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Schamanenstube - Schamanismus Schule und Praxis

Auf dem Weg zur Schamanenstube




Ich bin auf dem Weg, mehr aus meinem Leben zu machen. Widrigkeiten, Schicksalsschläge und Trauer säumen meinen bisherigen Weg. Halt finde ich nicht so wirklich in Religionen. Mir zusätzlich Dogmen, Verbote und Pflichten auferlegen, ist nicht in meinem Sinn. Ich möchte die Freiheit haben, mich entwickeln zu können und das in Begleitung von Menschen, die einerseits Sicherheit vermitteln, andererseits mich frei meinen Weg gehen lassen. Das scheint es nicht zu geben.
So streife ich umher, mache Spaziergänge über lange Wege, wälze meine Gedanken und versuche auf eigene Faust immer wieder mich aufzuraffen und mir ein Regelwerk zu erstellen, wie ich es schaffen kann, mein Leben zu meistern. An grossen Seen vorbei führt mich mein Weg, über Gebirgsketten und hinein in tiefe Wälder. Es ist ein langer Weg.



Schamanenstube Sicherheit

Unscheinbar erblicke ich hinten im Wald ein Licht. Ein warmes Licht. Ich nähere mich, um herauszufinden, was denn da ist. Ein Gebäude tut sich mir auf zwischen all den Bäumen, der Wald lichtet sich und ein goldig warmes Licht erhellt den Boden. Aus den Fenstern des Hauses scheint dieses Licht heraus. Es könnte ein Pub sein. Zumindest das Schild über dem Eingang zeigt die klaren Umrisse eines gemütlichen Pubs.



Schamanenstube
Soll ich eintreten? - Die Türen stehen offen und laden mich ein.
Ich halte inne und besinne mich zurück auf meinen Weg, der mich vor diese Türen gebracht hat. Es ist mein Weg, mein Gerümpel, mein ganz persönliches Denken und Erleben. Mag ich das teilen mit Fremden? - Werden sie mich verstehen?
Ich möchte niemandem zur Last fallen mit meinen Dingen. Und doch, hier leuchtet ein Licht, das ich nehmen kann oder es weiter leuchten lassen kann. Es steht mir frei, mich in diese Welt zu begeben oder mich wieder von Dannen zu machen. Ich drehe mich um, sehe den Wald, den Weg, woher ich kam. Dort spüre ich ebenso eine Sicherheit. Die Sicherheit, so weiter machen zu können, wie bisher. Das bietet mir zwar nicht wirklich was Neues, aber im Alten finde ich Halt.
Ich wanke.

Mutig sein fällt mir schwer. Denn eigentlich geht es um mein Leben, meinen Sinn im Leben, meine Tränen und meine tief verborgene Trauer.

Es geht um mich.

So bin ich vorsichtig und wage einen Blick durch ein Fenster. Innen scheint es warm zu sein. Ein Feuer brennt, Menschen sitzen an einem langen Tisch. Sie unterhalten sich. Sie rauchen. Eine Flasche Wein und belegte Brötchen stehen bereit.


Das scheint eine friedliche Runde zu sein. Jemand am Tisch scheint etwas zu erzählen, die anderen hören der Person zu, stellen ab und an Fragen. In ihren Gesichtern lese ich, dass sie einer Geschichte folgen, gespannt und komplett mit dabei.
Hören sie jemandem zu, der ihnen von seinen Problemen erzählt? Ich kann niemanden erkennen, der das leitet, alle sind gleich auf und alle achten sich gleich wohl. Die kennen sich wohl schon seit Jahren, so eingehend und liebevoll wie sie miteinander umgehen.

Ich trete ein und im gleichen Moment kommt mein Schuldgefühl hoch, ob ich wohl störe. Jemand steht auf, lächelt und begrüsst mich. "Nimm Platz, einen Kaffee?".
Ich werde freundlich aufgenommen, Platz wird mir gemacht. Sie scheinen alle zu spüren, dass mir etwas unwohl ist und beziehen mich mit ein. - "Wir sprechen gerade darüber, warum unser Kollege sich ständig im selben Muster verliert, immer mehr als zu genügen. Magst Du zuhören?" - Ich nicke und halte mich an der eben gebrachten Tasse Kaffee fest.

Der Kollege erzählt weiter, wie er sich immer innerlich dazu genötigt fühlt, alles in seinem Job überkorrekt zu machen, mehr zu machen, als von ihm verlangt wird.


Meine Tisch-Nachbarin bietet mir eine Zigarette an und schiebt einen Aschenbecher in meine Richtung. Ich fühle mich willkommen. Noch etwas perplex, dass ich einfach so an einem sehr persönlichen Gespräch teilnehme. Das Thema beschäftigt mich mit, ich tauche ein. Die Regungen der anderen nehme ich wahr: sie sind mitten drin und scheinen die Worte auf sich wirken zu lassen. Ab und an notiert sich jemand etwas auf seinen Block. Jemand scheint zu zeichnen und schaut immer wieder mal auf, um Bild und Erzählen in Einklang zu bringen.
Ich spüre, wie sich alle intensiv auf den Erzähler einlassen und sich kümmern. Das rührt mich.
"Was meinst Du, woher kann denn so ein übersteigertes Pflichtbewusstsein kommen?", meint jemand zu mir. - Hui, jetzt bin ich wohl dran und soll was sagen? Ich antworte, dass ich etwas überrumpelt bin, hier jetzt einfach so teilzunehmen. "Das macht nichts, wir sind alle nur Menschen. Hast Du einen Gedanken?". Ja, den habe ich in der Tat. Ich äussere, dass es mir oft ähnlich ergeht, tauche aber nicht zu sehr in meine Geschichte ab, um den Fokus auf den eigentlichen Erzähler nicht zu verlieren. Dieser fragt sofort interessiert nach, wie ich denn aus diesem Drang jeweils wieder heraus komme.

Einer am Tisch kommentiert die Frage mit einem Fachwort: Ressourcen-Aktivierung. Das bringt mich etwas aus dem Konzept und macht mich gleich gwundrig. Lernt ihr hier?
Ja, wir sind eine Schule für Schamanismus und Therapie. Wir vereinen schamanische Wahrnehmung und Wirken mit therapeutischen Methoden.
"Schamanisch?" - Waddnda?
Mir wird erläutert, es ginge um andere Wahrnehmungen, andere Sichtweisen und Objektivitäten, um sich Problemen annehmen zu können. Eigentlich nur Technik, die sich weit ausdehnt und einem Zusammenhänge selbst klar machen kann.
Das Gespräch nimmt seinen Lauf. Ich werfe irgendwo die Frage ein, ob der Kollege denn schon als Kind diesen Drang zum Perfektionismus hatte. Da streckt mir die Person, die vorher eine Zeichnung anfertigte, eben diese Zeichnung entgegen. "Schau mal, das sind die Familienkonstellationen." Ich sehe einen kleinen Stammbaum, Kinder, Eltern und auf einer Seite auch Grossmutter und Grossvater. Der Vater hat die Hosen an, so wie er gezeichnet ist. Die Mutter wirkt gebückt.
"Hier haben wir die Ordnungen der Familie aufgezeichnet, um den Aspekt greifbar zu machen, woher die Pflicht ursprünglich vielleicht herkommt.


Das Gespräch dauert lange. Zwischendurch werden Köstlichkeiten gereicht, die die Anwesenden mitgenommen haben. Ein schöner Abend, als ob ich direkt in einen Freundeskreis aufgenommen wurde, von denen ich vorher niemandnen kannte. Auf meine Frage, wie lange sie sich denn schon kennen, antworten einige mit "Ich bin schon fast ein Jahr dabei", andere antworten mit "seit einem Monat" und wieder andere sind heute erstmals dabei wie ich.
Die Gastgeber lächeln mich an: wir sind eine Schule und zugleich eine Praxis. Therapeutisches Lernen steht im Vordergrund. Wir versuchen mit Techniken der Gesprächsführung Menschen einen Rahmen zu bieten, sich entfalten zu können und auf neue Ideen zu kommen, wie sie mit sich selbst und anderen umgehen möchten. Dabei lösen wir nicht ihre Probleme, sondern helfen uns gegenseitig, Probleme selbst in Angriff nehmen zu können.



Schamanenstube Module

So höre ich von ernsthaften Menschen an diesem Tisch, die gerade Dinge aus ihrem Leben angehen, wie Jobsuche, Partnerverlust, starke Schuldgefühle, und vielen weiteren Lebensbereichen.
Eine Art Selbsthilfegruppe, die sich aber mit aktiver Hilfe auszukennen scheint. Ab und an werden Techniken erwähnt. Einige davon verstehe ich, andere nicht. Die Kursleiter scheinen zu wissen, was ich verstehe und was nicht, so führen sie immer wieder in meine und andere Richtungen aus, was denn was ist. Von Krafttieren, Weltenwechseln, einem schamanischen Rat und tausend Dingen wird gesprochen.
Nach einer speziellen therapeutischen Technik, einer sogenannten Intervision gibt es eine kleine Pause. Einige sind emotional sehr bewegt durch die Gespräche und Aktionen und gleichzeitig wirken sie sichtlich ruhig, gefasst und eine innere Zufriedenheit scheint sie zu tragen. Hier wird ernsthaft gearbeitet, hier geht es tief, hier taucht man ein in die Geschehnisse des Lebens. Kein oberflächliches Kratzen, keine Selbstdarstellung.
Und immer wieder die Moderation, immer wieder Hinweise auf Richtungen, wie sich neue Rahmen entwickeln, die trotz ihrer Einschränkung die Freiheit erlauben, weit über den Horizont heraus neue Gedanken fassen zu können.

Es geht mir gut. Hier ist Leben.


Wir putzen den Tisch nach der Pause, eine Suppe wird aufgetischt. Fein riecht sie. Es ist nicht nur so, dass die Menschen hier sich tiefgehend mit dem Leben auseinander setzen, sie sind auch wirklich in der Kompetenz, Dinge geniessen zu können. Ich bedanke mich für die Suppe und geniesse mit.

"Weshalb bist Du hier?"
Ich bin gemeint. Vor drei Stunden kam ich durch diese Tür und ich erinnere mich an meinen Blick zurück in den dunklen Wald. Ohne mir Gedanken zu machen, beginne ich zu erzählen, was mich bedrückt, was meine letzten Jahre dominiert und wie unzufrieden ich mich fühle. Es ist nicht so, dass ich nur noch Trübsal blase, aber es geht einfach nicht vorwärts in meinem Leben. Hinzu kommt eine kleine Krankheit, die es mir auch nicht leichter macht. Beruflich geht es mir gut, ich habe eher Schwierigkeiten in Beziehungen. Freunde gibt es selten, ich sitze eher zu Hause und verbringe Zeit vor dem Fernseher oder im Facebook.


Schamanenstube Lebenshilfe
Unscheinbare und einfache Zwischenfragen kann ich leicht beantworten. Ich spüre, wie sich die Menschen um mich herum ein Verstehen meiner Situation bemühen.

Als ich alles vor mich hin auf den Tisch gelegt habe, was mich zur Zeit beschäftigt, blicke ich erwartungsvoll in die Runde.
Sie schweigen. Sie sagen nichts. "Habt ihr denn keine Lösung für mich?"
"Nein", ertönt es aus der Runde. "Natürlich nicht. Die wirst nur Du haben." Sie fragen, ob sie über das Erzählte offen sprechen dürfen. "Ja, bitte gerne."

Einer nach dem anderen beginnt von Dingen zu sprechen, die ich gar nicht über mich erzählt habe. Vieles haben sie abgeleitet durch ihre sogenannte Gefühlslogik. Jemand erzählt sogar, ich würde um das Recht ringen, dass es mir schlecht gehen dürfe. Das führt er auch noch aus und nennt Punkte, die das in der Tat belegen. Ich werde ruhig, muss das erst einmal mit mir selbst ausmachen.
Ich versuche mich zu wehren und merke, dass ich es genau in diesem Wehren schon wieder tue: ich verteidige meinen Hinzug zur Trauer. Meine Gedanken dazu sprudeln heraus und ich äussere meine Unsicherheiten, meine gerade erkannte Tendenz, mich dem Schlechten hinzugeben, statt dem Schönen im Leben. Dabei bemerke ich, wie eine Träne mir über die Backen rollt.

Eigentlich haben sie gar nichts getan, aber mir sind durch mein eigenes Erzählen Dinge aufgegangen, die ich nun zu formulieren weiss. Für mich.
"Wie kann ich mich ändern, damit ich mich glücklich machen kann?" - "Das ist genau die richtige Frage, die schon zeigt, dass Du bereits mitten drin bist, das zu ändern. - Du beginnst, Dich selbst glücklich zu machen, auf Dich selbst zu achten und bewusst mit Dir umzugehen."


Der Abend ging bis tief in die Nacht hinein. Liebevolles Verabschieden mit guten Wünschen beendet das Beisammensein. Ich verlasse diesen Ort wieder, und trage einen Schatz nach Hause, der mich sicher in meinen Wald zurück führt.
Ich habe eine Welt gefunden, in die ich jederzeit zurückkehren kann und in der ich willkommen bin. Mit allem, was ich bin.
Wo immer ich bin, wo immer ich sein werde: die Kraft der Liebe und Echtheit wohnt in mir und erfüllt mich mit ihrem Wirken.

Ich danke.





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