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Schamanenstube schreibt über Schamanismus

Die spirituelle Marktentwicklung im deutschsprachigen Europa. Was sind die Bedürfnisse für Esoterik und Religion, wie hat sich Schamanismus entwickelt?

Mar
2017

28


AlleeDie Schamanenstube ist derzeit mit vielen Anbietern aus dem deutschsprachigen Europa-Raum in Kontakt. Die Welt der Spiritualität scheint sich in einem Wandel zu befinden. Wir nehmen eine Zweiteilung wahr: einmal in Richtung seichte Esoterik, einmal in neue Formen von Therapien auf professioneller Ebene. Um uns dem Thema Spirituelles und Esoterik zu nähern, möchten wir einige Begrifflichkeiten etwas ausführen.


  • Spiritualität
    Das Wort Spiritualität stammt aus dem Lateinischen und meint: Hauch. Spiritus ist der Atem. Mit Spiritualität ist das gemeint, was nicht greifbar ist. Das führt zum sog. Geistigen, auch zur Philosophie und zur Religion. Man kann "einfache" Spiritualität und religiöse Spiritualität unterscheiden. Erstere setzt keinen formulierten Glauben voraus.

  • Religion
    Lateinisch: re-ligare, sich anbinden, sich rückbinden. Unklar ist, ob Religion von re-legere abstammt. Dann würde es "wieder betrachten, wieder lesen" heissen. Die Rückbindung ist die wahrscheinlichste Wortherkunft. Die Bewegung im Wort ist ein Anlehnen. Man kann sich z.B. gut an festgelegten Glaubenssätzen anlehnen. Eine Religion braucht eine Theorie über die grossen Menschheitsfragen: wo kommen wir her, wie entstand alles, was ist nach dem Tod? Anhand dieser Lehre werden Regeln aufgestellt. Eine Religionsgemeinschaft glaubt an diese Lehre und versucht die Regeln zu befolgen. Gesellschaftlich gesehen wirken diese Regeln oft sinnvoll, wie z.B. bei den Christen "du sollst nicht töten" oder bei den Buddhisten: "du sollst nicht Neid erzeugen". Durch diese Gesetzgebung auf moralischer Ebene erreichen einige Religionen eine staatliche Machtstellung.

  • Esoterik
    Griechisch: innerlich. Es gibt zwei grosse Auslegungen des Wortes innerlich:
    1. Ein durch Innenschau erwirtschaftetes Wissen
    2. Ein nur einem inneren Kreis zugänglichen philosophischen Wissen
    Das Gegenteil von Esoterik nennt sich die Exoterik: das meint allgemein zugängliches Wissen oder die empirische Erforschung der Welt, sprich die Wissenschaften

  • Schamanismus
    Das Wort Schamanismus ist nicht allgemeingültig definiert. Es gibt aus verschiedenen Bereichen Definitionsversuche, wie der Ethnologie, der Anthropologie und anderen Richtungen. Ein Ismus kann eine Lehre beinhalten, Ismen können aber auch einfach das beinhalten, was sie benennen: hier die Schamanen.
    Die Schamanismus Therapie verwendet die Hauptmerkmale des Schamanismus auf therapeutischer Ethik: schamanisches Reisen und schamanisches Wirken in Ordnungen.

  • Seele
    In vielen religiösen Bereichen wird Seele als unsterblicher Teil von Lebewesen angesehen, wobei es nicht in allen Religionen z.B. Tierseelen gibt. Die Schamanismus Therapie versteht unter dem Begriff Seele die Gesamtheit der Gefühle. Ob unsterblich oder nicht, ist wieder eine Frage des Glaubens. Seelenteile sind oft an Orte oder Erinnerungen gebundene Gefühlsteile. Die schamanische Technik der Seelenteilrückholung befasst sich mit der Reintegration verdrängter oder verlorengegangener Gefühlsteile. Fälschlicherweise wird dies heute gerne als "Seelenrückholung" bezeichnet. Ein ganzes Gefühl zu verlieren, dürfte aber selten sein.


Ei mit Gesicht

Spirituelle Bedürfnisse

Warum haben Menschen das Bedürfnis nach Spiritualität, was steckt dahinter?
Die moderne Welt ist mit wissenschaftlichen Theorien heute aufgeklärter als wahrscheinlich je zuvor. Das Allgemeinwissen verändert sich. Man kommt zusehends in die Lage, die grossen religiösen Fragen erklären zu können. Man spürt teilweise in der Anwendung neuen Wissens, dass Glauben an höhere Mächte auszusterben beginnt. Dieser neuen Realität fehlt es aber an der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse wie z.B. dem Trost. Dass es eine starke Richtung in die Religionslosigkeit gibt, ist neu. Wir versuchen, spirituelle Bedürfnisse anhand von Gefühlen und Bedürfnissen zu erklären. Vielleicht ergeben sich dadurch alternative Methoden, diese zu erfüllen.


Stolz
Europa ist vielleicht zu einem grossen Teil ein Dienstleistungsgebiet. Vielerorts herrscht in der Arbeitswelt Stress vor. Man versucht wie früher ein gutes Bild von sich nach aussen abzugeben. Die Arbeitsleistung empfindet man als erhöht und der psychische Stress nimmt zu. Das mag auch an der Änderung der sozialen Kontakte liegen, die sich in Richtung soziale Medien entwicklen. Eine Aussage darüber können wir aber sicher nicht fundiert machen. Wir können aus unsererm Erleben sagen, dass Stress sehr häufig vorkommt. Stress führt gerne zu einer Verminderung des Selbstwertes. Es muss immer mehr geleistet werden, um noch stolzberechtigt sein zu können. So muss man sich immer mehr Verantwortung aufladen. Daraus resultiert der sogenannte stolzlose Erfolg. Eine Zeit lang gab es sogar eine regelrechte Burnout-Welle. Gegen aussen mag das eigene Bild stimmen, im Innern (esoterisch) aber gar nicht. Ein Grundbedürfnis auf emotionaler Ebene meldet sich: man will Verantwortung abgeben können. Da helfen Religionen und Spiritualität. Das Bedürfnis nach Spiritualität durch den Wunsch nach emotionaler Verantwortungsabgabe . Das kann in Form von Rechtfertigung oder Trotz stattfinden. Hilfreich können Gespräche sein. Im spirituellen Bereich finden sich viele Menschen, die zuhören. Man muss aufpassen, nicht an emotional machthungrige Menschen zu gelangen, denn das Angebot folgt auch hier der Nachfrage.


Trost
In einigen Teilen Europas haben die Religionen einen schweren Stand. Die Problematik liegt teilweise in ihrer Glaubwürdigkeit, aber sicher auch in veralteten Ausübungsformen. Die Kirchen läuten immer noch, verlieren aber die arbeitende Bevölkerung damit eher. Etwas, das die Arbeitsleistung stört, mag man nicht.  In der heutigen Zeit wird durch verschiedene Religionen auch klar: sie bilden gerne Rechtfertigungen und Ursachen für Kriege. Ohne Religion gäbe es weniger Kriege. Das hat sich seit den Kreuzzügen nicht geändert. Das von grossen Kriegen in den letzten 70 Jahren verschonte Europa mag dies spüren.
Der Preis für die Abwendung von Religionen: es fehlt die Befriedigung des Trost-Bedürfnisses. Dieses Bedürfnis will gedeckt werden. Wenn man nicht mehr zum Pfarrer geht, um Trost zu finden, wohin soll man dann? - Eine Eigenschaft des Trostes ist: es braucht dazu immer eine Machtposition. Man vertraut demjenigen, der Trost spendet. Das Bedürfnis nach Trost führt zu Formen einer Trost spendenden Spiritualität. Diese muss zwangsläufig machtbehaftet sein.
Wir erleben heute sozialen Medientrost. In Live-Videos auf Facebook wird zu ganzen Gruppen aus unbekannten Menschen gesprochen, die per Kommentar versuchen, zu helfen und trösten. Viele schreiben dort und haben natürlich keine Fachkenntnisse. Es ist ein gutes Gefühl, zu Trösten. Das hebt den eigenen Selbstwert. Wir haben uns das einmal angeschaut und sind mit unseren Eindrücken noch verwirrt.


Zugehörigkeit
Der Mensch ist ein Herdentier. Eines unserer Grundbedürfnisse ist die Zugehörigkeit. Als vorteilhaft empfindet man eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, die gleich oder zumindest ähnlich denken. Die Wissenschaft gibt heute Antworten auf Fragen, die früher vielleicht noch zur Gruppenbildung geführt haben. Die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften flacht ab. Vereine decken einen grossen Teil ab, aber die Vereinsbeschäftigungen sagen nicht allen Menschen zu.
Spiritualität und Philosophie sind in einem Atemzug zu nennen. Nur ist die Philosophie nie zu Ende, sie hört nicht auf. Hier ist Stoff für Diskussionen, um gemeinsam etwas heraus zu finden, und sei es im Kleinen.


Verantwortungsabgabe
Wir hören aus Kreisen der Kindererziehung, dass den Kindern zuweilen sehr viel emotionale Verantwortung übertragen wird. Die Eltern wissen keinen Rat, wenn es um zwischenmenschliche Probleme geht und übertragen die Verantwortung dafür den Kindern selbst. Damit kommen Kinder aber nicht klar. Gelegen kommen da ADHS und Kristallkinder. Es gibt in der Welt der Esoterik viel Rechtfertigung, selbst gut da zu stehen. Besonders für eigene Schwächen gibt es esoterische Gründe, für die man nichts kann. Sei dies Karma oder eine Verfluchung. Man kann ja nichts dafür. Diesen aktiven Verdrängungsprozess halten wir für ungesund. Wir denken, sich etwas zu gönnen, vielleicht Wellness, kann einen auf sich selbst eher rückbesinnen. Selbstreflexionen könnten eine Entwicklung in die Wege leiten.


Verstand und Unerklärliches
Unsere Welt ist so vielfältig, dass wir manchmal den Überblick verlieren und uns gewisse Dinge nicht erklären können. Man will sich vielleicht auch nicht mehr alles erklären können. Seltsames darf in den Bereich der Spiritualität gehören, hat aber mit dem Leben nichts zu tun. Dieser zuweilen gesunde Mechanismus weckt das Bedürfnis auf anderer Seite, Lehren und Erklärungen zu finden. Die Quantenphysik ist ein typisches Beispiel. Die Wissenschaft sagt, sie verstehe die Vorgänge im Quantenbereich nicht. Es bietet sich an, eine spirituelle Erklärung dafür zu haben und die Quanten gleich richtig anwenden zu können. Spirituelle Wissenschaft versucht den fehlenden Trost noch zu retten. Das wird ziemlich sicher scheitern.




Esoterik Marktentwicklung

Spirituelle Marktentwicklung

Die Schamanenstube beobachtet den deutschsprachigen Raum in Europa. Das sind v.a. die Schweiz, Lichtenstein, Deutschland und Österreich. In diesen vier Ländern zeichnen sich verschiedene Markttrends ab. Aus Lichtenstein haben wir leider keine Eindrücke. Unsere Wahrnehmung der letzten 30 Jahre in der Schweiz lässt sich beschreiben: nach der Hellseherei und Magie kam eine Buddhismus-Welle auf, die sich lange hielt. Das Ende der 70er Jahre brachte den Wassermannzeitalter-Trend eher zu einem Ende. Das verlangte nach neuen Richtungen. Channeling stand im Kurs. Reiki kam dazu, aber auch TCM. Die Scientologen und andere Sekten tauchten auf. Nachdem die Reiki-Einweihungen auch per Ebay kaufbar wurden, hielt sich kurz die Quantenheilung und schwappte in eine für uns unselige Schamanismus-Welle um. Diese versucht sich heute in Richtung schamanisches Yoga und schamanische Hypnose zu entwickeln. Weg vom Erdigen, hin zu Losgelöstem. Den Schamanismustrend haben wir nie verstanden: Schamanismus an der Wurzel ist ein harter Weg, sehr komplex und bodenständig. Er bietet weder Trost noch Anerkennung, zumindest nicht in seiner glaubensfreien Form. Er erlaubt eine Machtergreifung, die wir für gefährlich halten.


Spirituelle Schweiz
Es gibt viele Schweizer esoterische Angebote. Nichts scheint im Moment wirklich Fuss zu fassen. Engel und Mystizismus sind wieder eher im Kurs. Die Schamanenwelle hat die Schweiz vor einigen Jahren erreicht. Diese flacht in unserer Wahrnehmung derzeit etwas ab. Das ist gut. Einiges bleibt: die Visionssuchen und die Naturhochzeiten. Vielen Schweizern scheint es emotional schlecht zu gehen. Psychotherapie ist verschrien, man sucht sich andere Therapie-Formen, die nicht Therapie heissen. Sind diese glaubensfrei, scheinen sie mehr Erfolg als andere zu haben. Das bedingt allerdings, dass sie fundierte Kenntnisse über psychologische Abläufe aufweisen. Wir nehmen einen Trend wahr, Spirituelles eher als emotionale Wellness konsumieren zu wollen. Das kann sich produktiv entwickeln.


Deutschland
Die Schamanen-Hochkultur lebt voll auf. Messen und Veranstaltungen werden im grossen Stil die ganze Esoterik beinhaltend aufgezogen. Wir blicken da nicht durch. Es gibt schamanisches Yoga und hypnotischen Schamanismus, Druiden wetteifern mit Hexen. Das Machtverhalten von Anbietern nehmen wir sehr stark ausgeprägt wahr. Es gibt in Deutschland aber eine auch für uns ernsthafte Linie: helfende Bestrebungen werden mit professionellen Formen gemischt, die sich auf einer menschenachtenden Ethik bewegen. Diese gehen derzeit in der Überfüllung mit Schamanen noch unter.


Österreich
Ebenso hier findet sich ein Schamanismus Trend auf hohem Niveau. Vieles wirkt seltsam auf uns. Man spürt wie in Deutschland in den Formulierungen von Anbietern heraus, dass sie von der eigentlichen Materie nur bedingt eine Ahnung haben. Die meisten Angebote sind neu und viele scheinen sich nicht lange zu halten. Schöne Züge gibt es in der Vereinigung von Wellness und Spiritualität. Der Knackpunkt hier könnte sein, dass die Macht aus der Spiritualität weichen muss, um wirklich Genuss erleben zu lassen. Hier ist Österreich immer schon vorne mit dabei gewesen: Wellness, Genuss und Entspannung. Ein schöner Trend, der sich durchsetzen könnte.


Wahrnehmungen der Schamanenstube

Die Zweiteilung der Spiritualität in extrem machtvolle und in therapeutische Vorgehen trennt den Markt. Die menschlichen Bedürfnisse wollen erfüllt werden. Wir sind gespannt, wie sich das alles in den nächsten Jahren weiter entwickelt. Wir denken, es wird sich noch einiges tun. Vielleicht ändert sich sogar Luke Skywalker's Spruch in: "Spüre den Therapeuten in Dir".
Viele Anbieter sind wirklich liebe Menschen, die es gut meinen. Dieser grosse Teil der spirituell Arbeitenden darf nicht vergessen werden. Besonders im schamanischen Bereich gibt es spürbare Hingabe, z.B. auch bei den Herstellern von Gegenständen. Am sinnvollsten wäre es, die seichte Esoterik weicht professionellen Therapieformen mit Krankenkassenanerkennung.





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