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Schamanenstube schreibt über Schamanismus

Der Schamanismus Club Schweiz: Menschen treffen sich in der Schamanenstube und beschäftigen sich mit Therapie

Jul
2013

21


Steiler Weg

Der steile Weg zu sich selbst

Wir merken immer wieder, wie schwierig sich der Weg gestaltet, so etwas wie "Schamanismus Therapie" zu erlernen. Insbesondere die Sommermonate zeigen: draussen in der Natur zu sein und dann noch das volle Programm der Schamanenschule zu erleben, ist sehr viel. Die TeilnehmerInnen-Köpfe schlagen so gegen 22:00 Uhr auf die Tischkanten vor lauter Überforderung. Und wir? Ja wir laufen erst warm und geben Vollgas.
Wir machen uns Gedanken, was denn so angstrengend ist. Die Gespräche in der Schamanenstube drehen sich um Gefühle, deren Kraftwirkung und deren Logik. Dies wird immer gleich praktisch angewendet in aktuellen Situationen der TeilnehmerInnen. In diese Grundbeschäftigung mit Gefühlslogik kommen therapeutische Vorgehensweisen, Gesprächsführung, Ideen-Vielfalt in der Rahmenbildung, Objektivitätenwechsel, Therapie-Ziele... und natürlich schamanische Gesichtspunkte und mögliche Ritualgestaltungen.
All das zur selben Zeit. Gleichzeitig. Gleichzeitig im schamanischen Rat, sprich auf einer schamanischen Reise, die neben all dem ständig läuft.

Das sind längst nicht alle Dinge, die in den Gesprächen laufen. Da sind viele kleine Details, die der Therapie-Arbeit Basis sind.
Wir wissen, dass all dies als eine Art Grundgefühl machbar ist. Und wir wissen, dass wir die Menschen in der Schule damit bis auf letzte Quäntchen fordern. Zweilen wird erst beim Erleben klar: emotionale Intelligenz strengt an. So richtig. Ob all ihrer wundervollen Klarheiten, ist sie extremes Hirnjogging.
Wenn man erst mal die Hürde der Unmöglichkeit, so zu denken genommen hat, ändert sich das aber: man erfährt darin eine Steigerung der Kraft.
Hier persönlich durchzubeissen ist hart.

So fragt sich die Schamanenstube, wie wir einen Mittelweg finden zwischen fast schon elitärer Hingabe und dem Erlernen des Weges, für sich selbst aus eigener Achtsamkeit Kraft zu schöpfen.
Wir wissen, dass es geht, diesen steilen Weg zu meistern. Für jeden.
Wie viel Durchbeissen dürfen wir zumuten?

Elefant
In so einer Ausbildung wie der unseren sind Erfolge wichtig. Vielleicht liegt hier eine weitere Krux: jeder in der Gruppe steht an einem anderen Punkt der Ausbildung. So bringt jeder nicht nur seine Lebenserfahrung in die Gesprächsthemen mit ein, sondern übt sich dabei auch in den erlernten Methoden. Manche scheinen grösseres zu leisten, als Anfänger. Das ist zwar normal, kann aber dennoch entmutigend empfunden werden. Damit denken wir, müssen wir leben. Uns freut es, wenn jemand von dem verblüffenden Erleben bei seinem ersten Krafttiertanz erzählt. Genauso wie es uns freut, wenn jemand aus seiner schamanischen Arbeit heraus etwas in alltäglichen Situationen bewirkt.

Sehr oft bemerken wir eine Konsumhaltung. Hilfe zur Selbsthilfe wird zwar als Grundlage vorgegeben, doch oft ist am Ende nur von Interesse, was die Schamanenstube sagt. Das liegt nicht in unserem Sinne. Unter Umständen kommt die Anstrengung aus dem Warten heraus, wann denn endlich eine mögliche Richtung erkennbar wird. Dessen sind wir uns bewusst und reduzieren immer wieder, bis hin zu dem Punkt, da wir unsere Gedanken nicht teilen, sondern die TeilnehmerInnen komplett selbst arbeiten können.


Der Club der Menschen

Sofern es die St. Galler Verhältnisse zulassen, werden wir wieder eine Gruppe unter der Woche haben. Eine neue A-Gruppe. Es kommt uns der Gedanke, diese Gruppe eher als eine Art Club zu führen. Ein Club von ernsthaften Menschen, die sich einmal die Woche trifft und an sich wachsen möchte. Dieser Rahmen zielt dann nicht wirklich auf schamanische Ausbildung im Vordergrund, sondern rückt diesen Punkt in den Hintergrund.
Auf diesem Gedanken aufbauend haben wir unseren neuen Flyer gestaltet, der bald schon in Winterthur ausgelegt werden wird. Werbung zu machen ist nicht unser Steckenpferd, wir fühlen uns dabei immer etwas seltsam. So haben wir den Text genommen, der ein erstes Betreten der Schamanenstube beschreibt: Auf dem Weg zur Schamanenstube.

Der Club könnte ein Mittwochs-Club sein. Damit fallen zwar die E-Learning Zeiten an den Mittwochen weg, doch das wird sich regeln lassen. Es ist ein Club, der gemeinsam über Innerstes redet, Rahmen bilden können will, gewaltfreies Kommunizieren übt und sich rauchend vergnüglich auch Köstlichkeiten hingibt.



Schamanenstube - Schamanismus und Therapie
Ich will mehr aus meinem Leben machen.

Dabei möchte ich die Freiheit, mich in sicherer Begleitung, aber mit meinen eigenen Schritten entfalten zu können.

Ein Gebäude tut sich mir auf. Warmes Licht strahlt durch die Fenster. Scheint ein Pub zu sein, denn das Schild über dem Eingang zeigt die klaren Umrisse eines gemütlichen Pubs. Soll ich eintreten? - Die Türen stehen offen und laden ein. Ich halte inne und besinne mich zurück auf meinen Weg, der mich vor diese Türen gebracht hat. Es ist mein Weg, mein ganz persönliches Denken und Erleben. Mag ich das teilen mit Fremden? - Werden sie mich verstehen? Ich möchte niemandem zur Last fallen mit meinen Dingen. Und doch, hier leuchtet ein Licht, das ich nehmen kann oder es weiter leuchten lassen kann.
Ich drehe mich um, sehe den Wald, den Weg, woher ich kam. Dort spüre ich die Sicherheit, so weiter zu machen wie bisher. Ich wanke. Mutig zu sein fällt mir schwer. Denn eigentlich geht es um mein Leben, meinen Sinn im Leben, meine Tränen und meine tief verborgene Trauer.
Es geht um mich.

So bin ich vorsichtig und wage einen Blick durch ein Fenster. Innen scheint es warm zu sein. Ein Feuer brennt, Menschen sitzen an einem langen Tisch. Sie unterhalten sich. Sie rauchen. Eine Flasche Wein und belegte Brötchen stehen bereit. Das scheint eine friedliche Runde zu sein. Jemand am Tisch erzählt etwas, die anderen hören zu, stellen ab und an Fragen. In ihren Gesichtern lese ich, dass sie gespannt einer Geschichte folgen. Hören sie jemandem zu, der ihnen von seinen Problemen erzählt? Ich kann niemanden erkennen, der das leitet, alle sind gleich auf und alle achten sich gleich wohl. Die kennen sich wohl schon seit Jahren, so eingehend und liebevoll wie sie miteinander umgehen.

Ich klopfe und trete ein. Sogleich steigt in mir ein Schuldgefühl hoch, ob ich wohl störe. Jemand steht auf, lächelt und begrüsst mich: "Ein Käffchen?".
Ich werde freundlich aufgenommen, Platz wird mir gemacht. Sie beziehen mich mit ein: "Wir sprechen gerade darüber, warum unser Kollege im Job ständig das Gefühl hat, nicht zu genügen. Magst Du zuhören?" - Ich nicke und halte mich an der eben gebrachten Tasse Kaffee fest.
Der Kollege erzählt, wie er sich innerlich genötigt fühlt, alles in seinem Job überkorrekt zu machen, mehr zu machen, als von ihm verlangt wird. Meine Tisch-Nachbarin bietet mir eine Zigarette an und schiebt einen Aschenbecher in meine Richtung. Ich fühle mich willkommen. Alle sind tief ins Thema versunken und lassen die Worte auf sich wirken. Ab und an notieren sie sich Dinge. Ich spüre, wie sich alle intensiv auf den Erzähler einlassen und sich kümmern.
Das rührt mich.

"Was meinst Du, woher kann denn so ein übersteigertes Pflichtbewusstsein kommen?", meint jemand zu mir. - Hui, jetzt bin ich wohl dran und soll was sagen? Ich antworte, gerade etwas überrumpelt zu sein, jetzt einfach schon meine Gedanken zu teilen. "Das macht nichts, wir sind alle nur Menschen. Deine Gedanken sind uns wichtig." Ich äussere, dass es mir oft ähnlich ergeht, tauche aber nicht zu sehr in meine Geschichte ab, um den Fokus auf den eigentlichen Erzähler nicht zu verlieren.

Sofort wird nachgefragt, wie ich denn aus diesem Drang jeweils wieder heraus komme. Einer am Tisch kommentiert die Frage mit einem Fachwort: "Ressourcen-Aktivierung". Das bringt mich etwas aus dem Konzept und macht mich gleich gwundrig. "Lernt ihr hier?"
"Ja, wir sind eine Schule für Schamanismus und Therapie. Wir vereinen schamanische Wahrnehmung und Wirken mit therapeutischen Methoden. Es geht um andere Wahrnehmungen, andere Sichtweisen und Objektivitäten, um sich Problemen anzunehmen. Eigentlich nur Technik, die sich weit ausdehnt und Zusammenhänge klarer erkennen lassen kann."
Das Gespräch nimmt seinen Lauf. Ich werfe irgendwo die Frage ein, ob der Kollege denn schon als Kind diesen Drang zum Perfektionismus hatte. Da streckt mir eine Person ihre Notizen entgegen: "Schau mal, das sind die Familienkonstellationen." - Ich sehe einen kleinen Stammbaum, Kinder, Eltern und auf einer Seite auch Grosseltern. Der Vater hat die Hosen an, so wie er gezeichnet ist. Die Mutter wirkt gebückt. "Hier haben wir die Ordnungen der Familie aufgezeichnet, um den Aspekt greifbar zu machen, woher die Pflicht ursprünglich vielleicht herkommt."
Das Gespräch dauert lange. Zwischendurch werden Köstlichkeiten gereicht, die die Anwesenden mitgenommen haben. Ein schöner Abend, als ob ich direkt in einen Freundeskreis aufgenommen wurde, von denen ich vorher niemanden kannte. Auf meine Frage, wie lange sie sich denn schon kennen, antworten einige mit "Ich bin schon fast ein Jahr dabei", andere antworten mit "seit einem Monat" und wieder andere sind heute erstmals dabei wie ich.
Die Gastgeber lächeln mich an: "Wir sind eine Schule und zugleich eine Praxis. Therapeutisches Lernen steht im Vordergrund. Wir versuchen mit Techniken wie z.B. der Gesprächsführung, Menschen Rahmen zu bieten, sich entfalten zu können und selbst auf neue Ideen zu kommen. Dabei lösen wir nicht ihre Probleme, sondern helfen, Probleme selbst in Angriff nehmen zu können."
Ich höre von ernsthaften Menschen an diesem Tisch, die gerade Dinge aus ihrem Leben angehen, wie Jobsuche, Partnerverlust, starke Schuldgefühle, und viele weitere Lebensthemen. Eine Art Selbsthilfegruppe, die sich aber mit aktiver Hilfe auszukennen scheint. Ab und an werden Techniken erwähnt. Die Kursleiter scheinen zu wissen, was davon ich verstehe und was nicht, so führen sie immer wieder in meine und andere Richtungen Details aus. Von Krafttieren, Weltenwechseln, einem Rat der Geister und von vielen anderen Dingen wird gesprochen.
Alle sind emotional sehr bewegt durch die Gespräche und Aktionen. Gleichzeitig wirken sie sichtlich ruhig und gefasst. Eine innere Zufriedenheit scheint sie zu tragen. Hier wird ernsthaft tiefgründig gearbeitet, hier taucht man ein in die Geschehnisse des Lebens. Kein oberflächliches Kratzen, keine Selbstdarstellung.
Und immer wieder die Moderation, immer wieder Hinweise auf Richtungen, wie sich neue Rahmen entwickeln können, die trotz ihrer Einschränkung die Freiheit erlauben, weit über den Horizont heraus neue Gedanken fassen zu können.
Es geht mir gut.
Hier ist Leben.





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