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Schamanismus Forum


Schamanische Reisen, deine Fragen zu Utensilien, Trommeln, Rasseln und zu schamanischer Wirkung wie Technik
Germanischer/ nordischer Schamanismus

Gast schreibt am 31.03.2020



---,
ich bin eigentlich eher in Asatru- Foren unterwegs und lebe/ praktiziere
seit Jahren, das germanische Heidentum.
Da ich,was meine persönliche Ritualpraktik anbelangt, aber immer auf der Suche nach Verbesserungen oder neuen Impulsen bin, wollte ich mal fragen ob es hier bei euch Schamanen gibt, die sich der germanischen Strömung zuordnen oder sich vielleicht sogar mit finnischem / sibirischem Schamanismus beschäftigen und vielleicht Ideen oder Vorgehensweisen aus ihrer eigenen Praxis haben, die ein germanisches Blot bereichern könnten?!

Gruß: Widulf




  • Schamanenstube

    Hallo Widulf, Schamane nennt sich hier niemand, wohl aber schamanisch Praktizierend. Wir haben germanische Elemente in unserem Fundus. Das erste sind wohl die Runen. Diese gehen wir komplett anders an als überliefert oder "angenommen". Wir bereisen die Runen auf schamanische Weise und nutzen ihre Kraft. Dies ohne das "Wissen" über ihre Bedeutungen. Das macht sie für uns authentisch und das wichtigste: individuell.
    Die Finnen mögen wir sehr, aber Rituale haben wir wahrscheinlich keine aus dieser Region.
    Wir sind glaub nicht sonderlich hilfreich hier. Deinen Gruss löschten wir aus der Begrüssung. Wir verstehen zwar, wie er gemeint ist, aber das ist hier nicht der Ort dafür.
    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Gast

    GUTEN TAG
    - wenn das besser ist.
    Ich verstehe durchaus das so ein Gruß, gerade hier zu Lande auch ganz anders rüberkommen kann.
    Ich sehe es nur nicht ein, das die Faschos ihn für sich beanspruchen, da er ja sozusagen als ganzheitlich bringender Segen gemeint ist.
    Andere Sache: Ich finde es gut das sich hier nicht jeder gleich "Schamane" nennt- nichts für ungut, aber was man so im Internet z.B. alles unter dem Begriff findet, das ist ja zum Teil gar nicht mehr lustig.
    Im übrigen geht es mir ja gerade darum, die Dinge die ich aus der Asatru- Tradition kenne, mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Von daher finde ich die schamanische Vorgehensweise schon sehr interessant, da ja gerade den Asatruern nachgesagt wird, wir wären viel zu rational und würden beispielsweise zu wenig auf unsere Intuition hören und so.
    Ich meinte im übrigen jetzt auch nicht direkt, authentische Rituale der Sami oder Mari (das würde für mich auch in Richtung Kulturdiebstahl gehen), sondern eher davon inspiriert, was uns stärker mit unseren eigenen Wurzeln ( rück-) verbindet.

    Asensegen: Widulf


  • Gast

    Ich hatte vorhin noch was geschrieben, aber das kam hier wohl leider nicht an!
    Da hatte ich versucht klarzustellen, das der Begriff den ich gewöhnt bin, als Anrede oder Gruß zu verwenden, nichts mit einem gewissen Scheitelträger mit lustigem Bärtchen zu tun hat.
    Aber eben weil ich ja als Asatruer
    am " falschen Ort " bei euch bin, würde mich die intuitiv- schamanische Sichtweise in diesem Forum interessieren, um die Dinge sozusagen ganzheitlich betrachten zu können.

    Gruß: Widulf


  • Schamanenstube

    Lieber Widulf
    Wir freuen uns über Dein Verständnis wegen dem Grüssen. Denn wir wissen, dass der Gruss bei Asatruern Gang und Gäbe ist. Ja, schade, dass er nicht mehr benutzbar ist. Als wir unser kleines Runenbüchlein veröffentlicht hatten, hatten wir viel mit „extremen“ Posts zu tun. Darum geht es auch immer eine Weile, bis auf diesen Seiten etwas erscheint. Wir prüfen alles, bevor wir es freischalten. Das dauert manchmal.
    Das Forum hier war einmal recht gross und technisch komplett anders. Wir haben uns weit aus der Schimpanski Szene zurückgezogen. Darum läuft hier auch nicht mehr viel. Früher war Schamanismus sehr ruhig und eher unesoterisch. Heute ist alles anders. Selbst wer nach therapeutischer Ethik handelt und keine Machtposition nur wegen einer Trommel an sich reisst, hat es schwierig. Die Kundschaft hat sich an Esomüll gewöhnt und verlangt diesen. Das Wort Schamanismus hat vielleicht ähnlich gelitten, wie der Asengruss.

    Zum Thema: dem Bedürfnis, dich näher mit Deinen Wurzen rückzubinden. Im Schamanismus bereisen wir praktisch alles mit unserer schamanischen Reise. Was dort heraus kommt, ist immer subjektive Interpretation. Das macht sie insofern brauchbar, da das Reisen immer nur persönlich betrachtbar bleibt. Es gibt viele Techniken, wie man diese Wahrnehmung auf den Reisen klarer hinterfragen kann. Wir gehen nie davon aus, dass eine Wahrnehmung direkt stimmt. Da gibt es z.B. Perspektivenwechsel, mit denen man dieselbe Situation aus anderen Winkeln betrachtet. Bis alle "Winkelblicke" zusammen passen und Sinn machen, kann es zuweilen eine Weile dauern.
    Auf diese Weise bereisen wir auch unsere Ahnen. Damit meinen wir die direkte Blutslinie, was nicht unbedingt auf der gleichen Örtlichkeit bleibt. Es gibt bei uns zum Beispiel das Ahnenfeuer, an dem man die Ahnen bis weit zurück versammeln kann. Die Diskussion im sog. Ahnenrat ist wieder persönlicher Natur. Wir suchen nicht wirklich nach Fakten, wie es den Ahnen erging, sondern wie sie uns heute helfen können. Oft braucht es da Mitbringsel wie Wein, um ins Gespräch zu kommen.
    Die angesprochene Verbindung stellen wir mit diesen eigenen Ahnen her. Da gibt es z.B. den Ahnenstab, der wie das Rückgrat des Schamanisierenden fungiert und die Ahnenlinie von hinten her aufreiht. Weiter bitten wir einen Ahnen, in unser sog. Seelenhaus einzuziehen. Das ist ein Ort im eigenen Unterbewusstsein. Dort soll er oder sie nach dem Rechten sehen, wenn er das möchte. Auf diese Weise verbinden wir die Ahnenkraft mit unserer eigenen Lebenskraft, die wir im Seelenhaus stellvertretend horten.
    Du merkst, wir sind praktisch orientiert. Was bringen uns die Ahnen - ist meist die Frage. Und da lässt sich viel erwirtschaften.
    Die Versammlungen und Mithilfen der Ahnen mögen etwas romantisiert klingen. Die Ahnenarbeit ist das aber eher weniger. Teilweise muss man Streit zwischen Ahnen klären, damit ein Paar heute z.B. ein Kind bekommen kann. Ahnen können sehr stur sein.

    Eine Verbindung zwischen den Asen und schamanischen Weltbildern mag in der Weltentrennung liegen. Damit meinen wir Asgard, Midgard und Utgard. Dies spiegelt sich im Modell der Ober-, Mittel- und Unterwelt im Schamanismus. Aber das ist nur ein Modell, das Anfängern im Schamanismus helfen soll, diese Anderswelten etwas einordnen zu können. Das Modell stimmt bei uns dann nicht wirklich mit den Bewegungsmöglichkeiten überein, weshalb man es recht schnell wieder verwirft. Dennoch nutzen wir es, weil es nichts Besseres gibt.

    Du siehst vielleicht: was wir Dir erzählen können, ist immer nur persönlicher Natur. Wissen über die Asen im Speziellen ist nicht wirklich vorhanden. Wie man sich zu den eigenen Wurzeln rückverbindet, das ist aber starker Teil schamanischer Praxis. Vielleicht kennst Du jemanden, der mit Dir eine Reise an Dein Ahnenfeuer machen kann. Es wäre sicher spannend für Dich zu sehen, was Deine eigenen Ahnen meinen.

    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Gast

    Vielen dank, für die ausführliche Antwort. Im Heidentum wird ja immer viel von den Ahnen geredet, leider ist unser Kontakt mit ihnen, eher einseitig, da wir sie zwar zu den Blots und anderen Ritualen einladen, sie ehren und ihnen opfern, aber das wars dann auch schon gewesen.
    Find ich gut das es bei euch anscheinend verschiedene Mittel und Wege gibt, mit den Verstorbenen in gegenseitigen Austausch zu treten.
    Meine Frage wäre, ob es sich bei dem Ahnenfeuer um ein Feuer im physischen Sinn handelt, oder um etwas, das auf einer anderen Ebene existiert?

    Asengruss und Wanensegen:
    Widulf


  • Schamanenstube

    Lieber Widulf

    Das Ahnenfeuer kann beides sein. Jetzt wird es schamanisch-komplex...
    Im Schamanismus wird oft eine Art Brücke zwischen Anderswelten und realer Welt geschlagen. So auch mit dem Ahnenfeuer. Prinzipiell existiert es in der Anderswelt, genauer gesagt in jeder Geistwelt an einem Eingang. Die Vorstellung ist, dass jeder seine eigenen Geistwelten hat und es zusätzlich die - und wir sind beim Modell - mittleren Welten gibt. Die sogenannte untere Geistwelt kann das Unterbewusstsein darstellen. Dieses ist an verschiedenen Punkten mit dem Körper verbunden, was vielleicht die Psychosomatik etwas erklärt. So hat jeder ein Ahnenfeuer am Eingang zu seinem Unterbewusstsein. Wie gesagt, Modelle funktionieren als Orientierung, selten als genauere Erklärung.
    Man kann an sein Ahnenfeuer treten und hier im Alltag gleichzeitig ein Feuer entzünden. Dabei wird die Flamme zumindest symbolisch aus der Anderswelt genommen und damit das Feuer hier entzündet. Hier wird ein Feuerzeug oder Streichholz verwendet, welches im Feuer der Geistwelt entzündet wird. Da gibt es aber keine Spontanentzündung, sondern man betätigt das Feuerzeug effektiv. Manche arbeiten da mit Tricks, um andere zu beeindrucken. Wenn es um "Operationen" am Körper geht, kann ein zerquetsches Blutplasmakügelchen schon auch einen Placebo-Effekt haben. Doch es geht gänzlich ohne Show.
    In dem Moment, da das Feuer hier und dort brennt, hat das physische natürlich für den Praktizierenden schon eine ganz andere Qualität als ein normales Feuer. Da sich das Ahnenfeuer am Übergang von der eigenen Geistwelt zu den Mittelwelten befindet, können sich die Ahnen dann auch um das reale Feuer versammeln.
    Man muss allerdings kein reales Feuer entzünden, nur um am Ahnenfeuer zu sitzen. Es reicht das Hinreisen in der Geistwelt. Die Intesivität einer Reise und der Wahrnehmungen wird durch ein reales Feuer grösser. Wir nehmen meist nur eine Kerze.
    Da die Beschaffenheit des Ahnenfeuers dann aber in die Kerze "wirkte", kann das reale Ahnenfeuer durch ein erneutes Entzünden derselben Kerze wieder hier her geholt werden.
    Alles nicht so einfach zu erklären.

    Vielleicht hilft einer unserer Blogartikel weiter:
    Ahnenrituale.

    Liebe Grüsse aus der Stube


  • Gast

    Danke für die Antwort.
    Ich muss da später erstmal in Ruhe drüber nachdenken.

    Gruß: Widulf


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