selbst wenn er jetzt kommuniziert, dass man das nicht will, wird das gar nicht mehr gehört. So können ganze Verträge platzen, auch wenn sie schon weit vorgeschritten sind.
Ein Helfersyndrom ist eine dysfunktionale Störung. In so einem einfachen Beispiel kann es verhehrende Folgen für das Vertrauen und die ganze soziale Bindung haben.


Schwächen zeigen führt zum Auslösen der Machtübernahme

Da der eine Vertragspunkt nicht machbar ist, zeigt sich der Vertragspartner enttäuscht. Von der kranken Person kommt nur das Unverständnis, warum man nicht darauf eingehen will. Man hat ja geholfen. Und es wird weiter auf der für den anderen womöglich als Absurdität bezeichneten Hilfe beharrt. Immer wieder wird quasi getröstet, dass man ja eine Lösung gefunden hätte. Es wird weder nachgefragt, ob die Lösung auch für die andere Partei genehm ist, noch wird ein Veto wahrgenommen, egal wie oft dieses fällt.


Das Gefühl der Unschuld

Ein Helfender kann in keiner Weise nachvollziehen, dass er irgendetwas gemacht haben soll, was gegen die Abmachung war. Man wollte ja nur helfen. Selbst nach mehrfachen Erläuterungen, erscheint es nicht ganz klar begriffen zu sein. Die Unschuld als Gefühl ist eine Folge des Helfersyndroms. Da die Rechtfertigung ja schon bester Freund der Lüge ist, wird der Weg über das sogenannte Vergessen oder Ausblenden von Tatsachen geöffnet. Die Unschuld akzeptiert keine Tatsachen, sie blendet alles aus um zu beschützen, was die eigentliche Absicht war. Das ist ein unbewusster Verteidigunsmechanismus über den Selbstbetrug. Die Machübernahme wird durch das lieb gemeinte Trösten verschleiert.
Das sind natürlich keine guten Voraussetzungen für die Weiterführung eines Vertrags. Ein Helfersyndrom ist etwas Gewalttätiges, Unanständiges und Gefährliches.


Auswege aus dem Helfersyndrom

Wir kennen keine erprobten Wege aus diesem Syndrom. Normalerweise nennen wir jemandem in der Schule, dass es fast unmöglich sein wird, mit dem Syndrom für das Wohl von Menschen sauber zu arbeiten. Über Mitleid gerechtfertigte Machübernahme ohne Schuld stösst uns ab. Wir machen uns Gedanken über ein Herangehen an diese Krankheit:


Ausschluss
Schliesst man Menschen mit dieser Krankheit aus, wird sie sich vielleicht eher verstärken. Der Drang nach Selbstdefinition und Zugehörigkeit könnte stärker werden. Das macht den Weg frei, immer mehr Gründe zu finden, um jemandem helfen zu können.


Verhaltenstherapie
Über Trigger das Verhalten selbst erkennen zu können, kann einen Schritt darstellen. Erst wenn man sein eigenes Verhalten greifen kann, ist eine Änderung überhaupt möglich. Die Trigger könnten via Sensibilisierung auf Gefühle und Aktionen definiert werden:

Anerkennung als Krankheit
Die Unschuld verhindert generell die Anerkennung als Krankheit. Dieser erste Knackpunkt kann sehr wichtig sein. Man wird sehr selten bei sich selbst diese Krankheit diagnostizieren wollen. Besser ist es, man erzählt von anderen Fällen, in denen man sich selbst erkennen kann.

Trigger Mitleid
Kommt Mitleid auf, darf die Frage gezündet werden: was will ich jetzt aus Mitleid tun? - "Ich werde schaden." So ein Satz kann das Gewissen nach und nach wieder richtig stellen. Dabei ist auf den Aufbau des Selbstwertes zu achten, um sich nicht runter zu machen, sondern in eine neue Richtung zu gehen.

Trigger Helferstopp
Wenn man merkt, man will helfen oder ist schon mitten drin: "Ich schade gerade anderen Menschen".

Stolz aus anderen Quellen
Der Stolz aus dem Helfen heraus ist das Negative beim Syndrom. Gezieltes Aufbauen eines normalen Stolzverhaltens kann in einer Therapie sicherlich erreicht werden. Damit kann sich das Grundbedürfnis Stolz auf andere Ebenen ausdehnen. So kann auch das Vernachlässigen eigener Bedürfnisse durch das Helfersyndrom angegangen werden.

Trigger Machtübernahme
Wenn man merkt, dass man jetzt für andere etwas organisiert, für sie denkt, ihnen Gutes tun will: "Ich schade gerade..."


Ursachenfindung
Bei der Ursachenfindung tut sich ein weites Feld aus, das bei jedem wahrscheinlich komplett anders geartet ist. Beginnen würde man vielleicht beim Selbstwertgefühl und der Selbstdefinition. Da finden sich sicher Hinweise auf sozialer Ebene: wie erreicht jemand sein Zugehörigkeitsgefühl, seine Anerkennung als Teil einer Gesellschaft. Das kann runter bis in die Kindheit gehen. Wie gesagt, da eröffnet sich ein weites Feld, das lange Sitzungen mit sich führen kann.


Lösung Psychotherapie

Die Psychotherapie kennt das Syndrom sehr gut und ist sicher die richtige Anlaufstelle für diese Krankheit. Die Schamanismus Therapie ist hier die falsche Anlaufstelle. In den Ausbildungen bemerkt man es rasch. Es ist eine dysfunktionale Ausgleichsstörung mit zwanghafter Attribution und ganz und gar nichts "Liebes".







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