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  • schreibt über Schamanismus

    Die spirituelle Marktentwicklung im deutschsprachigen Europa. Was sind die Bedürfnisse für Esoterik und Religion, wie hat sich Schamanismus entwickelt?

    Mar
    2017

    28


    AlleeDie Schamanenstube ist derzeit mit vielen Anbietern aus dem deutschsprachigen Europa-Raum in Kontakt. Die Welt der Spiritualität scheint sich in einem Wandel zu befinden. Wir nehmen eine Zweiteilung wahr: einmal in Richtung seichte Esoterik, einmal in neue Formen von Therapien auf professioneller Ebene. Um uns dem Thema Spirituelles und Esoterik zu nähern, möchten wir einige Begrifflichkeiten etwas ausführen.


    • Spiritualität
      Das Wort Spiritualität stammt aus dem Lateinischen und meint: Hauch. Spiritus ist der Atem. Mit Spiritualität ist das gemeint, was nicht greifbar ist. Das führt zum sog. Geistigen, auch zur Philosophie und zur Religion. Man kann "einfache" Spiritualität und religiöse Spiritualität unterscheiden. Erstere setzt keinen formulierten Glauben voraus.

    • Religion
      Lateinisch: re-ligare, sich anbinden, sich rückbinden. Unklar ist, ob Religion von re-legere abstammt. Dann würde es "wieder betrachten, wieder lesen" heissen. Die Rückbindung ist die wahrscheinlichste Wortherkunft. Die Bewegung im Wort ist ein Anlehnen. Man kann sich z.B. gut an festgelegten Glaubenssätzen anlehnen. Eine Religion braucht eine Theorie über die grossen Menschheitsfragen: wo kommen wir her, wie entstand alles, was ist nach dem Tod? Anhand dieser Lehre werden Regeln aufgestellt. Eine Religionsgemeinschaft glaubt an diese Lehre und versucht die Regeln zu befolgen. Gesellschaftlich gesehen wirken diese Regeln oft sinnvoll, wie z.B. bei den Christen "du sollst nicht töten" oder bei den Buddhisten: "du sollst nicht Neid erzeugen". Durch diese Gesetzgebung auf moralischer Ebene erreichen einige Religionen eine staatliche Machtstellung.

    • Esoterik
      Griechisch: innerlich. Es gibt zwei grosse Auslegungen des Wortes innerlich:
      1. Ein durch Innenschau erwirtschaftetes Wissen
      2. Ein nur einem inneren Kreis zugänglichen philosophischen Wissen
      Das Gegenteil von Esoterik nennt sich die Exoterik: das meint allgemein zugängliches Wissen oder die empirische Erforschung der Welt, sprich die Wissenschaften

    • Schamanismus
      Das Wort Schamanismus ist nicht allgemeingültig definiert. Es gibt aus verschiedenen Bereichen Definitionsversuche, wie der Ethnologie, der Anthropologie und anderen Richtungen. Ein Ismus kann eine Lehre beinhalten, Ismen können aber auch einfach das beinhalten, was sie benennen: hier die Schamanen.
      Die Schamanismus Therapie verwendet die Hauptmerkmale des Schamanismus auf therapeutischer Ethik: schamanisches Reisen und schamanisches Wirken in Ordnungen.

    • Seele
      In vielen religiösen Bereichen wird Seele als unsterblicher Teil von Lebewesen angesehen, wobei es nicht in allen Religionen z.B. Tierseelen gibt. Die Schamanismus Therapie versteht unter dem Begriff Seele die Gesamtheit der Gefühle. Ob unsterblich oder nicht, ist wieder eine Frage des Glaubens. Seelenteile sind oft an Orte oder Erinnerungen gebundene Gefühlsteile. Die schamanische Technik der Seelenteilrückholung befasst sich mit der Reintegration verdrängter oder verlorengegangener Gefühlsteile. Fälschlicherweise wird dies heute gerne als "Seelenrückholung" bezeichnet. Ein ganzes Gefühl zu verlieren, dürfte aber selten sein.


    Ei mit Gesicht

    Spirituelle Bedürfnisse

    Warum haben Menschen das Bedürfnis nach Spiritualität, was steckt dahinter?
    Die moderne Welt ist mit wissenschaftlichen Theorien heute aufgeklärter als wahrscheinlich je zuvor. Das Allgemeinwissen verändert sich. Man kommt zusehends in die Lage, die grossen religiösen Fragen erklären zu können. Man spürt teilweise in der Anwendung neuen Wissens, dass Glauben an höhere Mächte auszusterben beginnt. Dieser neuen Realität fehlt es aber an der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse wie z.B. dem Trost. Dass es eine starke Richtung in die Religionslosigkeit gibt, ist neu. Wir versuchen, spirituelle Bedürfnisse anhand von Gefühlen und Bedürfnissen zu erklären. Vielleicht ergeben sich dadurch alternative Methoden, diese zu erfüllen.


    Stolz
    Europa ist vielleicht zu einem grossen Teil ein Dienstleistungsgebiet. Vielerorts herrscht in der Arbeitswelt Stress vor. Man versucht wie früher ein gutes Bild von sich nach aussen abzugeben. Die Arbeitsleistung empfindet man als erhöht und der psychische Stress nimmt zu. Das mag auch an der Änderung der sozialen Kontakte liegen, die sich in Richtung soziale Medien entwicklen. Eine Aussage darüber können wir aber sicher nicht fundiert machen. Wir können aus unsererm Erleben sagen, dass Stress sehr häufig vorkommt. Stress führt gerne zu einer Verminderung des Selbstwertes. Es muss immer mehr geleistet werden, um noch stolzberechtigt sein zu können. So muss man sich immer mehr Verantwortung aufladen. Daraus resultiert der sogenannte stolzlose Erfolg. Eine Zeit lang gab es sogar eine regelrechte Burnout-Welle. Gegen aussen mag das eigene Bild stimmen, im Innern (esoterisch) aber gar nicht. Ein Grundbedürfnis auf emotionaler Ebene meldet sich: man will Verantwortung abgeben können. Da helfen Religionen und Spiritualität. Das Bedürfnis nach Spiritualität durch den Wunsch nach emotionaler Verantwortungsabgabe . Das kann in Form von Rechtfertigung oder Trotz stattfinden. Hilfreich können Gespräche sein. Im spirituellen Bereich finden sich viele Menschen, die zuhören. Man muss aufpassen, nicht an emotional machthungrige Menschen zu gelangen, denn das Angebot folgt auch hier der Nachfrage.


    Trost
    In einigen Teilen Europas haben die Religionen einen schweren Stand. Die Problematik liegt teilweise in ihrer Glaubwürdigkeit, aber sicher auch in veralteten Ausübungsformen. Die Kirchen läuten immer noch, verlieren aber die arbeitende Bevölkerung damit eher. Etwas, das die Arbeitsleistung stört, mag man nicht.  In der heutigen Zeit wird durch verschiedene Religionen auch klar: sie bilden gerne Rechtfertigungen und Ursachen für Kriege. Ohne Religion gäbe es weniger Kriege. Das hat sich seit den Kreuzzügen nicht geändert. Das von grossen Kriegen in den letzten 70 Jahren verschonte Europa mag dies spüren.
    Der Preis für die Abwendung von Religionen: es fehlt die Befriedigung des Trost-Bedürfnisses. Dieses Bedürfnis will gedeckt werden. Wenn man nicht mehr zum Pfarrer geht, um Trost zu finden, wohin soll man dann? - Eine Eigenschaft des Trostes ist: es braucht dazu immer eine Machtposition. Man vertraut demjenigen, der Trost spendet. Das Bedürfnis nach Trost führt zu Formen einer Trost spendenden Spiritualität. Diese muss zwangsläufig machtbehaftet sein.
    Wir erleben heute sozialen Medientrost. In Live-Videos auf Facebook wird zu ganzen Gruppen aus unbekannten Menschen gesprochen, die per Kommentar versuchen, zu helfen und trösten. Viele schreiben dort und haben natürlich keine Fachkenntnisse. Es ist ein gutes Gefühl, zu Trösten. Das hebt den eigenen Selbstwert. Wir haben uns das einmal angeschaut und sind mit unseren Eindrücken noch verwirrt.


    Zugehörigkeit
    Der Mensch ist ein Herdentier. Eines unserer Grundbedürfnisse ist die Zugehörigkeit. Als vorteilhaft empfindet man eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, die gleich oder zumindest ähnlich denken. Die Wissenschaft gibt heute Antworten auf Fragen, die früher vielleicht noch zur Gruppenbildung geführt haben. Die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften flacht ab. Vereine decken einen grossen Teil ab, aber die Vereinsbeschäftigungen sagen nicht allen Menschen zu.
    Spiritualität und Philosophie sind in einem Atemzug zu nennen. Nur ist die Philosophie nie zu Ende, sie hört nicht auf. Hier ist Stoff für Diskussionen, um gemeinsam etwas heraus zu finden, und sei es im Kleinen.


    Verantwortungsabgabe
    Wir hören aus Kreisen der Kindererziehung, dass den Kindern zuweilen sehr viel emotionale Verantwortung übertragen wird. Die Eltern wissen keinen Rat, wenn es um zwischenmenschliche Probleme geht und übertragen die Verantwortung dafür den Kindern selbst. Damit kommen Kinder aber nicht klar. Gelegen kommen da ADHS und Kristallkinder. Es gibt in der Welt der Esoterik viel Rechtfertigung, selbst gut da zu stehen. Besonders für eigene Schwächen gibt es esoterische Gründe, für die man nichts kann. Sei dies Karma oder eine Verfluchung. Man kann ja nichts dafür. Diesen aktiven Verdrängungsprozess halten wir für ungesund. Wir denken, sich etwas zu gönnen, vielleicht Wellness, kann einen auf sich selbst eher rückbesinnen. Selbstreflexionen könnten eine Entwicklung in die Wege leiten.


    Verstand und Unerklärliches
    Unsere Welt ist so vielfältig, dass wir manchmal den Überblick verlieren und uns gewisse Dinge nicht erklären können. Man will sich vielleicht auch nicht mehr alles erklären können. Seltsames darf in den Bereich der Spiritualität gehören, hat aber mit dem Leben nichts zu tun. Dieser zuweilen gesunde Mechanismus weckt das Bedürfnis auf anderer Seite, Lehren und Erklärungen zu finden. Die Quantenphysik ist ein typisches Beispiel. Die Wissenschaft sagt, sie verstehe die Vorgänge im Quantenbereich nicht. Es bietet sich an, eine spirituelle Erklärung dafür zu haben und die Quanten gleich richtig anwenden zu können. Spirituelle Wissenschaft versucht den fehlenden Trost noch zu retten. Das wird ziemlich sicher scheitern.




    Esoterik Marktentwicklung

    Spirituelle Marktentwicklung

    Die Schamanenstube beobachtet den deutschsprachigen Raum in Europa. Das sind v.a. die Schweiz, Lichtenstein, Deutschland und Österreich. In diesen vier Ländern zeichnen sich verschiedene Markttrends ab. Aus Lichtenstein haben wir leider keine Eindrücke. Unsere Wahrnehmung der letzten 30 Jahre in der Schweiz lässt sich beschreiben: nach der Hellseherei und Magie kam eine Buddhismus-Welle auf, die sich lange hielt. Das Ende der 70er Jahre brachte den Wassermannzeitalter-Trend eher zu einem Ende. Das verlangte nach neuen Richtungen. Channeling stand im Kurs. Reiki kam dazu, aber auch TCM. Die Scientologen und andere Sekten tauchten auf. Nachdem die Reiki-Einweihungen auch per Ebay kaufbar wurden, hielt sich kurz die Quantenheilung und schwappte in eine für uns unselige Schamanismus-Welle um. Diese versucht sich heute in Richtung schamanisches Yoga und schamanische Hypnose zu entwickeln. Weg vom Erdigen, hin zu Losgelöstem. Den Schamanismustrend haben wir nie verstanden: Schamanismus an der Wurzel ist ein harter Weg, sehr komplex und bodenständig. Er bietet weder Trost noch Anerkennung, zumindest nicht in seiner glaubensfreien Form. Er erlaubt eine Machtergreifung, die wir für gefährlich halten.


    Spirituelle Schweiz
    Es gibt viele Schweizer esoterische Angebote. Nichts scheint im Moment wirklich Fuss zu fassen. Engel und Mystizismus sind wieder eher im Kurs. Die Schamanenwelle hat die Schweiz vor einigen Jahren erreicht. Diese flacht in unserer Wahrnehmung derzeit etwas ab. Das ist gut. Einiges bleibt: die Visionssuchen und die Naturhochzeiten. Vielen Schweizern scheint es emotional schlecht zu gehen. Psychotherapie ist verschrien, man sucht sich andere Therapie-Formen, die nicht Therapie heissen. Sind diese glaubensfrei, scheinen sie mehr Erfolg als andere zu haben. Das bedingt allerdings, dass sie fundierte Kenntnisse über psychologische Abläufe aufweisen. Wir nehmen einen Trend wahr, Spirituelles eher als emotionale Wellness konsumieren zu wollen. Das kann sich produktiv entwickeln.


    Deutschland
    Die Schamanen-Hochkultur lebt voll auf. Messen und Veranstaltungen werden im grossen Stil die ganze Esoterik beinhaltend aufgezogen. Wir blicken da nicht durch. Es gibt schamanisches Yoga und hypnotischen Schamanismus, Druiden wetteifern mit Hexen. Das Machtverhalten von Anbietern nehmen wir sehr stark ausgeprägt wahr. Es gibt in Deutschland aber eine auch für uns ernsthafte Linie: helfende Bestrebungen werden mit professionellen Formen gemischt, die sich auf einer menschenachtenden Ethik bewegen. Diese gehen derzeit in der Überfüllung mit Schamanen noch unter.


    Österreich
    Ebenso hier findet sich ein Schamanismus Trend auf hohem Niveau. Vieles wirkt seltsam auf uns. Man spürt wie in Deutschland in den Formulierungen von Anbietern heraus, dass sie von der eigentlichen Materie nur bedingt eine Ahnung haben. Die meisten Angebote sind neu und viele scheinen sich nicht lange zu halten. Schöne Züge gibt es in der Vereinigung von Wellness und Spiritualität. Der Knackpunkt hier könnte sein, dass die Macht aus der Spiritualität weichen muss, um wirklich Genuss erleben zu lassen. Hier ist Österreich immer schon vorne mit dabei gewesen: Wellness, Genuss und Entspannung. Ein schöner Trend, der sich durchsetzen könnte.


    Wahrnehmungen der Schamanenstube

    Die Zweiteilung der Spiritualität in extrem machtvolle und in therapeutische Vorgehen trennt den Markt. Die menschlichen Bedürfnisse wollen erfüllt werden. Wir sind gespannt, wie sich das alles in den nächsten Jahren weiter entwickelt. Wir denken, es wird sich noch einiges tun. Vielleicht ändert sich sogar Luke Skywalker's Spruch in: "Spüre den Therapeuten in Dir".
    Viele Anbieter sind wirklich liebe Menschen, die es gut meinen. Dieser grosse Teil der spirituell Arbeitenden darf nicht vergessen werden. Besonders im schamanischen Bereich gibt es spürbare Hingabe, z.B. auch bei den Herstellern von Gegenständen. Am sinnvollsten wäre es, die seichte Esoterik weicht professionellen Therapieformen mit Krankenkassenanerkennung.




  • schreibt über Schamanismus

    Das schamanische Ritual des Feuerrads: an der Frühjahrssonnenwende zu Ostara wird das Feuerrad über die Lebensfelder gerollt. Schamanismus und Therapie.

    Mar
    2017

    27


    Feuerräder
    Feuerräder werden seit Jahrhunderten Berge hinunter gerollt. Dieser recht alte Brauch ist v.a. dadurch gut dokumentiert, da es immer wieder zu grösseren Bränden kam, von Scheunen, über Kirchen bis halben Dörfern. Die Schamanenstube macht sie etwas kleiner als mannshoch. Es gibt diese runden Strohringe für die Ostern zu kaufen, aus denen man Osternäschtli machen kann. Naja, man kann auch Feuerräder daraus machen. :-)





    Frühjahrssonnenwende

    Die Tag- und Nachtgleiche, das Frühlingsäquinox findet astronomisch vom 20.3. auf den 21.03. statt. An diesem Datum ist der Tag gleich lang wie die Nacht. Danach werden die Tage länger: es geht in Richtung Sommer. Im Keltenkalender findet sich um diesen Zeitpunkt das sogenannte Ostara. Aber auch ohne mythologischen Hintergrund kann mit Sonnenrädern viel gemacht werden. Die Schule für Schamanismus Therapie setzt die Naturfeste gerne auf therapeutische Weise um. Statt dass man mit den Feuerrädern Felder verbrennt, drehen wir die Räder über unsere Lebensbereiche. Mit den Ringen zu Ostern lässt sich das gut z.B. an einem Fluss zelebrieren. Der Fluss kann als Richtung für den Fluss in die kommende Zukunft genommen werden. So fliessen Wünsche, Träume und Ziele in die eigene, persönliche Zukunft und können einem begegnen.



    Feuerrad Ritual



    Das Ritual des Feuerrads aus der Schamanismus Therapie

    Dieses Jahr leitet ein Kursteilnehmer den ganzen Tag um das Ritual. Wir finden uns an einem kleinen Fluss ein. Das Wetter ist erst nicht wirklich prickelnd, doch pünktlich zum Auftakt klart es auf und die Sonne lacht. Im Frühjahr wird viel an Bäumen rumgeschnitten. Das vereinfacht die Suche nach Weiden, die meist irgendwo schon abgeschnitten zu finden sind. In die Osterringe stossen wir die Weiden und formen in der Mitte eine Öffnung für die Achse. Wenn das Rad brennt, kann man es nicht mehr von Hand bewegen. Ein Stecken in der Mitte ermöglicht das Drehen des brennenden Rades.
    Passend zur gemütlichen Arbeit in der Natur werden fein geschnittene Früchte mit Wein und Sprudelwasser genossen. Wir spüren den Frühling und gleichzeitig den sich zwischendurch mit kühlen Luftzügen meldenden Winter. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die letzte Vergangenheit und schenkt mit den warmen Sonnenstrahlen die Verbindung in die kommende Zeit. Damit die Strohringe gut brennen, werden Anzünderlis in sie eingearbeitet und aussen befestigt. Es braucht viel Feuerzunder, denn die kaufbaren Osterringe sind sehr hart gepresst. Einige verzieren ihre Räder mit Efeu und was sich sonst noch alles findet.
    Die Gedanken bei der Arbeit an den Feuerrädern drehen sich um den vergangenen Winter. Was war da alles im eigenen Leben und was davon darf jetzt abgeklopft werden. Mit diesen Gedanken formt sich die Gruppe jeder einzeln seine momentanen Lebensfelder. Was ist in meinem Leben, welche Bereiche machen mich aus. Mit Maismehl lassen sich solche Felder sehr schön auf dem Boden zeichnen. Das schadet auch der Natur nicht. Man kann es getrost nach dem Ritual zurück lassen.



    Feuerrad Ritual - Feuer
    Das Feuer der Sonne beginnt um die Räder zu lodern. Langsames Drehen der Räder über die eigenen Lebensbereiche schafft als Altem Neues. Alles verbrennt und bietet mit seinen Brandrückständen Nahrung für neue Ordnungen im Leben. Die Samen der Zukunft spriessen auf dem durch das Feuer gereinigten Boden und lassen Wünsche, Träume, Ideen und Ziele mit neuer Kraft erfüllen.
    Die Führung durch den Kursteilnehmer war sehr schön. Jeder erhielt seine Freiräume und konnte eigene Elemente einbauen. Für jeden wurde separat getrommelt, so lange man in seinen Feldern verweilen wollte. Wir fühlen uns wohl und danken herzlich die unterstützende Begleitung.




  • schreibt über Schamanismus

    Ayahuasca und Chacruna ein Muss für Schamanismus? Was der Zustand mit Urwald-Drogen wie der Madre Ayahuasca für schamanische Visionen bringt. Lohnt sich die Einnahme?

    Feb
    2017

    06


    Ayahuasca
    Die Schamanenstube bietet keine Mesas an, wir verkaufen kein Ayahuasca oder Chacruna noch fordern dazu auf, an Mesas teilzunehmen. Ayahuasca ist illegal. Einen therapeutischen Nutzen bietet es nicht. Die Schamanenstube berichtet von Ayahuasca Erfahrungen und Visionen, um einen Eindruck vermitteln zu können, was die Einnahme des Tranks mit einem machen kann. Man kann den Gedanken haben, Ayahuasca, Peyote oder sonst eine sog. Schamanenpflanze müsse zum Schamanismus dazu gehören. Dem ist definitiv nicht so. Man muss sich nicht Risiken aussetzen, um schamanisch aktiv zu sein. Die Trommel reicht vollends aus und liefert dieselben Resultate.



    Schamanisches Reisen unter Drogen


    Schamanisches Reisen ist mit Trommelrhythmen mehr oder weniger einfach machbar. Warum verwenden denn manche Kulturen Drogen, um zu reisen? Der Sinn dieser Substanzen ist in der Regel nicht nur an das schamanische Reisen gekoppelt, sondern taucht oft mit "Heilung" verbunden auf. Heilkräuter kommen in verschiedenen Landstrichen der Erde vor. Einigen werden ganz besondere Heilkräfte zugeschrieben. Das macht in den Augen vieler Menschen diese Pflanzen auf gewisse Art "heilig". So wird beispielsweise Ayahuasca in einem Ritual namens Mesa zelebriert. Visionen und Halluzinationen können die Absicht des "Heilwerdens" unterstützen. Bei den Mesas kommt ein Ayahuascero zum Einsatz, der die Zubereitung und Verabreichung der Pflanze durchführt und die Menschen begleitet. Er fungiert als Zeremonienmeister. Der Ablauf der Zeremonien ist stark an die jeweilige Kultur angelehnt. Das macht sie einzigartig und in unseren Augen und Ohren gerne fremdartig. Sie tönen reizvoll und gewichtig. Es ist der Glauben an das Machtvolle, der die anziehende Mystik solcher Pflanzen ausmacht. Ayahuasca Anbieter werden mit dieser Macht konfrontiert sein und müssen sich ihr stellen. Das dürfte ein grosses Problem sein, wenn jemand nicht als machtvoller Guru agieren möchte. 


    Ayahuasca Boom

    Ayahuasca hat sich auch in der Schweiz stark etabliert. Berichte darüber tauchen in verschiedenen Medien auf. Es gibt viele Schweizer Ayahuasceros, die Mesas im grösseren und kleineren Stil anbieten. Sie sind gemäss Schweizer Gesetz illegal. Das ist dadurch begründet, dass die Einnahme von Ayahuasca oder Chacruna erhebliche körperliche Folgen haben kann. Die Anwesenheit eines Arztes wäre sicher sinnvoll. Auch psychologisch ist eine Mesa nicht unbedenklich. Es kann zu einem sogenannten Horror-Trip kommen. Hier bräuchte es therapeutisch geschultes Personal, um die Menschen professionell auffangen zu können. Diese Gefahren führen wahrscheinlich zu Recht dazu, dass die Substanzen verboten sind.
    Sucht man nach Rezepturen für die Herstellung der Tränke, findet man eine Unzahl unterschiedlichster Angaben. Das verhindert, dass man es auf eigene Faust versucht. Der Boom entstand unserer Wahrnehmung nach ca. 2002, als der Film von Clemens Cuby "Unterwegs in die nächste Dimension" herauskam. Neben anderen wird im Film Don Agustin Rivas Vasquez bei der Verabreichung von Ayahuasca gezeigt. Der Film weckt die Vorstellung, dass Ayahuasca in Verbindung mit Chacruna alles heilen könne. Neben den halluzinogenen Wirkungen ist die Pflanze in ihrer lokalen Anwendung eigentlich als Entwurmungskur gedacht. Das wird gar nicht erwähnt.



    Banisteriopsis Caapii

    Schamanisches Reisen zur Madre Ayahuasca

    Nach langen Vorbereitungen nehmen die schamanisch Reisenden ganz wenig Ayahuasca zu sich. Sie reisen mit dem Trank hinab in ihren Körper. Sie landen in einem Gebiet, das nach Amazonas aussieht. Ihr Ziel ist es, Madre Ayahuasca (dem Pflanzengeist) zu begegnen und mit ihr zu klären, ob sie ihr in ihre Welten folgen sollen und ob der Zeitpunkt stimmig ist.
    Sie scheint vom Alter her ein unbestimmbares Wesen zu sein. Ihr Gesicht ist komplett mit Tätowierungen übersäht. Jemand erzählt: sie trägt eine Kopfbedeckung, an dem ein Holzbrettchen befestigt ist. Sie dreht sich im Kreis, senkt den Kopf und eine Zeichnung auf dem dunklen Holz wird sichtbar. Weiss gemalte Holzstäbe zeigen dem Reisenden eine Symbolik, die Wirkung auf ihn zeigt. Er kann einen Sinn darin entdecken. Den Tanz des Wesens nimmt er erst recht kriegerisch wahr, doch das Symbol stimmt ihn zuversichtlich. Das sich drehende Wesen verändert sich im wirbelnden Tanz. Sie wird zum Schweizer Heidi, das sich im roten Kleid dreht und dreht. Das wird so verstanden, dass die Madre Ayahuasca erkennt, dass ein Schweizer kommt (siehe: Glauben braucht die Idee, von etwas Grösserem wahrgenommen zu werden). Für eine Begrüssung und eine Zusage, ihr folgen zu können, reicht das Heidi dem Reisenden.



    Ayahuasca Vision

    Chacruna

    Die Einnahme von Chacruna (Psychotria viridis) leitet die eigentliche Zeremonie ein. Darauf folgt das Ayahuasca. Man begibt sich auf das vorbereitete Plätzchen und beginnt zu trommeln. Don Agustins Gesang läuft im Hintergrund ab CD schon die ganze Zeit mit und begleitet auch die ersten Erlebnisse.
    Bei einigen kommt der Urwald quasi in den lokalen Raum. Die Wände werden von Urwaldpflanzen durchbrochen und die Tiefe der Gegend tut sich auf. Weit hinten hört man wilde Tiere. Bei anderen befindet man sich rasch irgendwo in einem recht offenen, aber deutlich erkennbaren Amazonas-Gebiet. Im Hintergrund sind im Beispiel drei Berge erkennbar. Der Mittlere ist etwas weiter hinten. Vor einem erscheint erst ein Pfau, der seine vielen Augen auf den Federn in einem Bogen vor einem ausbreitet. Das Gesicht des Pfaus ist in einem Hin und Her sehr schnell bewegt. Dann steht es wieder still. Die Augen scheinen unbeweglich. Auf einmal senken sich Augenlider über diese Augen. Immer noch ein Pfau, ist der Kopf des Wesens jetzt ein Reptil, eine dunkelbraune Echse. Die Echse hebt ihren Kopf mit zuckenden Bewegungen in die Höhe. Dabei senken sich die Pfau-Federn. Aus der gleichen Bewegung nach oben heraus sitzt nun ein Wolf vor einem, der seinen Kopf immer höher in den Himmel streckt. Er beginnt zu jaulen. Direkt hinter seinem Kopf wird im Hintergrund durch das Wolfsjaulen die ganze Gegend erschüttert. Der mittlere, hintere Berg wird zu einem Vulkan, der in derselben Richtung wie der Wolf jault, in die Höhe schiesst. Die Reise beginnt.
    Ab jetzt wird es schwierig, alles chronologisch wieder zu geben. Es bleiben Erinnerungsfetzen. Einmal ist da eine weite Ebene, die von einem breiten, schlängelnden Fluss durchzogen wird. Der Blick von einer Anhöhe hinunter auf die Fluss-Ebene lässt Menschen erkennen, die am Fluss unten irgendetwas tun. Sie sind an den Ufern beschäftigt: womit genau, erschliesst sich nicht.
    Die Besetzung mit dem eigenen Krafttier fühlt sich etwas anders an als der normale Krafttiertanz. Das Kleid des Krafttiers wirkt etwas beschmutzt, als ob es sich vorher im Schlamm gewälzt hätte. Immer wieder erscheint von rechts ein Vogelwesen mit langem Schnabel und rundem Auge, das in die Szene hinein lugt. Wahrscheinlich folgt man diesem Vogel in weitere Reisepunkte. Einer davon ist ein grosser Farn oder eher eine Urwaldpflanze, deren Blätter sich alle einzeln bewegen und Wassertropfen an ihnen glitzern. Die Wahrnehmung wird nach und nach stärker bis sie tatsächlich stärker ist als auf normalen Reisen. 
    Das sind Erzählungen eines Reisenden. Jeder erlebt etwas anderes. Das alles kann wie eine ganz normale schamanische Reise durch das Gehirn interpretiert sein. Der Wahrheitsgehalt bleibt wie immer nicht feststellbar und ist subjektiv.


    Der Ayahuasca-Zustand

    Man kann diesen Zustand vielleicht mit dem Vorschlaf-Zustand vergleichen. Kurz bevor man einschläft, sehen viele Menschen sehr lebendige Bilder und tauchen dann ab in ihr Traumland. Dieser Zustand kurz vor dem Einschlafen wird durch das Ayahuasca in die Länge gezogen und kann über Stunden andauern. Jemand, der nicht sehr gut schamanisch reisen kann, wird eher von Szene zu Szene gereist. Das passiert allerdings auch den Erfahreneren. Wenn so ein Erlebnis kein Horror-Trip wird, kann das sicher sehr schön sein. Diese Gefahr bleibt jedoch.
    Die Wahrnehmung kann sehr detailreich sein, besonders im dreidimensionalen Bereich. Vielleicht ist der Zustand mit einer 3D Brille vergleichbar. Alles ist extrem scharf, nähere Dinge wie entfernte. In der Realität muss sich das Auge auf entferntere Dinge umstellen, hier ist alles gleich scharf. Dadurch entsteht etwas die Idee eines Märchenlandes.
    Einen therapeutischen Nutzen des Ayahuasca-Zustandes sehen wir leider nicht. Was geschieht, ist nichts anderes, als auf ganz normalen schamanischen Reisen. Das Risiko, das Drogen mit sich bringen, ist viel zu gross. Da übt man lieber etwas länger das Reisen zur Schamanentrommel. Das ist gesünder und legal. Wer den körperlichen Kick braucht, kann auch einfach ein Abführmittel nehmen. Wer Mühe mit dem Reisen hat, hat auch unter Drogen keine besseren Erlebnisse.




  • schreibt über Schamanismus

    Weltfrieden: die Schamanenstube wird seit den Anschlägen in Paris nach dem Weltfrieden gefragt - ein Blick auf den Glauben und die Religionen

    Dez
    2015

    08


    Weltfrieden

    Weltfrieden


    Die Schamanenstube wird seit den Anschlägen in Paris von so vielen Seiten nach Möglichkeiten für den Weltfrieden gefragt, dass wir unsere unfertigen Gedanken dazu teilen. Sogar in Bestellungen für Traumfänger, wie natürlich auch im Wunschbrunnen tritt das Sehnen nach Weltfrieden auf. Da sitzen wir nun und meditieren darüber, wie man sich mit einem friedlichen Zustand für die ganze Erde intelligent beschäftigen könnte. Sicherlich sind wir nicht die einzigen, die darüber nachsinnieren. Und sicherlich haben wir keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Weltfrieden.

    Der Wunsch nach Weltfrieden

    Beim Wort "Weltfrieden" kommt ein Gedanke an einen Film mit Sandra Bullock hoch, in welchem sie bei einer Miss-Wahl am Schluss "Weltfrieden" sagen musste, um als Miss eine politisch glaubwürdige Identität zu erhalten. Weltfrieden ist so ein grosses Wort, weil es ja schliesslich die ganze Welt betrifft. Wie sollen wir damit umgehen?
    Der Wunsch nach Weltfrieden wird seit den Anschlägen in Paris und zuvor bei 9/11 immer stärker. Er drückt ein Sehnen aus. Dieses Sehnen zu verstehen, scheint auf den ersten Blick schwierig, denn die meisten Menschen haben die Terror-Anschläge ja nicht selbst miterlebt und sind nicht direkt davon betroffen. An schreckliche Bilder in den Nachrichten sind die meisten eher gewöhnt. Das Sehnen entsteht wahrscheinlich aus der Nähe zu Paris zum deutschsprachigen Raum. Damit wird es verständlicher: es wird eine Bedrohung wahrgenommen, die zu einem Sehnen nach Frieden führt, um die Bedrohung aus dem Weg zu schaffen. Die Häufigkeit der Nachfrage nach Weltfrieden weist auch auf eine Angst hin. Bei Terror weiss man theoretisch nie, ob man in einer grösseren Menschenmenge einer Gefahr ausgesetzt ist. Ist der Wunsch nach Weltfrieden von Individuen ausgesehen der Wunsch nach Unversehrtheit und Sicherheit? - Damit könnten wir aus schamanischer Sicht etwas anfangen.
    Der Gedanke steigt gerade auf, ob die Bart-Mode bei Männern, die seit einiger Zeit wieder modern ist, jetzt wieder abflachen wird? Die menschliche Wahrnehmung ist wie bei jedem Tier darauf ausgerichtet, Bedrohungen zu erkennen. So könnte ein dunkler Bart schon bald ein Erkennungszeichen für Terrorismus sein?
    Ehrlich? - Diese Gedanken bringen uns allesamt nicht wirklich näher zum Thema Weltfrieden. Aber sie lösen die Fixierung. Werfen wir also einen Blick nach innen.


    Schamanischer Frieden

    Die Gefühlslehre der Schamanismus Therapie nennt als Frieden einen Ort, der auf sicherem Boden von Ruhe und Liebe umgeben ist. Genuss und Zuversicht verlustieren sich darum und verleihen ihm seinen Zauber. Damit ist das Aufleben des Gefühls "Frieden" möglich, denn die empfundene Sicherheit findet sich wissentlich auch in der Zukunft. Man kann frei atmen. Nichts Schlimmes wird passieren.
    Innerer Frieden ist ein Zustand, der insbesondere von Ruhe durchzogen wird. Es gibt an diesem Ort keine Bedrohungen. Ängste haben aber am Ort des Friedens Zutritt und führen dazu, dass die Vorsicht auftaucht. Die Vorsicht sucht nach Bedrohungen und damit verlässt man den Ort des Friedens wieder.
    Innerer Frieden ist vielleicht nicht der Weg zu einem grösseren, äusseren Frieden. Innerlich ist das ein wundervolles Gefühl. Sobald es nach aussen kommt, kann es Ängsten ausgesetzt werden und ist vorbei. Könnte man dieses Gefühl auf die ganze Welt wirken, bestünde die Möglichkeit einer kurzzeitigen Symptombekämpfung.

    Krieg und Frieden
    Das Gegenteil des Friedens-Gefühls ist die Aggression. Dieser unwirtliche Ort wird genährt vom Unrecht und lässt die Kräfte von Wut, Hass und Rache frei fliessen. Seine Absicht ist das Finden neuer, eigener Sicherheit. Das Gegenteil des weltlichen Friedens ist der Krieg. Und sprechen wir vom Weltfrieden, ist der Weltkrieg zu nennen.
    Das Gegenteil von Terror ist: Sicherheit schaffen. Darunter ist fast schon ein Paradoxon versteckt: das Gegenteil hat das, was sein Gegenteil sucht.
    Wenngleich die innerlichen Gefühle den äusseren Zuständen ähnlich sind, folgen sie anderen Ordnungen. Die Ursache bleibt sich zumindest gleich: das Gefühl des Unrechts. Die Motivation ist das Durchsetzen des Eigenrechts.


    Was ist Krieg?

    Die Schamanenstube ist weder welt-, noch kaffpolitisch interessiert. Das schafft uns die Entschuldigung, naive Gedanken zu haben. Es mag zwei Grundmotivationen für Krieg geben: durch Unrecht entstandener Hass und finanzielle Interessen. Beide sind mischbar. Man stelle sich ein Land mit vielen Bodenschätzen vor. Man kann die dort lebenden Menschen durch gemeinsame Feindbilder zur Verachtung gegen potentielle Neider antreiben, sie mit einigen "Vorfällen" zu einem Wehren nötigen und sie dann von aussen als die Bösen hinstellen. So wechselt das Unrecht auf einmal die Seite und man kann in dieses Land einfallen und es besetzen. Das nennt sich einen Krieg anzetteln. Die Bodenschätze kann man ja nicht verkümmern lassen, also hilft man tatkräftig beim Wiederaufbau mit.
    Wir möchten erwähnen, dass wir keine Ahnung haben, wie es zum aktuellen Terror kommt. Auch sind wir Gegner jedwelcher Verschwörungstheorien. Aus der Gefühlsbewegung heraus betrachtet, sind diese weltpolitischen Gedanken zum Glück gar nicht relevant.
    Man spricht heute von der Idee eines islamischen Staats. In diesem Staat soll als Rechts-Instanz ausschliesslich Gott verantwortlich sein. Für die westliche Welt klingt das nach tiefem Mittelalter. Die Gefahr dabei ist, dass man als Gläubiger nun das göttliche Recht bekommt, Unrecht zu tun, solange es göttlich abgesegnet ist. Dadurch wird aus sonst vielleicht friedfertigen Religionen gemeinsamer Faschismus in Form von Kampftruppen, heute Zellen genannt. Diesen wiederum reichen die Feindbilder alleine aus.
    Ist als die emotionale Waffe "göttliches Recht" zu nennen, die man entwaffnen sollte? - Die Form der inneren wie äusseren emotionalen Rechtfertigung von Krieg ist allerdings nicht neu. Die Christen haben mit ihren Kreuzzügen in fremden Ländern oder mit Hexenverbrennungen auf eigenen Dorfplätzen identisch terroristisch agiert. Das Christentum gibt es noch heute, obschon man das alles weiss. Spricht man da eigentlich von extremistischen Einzelfällen? Die Lehre dieses Glaubens ist ja noch dieselbe. Vielleicht hat ja die Schamanenstube die Bibel 2.0 verpasst?

    Emotionale Entwaffnung
    Vielleicht ist weiter unten an der Wurzel des Übels, sprich am Punkt des empfundenen Unrechts ein Ansatz zur Entwaffnung auffindbar für einen Weltfrieden? - Man müsste wissen, wie man emotional mit Unrecht umgehen kann und gemeinschaftlich erschaffenes Recht stets neu hinterfragbar machen kann. Damit sind nicht nur staatliche Rechtsformen gemeint, sondern auch menschliches Verhalten wie Mobbing, Rufmord und gnadenloser Wettbewerb. Die emotionale Bewegung ist ziemlich sicher dieselbe wie im Krieg.
    Man müsste dazu therapeutische Camps einrichten, um die Verarbeitung von erlebtem oder gehörtem Unrecht anzugehen. Zusätzlich müssten Diskussionsrunden vorhandenes Recht stets relativieren. Das tönt nicht machbar.


    Religion und Glauben

    Religionen bieten gemeinschaftliche Zuversicht, Trost und emotionale Führung besonders in den wichtigen Lebensmomenten wie Geburt, Hochzeit und Tod. Man kann sich in Religionen behütet zurücklehnen (re-ligio) und muss nicht die ganze Verantwortung des Lebens selbst tragen. Es gibt immer etwas Höheres, das dafür zu sorgen scheint, dass alles richtig läuft. Das tönt verführerisch.
    Könnte es dem Menschen möglich sein, die Verantwortungen gänzlich selbst wahrzunehmen, bräuchte er keine Götter. Die westliche Zivilisation scheint sich besonders beim jüngeren Nachwuchs von den Göttern zu entfernen. Vielleicht sind die Enttäuschungen über schlechte Berufsaussichten etc. zu gross und empirische Beweise für Götter gibt es nicht für die aufgeklärte Generation.

    Die Mehrheit der Menschheit hat einen Glauben.
    Die Verantwortungsabgabe im Glauben setzt zwangsläufig eine Machtposition voraus. Eine Machtposition, die keinem gehört, weil sie ja nicht greifbar ist. Mit etwas Geschick lassen sich kleine Paradoxa erschaffen, wie "mit Gottes Recht ziehen wir in den Krieg", "für Gott und Vaterland" und "Gott ist gross".
    Könnte es ein Weg zum Weltfrieden sein, den Religionen und spirituellen Führern die Macht abzusprechen? Das hiesse für jeden, aufzuhören, an irgendetwas zu glauben und selbstverantwortlich zu werden.

    Spannend und als Einwand zu erwähnen ist, dass auch der innerlich empfundene Frieden von Zuversicht genährt wird. Zuversicht ist eine Form der Führung, die auf einem Glauben beruht, dass auch die Zukunft sicher ist.


    Ist Weltfrieden möglich?

    Die Kriege, von denen wir sprechen, sind rein menschliche Kriege. Die einen hauen den anderen auf den Kopf. Sie sind durch irgendwelche Glaubensvorstellungen und Feindbildern genährt. Emotional finden wir folgendes:
    • Menschen wollen an etwas glauben
    • Menschen wollen Recht haben
    • Menschen wollen Verantwortung abgeben
    • Menschen brauchen Sicherheiten
    Damit ist ein Weltfrieden in unseren Augen nur schwer möglich. Der Mensch ist wissenschaftlich gesehen tierischen Ursprungs. Eine Evolution dauert sehr lange. Selbst Charles Darwin muss man miteinbeziehen: was wäre, wenn es eine natürliche Ordnung in jeder Gattung gäbe, sich selbst in ihrer Zahl zu regulieren, damit die Art erhalten bleiben kann? - Dann würden Götter wieder Sinn machen, zumindest langfristig gesehen.
    Es bleiben unglaublich viele Fragen offen. Wir hätten auch schreiben können: wir haben keine Ahnung.











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