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Schamanenstube schreibt über Schamanismus

Ritual zur Demut beim Sonnenaufgang - die Macht über den Tag und das liebende Gefühl des Besitzes gegenüber dem Ort.

Okt
2019

03


Sonnenaufgang

Bevor die Sonne aufgeht

Vielleicht bist du gerade wach noch bevor die Sonne aufgeht. Du bist in den Ferien und hast die Nacht in einem Hotel verbracht. Du betrittst auf leisen Sohlen den Balkon, rückst den Plastikstuhl geräuschlos gen Osten und setzt dich hin. Eine Decke hält die Wärme des Schlafes um dich.
Du siehst den Ort. Du siehst die Häuser. Du siehst die Kulisse für das Leben der Menschen an diesem Ort. Bald geht die Sonne auf. Sie wird über diesen im Dunklen liegenden Häusern, Strassen und Plätzen aufgehen. Sie wird die Menschen aus ihren Häusern kitzeln, sie herauslocken, sie in ihr Tagesleben ziehen.
Du denkst: „Was für Menschen werden hier rauskommen?“
Die Sonne geht über allen Dächern der Welt auf und überall erweckt sie den Tag, erweckt sie das Leben: dieses Leben, das da wuselt, Absichten verfolgt, Gesinnungen in sich trägt und der Gerechtigkeit des Ortes folgt. Was für Menschen werden hier sein?
Und für den einen Moment, bevor die Sonne das Leben langsam entfacht, denkst du: „Jetzt ist alles schön, jetzt ist alles gut.“


Demut

Die Sonne geht unweigerlich auf. Es mag bis weit über eine Stunde dauern, bis erste Menschen Bewegungen zwischen die Häuser bringen. Alles ist noch ruhig, auch wenn schon einige unterwegs sind. Es sieht aus wie eine Ameisenstrasse, die sich zielgerichtet in verschiedene Richtungen bewegt. Bis dann, ja bis einer ein Geräusch macht, das die Stille durchbringt. Ab da wird es hektischer, ab da wird es lauter, ab da wird es Menschentag.
Wer die Demut schamanisch bereist, kommt womöglich zu einer ähnlichen Essenz über die Demut wie wir: „Es ist, was ist“. Darüber hinaus passiert beim Betrachten der über einen Menschentag aufgehenden Sonne etwas Sonderbares: der Tag wird anders verlaufen, als unterschwellig negativ vermutet. Er wird gut verlaufen, die Menschen werden freundlich sein, Begegnungen interessant und man wird Teil dieser Menschen.


Beeinflussung durch Demut

Ein kleines Ritual für Frühaufsteher kann den Tag formen: „es ist, was ist“. Die Sonne erweckt den Ort. Dieser kann einem gut gesonnen oder nervig sein. Das Wissen über die Ruhe, über die Reinheit am Morgen vor dem Licht verändert, was man an diesem Tag erlebt. Natürlich verändert es in erster Hinsicht die eigene Wahrnehmung. Das ist sehr wichtig. Aus der Kraft der Demut in schamanischem Sinne entsteht eine Macht. Du hast die Sonne gesehen, warst ihr nahe. Noch bevor der Ort erwachte, hast ihn mit all seinen Nischen gesehen. Damit weisst du, wie er ist. Damit weisst du, wie seine Grundmauern sind. Damit kennst du seine Ordnung. Und das verändert dich selbst und damit die Menschen um dich herum.
Altklug könnte man sagen: Wissen ist Macht. In diesem Fall stimmt das. Wer einen Ort kennt, kann eine Macht über die Geschehnisse an sich nehmen. Diese Macht ist aber nicht negativ zu verstehen. Es gibt positive Macht. Es handelt sich bei der Demut um eine Macht, die daraus entsteht, dass man Dinge auf besondere Weise wahrnimmt. Eine Hilfe dazu: man kann nur lieben, wovon man das Gefühl hat, es gehöre einem. Auch das ist nicht so schnöde als Besitz gemeint, wie es tönt. Der liebevolle Blick auf einen Ort am frühen Morgen kann einem diesem Ort nahe bringen. So nahe, dass man das Gefühl bekommt, ihn gerne zu haben. Damit „gehört“ er einem ein Stück weit. Aus diesem „Besitz“ entsteht die Möglichkeit, die Geschehnisse des Tages in diesem Ort mit zu formen. Zumindest für einen selbst.
Abgeschwächt formuliert: wer mit einem Lächeln durch die Strassen geht, begegnet freundlichen Menschen. Das Lächeln darf aber echt sein. Die Liebe zum Ort erlaubt eine Echtheit in sich selbst und wirkt auf die Menschen und Geschehnisse.

Es ist einem freigestellt, etwas Angst in diesen „Besitz“ hinein zu drängen und damit gewappnet für Negatives zu sein. Jede Form von Schutz hat im Schamanismus die Wirkung von Aggressivität.

Sich selbst mit in den empfundenen Besitz zu stellen, Teil zu sein und mit dem eigenen Bewegen die Strömungen der Geschehnisse liebevoll zu beeinflussen, kann wunderschöne Tage für alle erschaffen.


Dieser Bericht findet sich auch im Schamanismus Magazin.






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